Missing Link: Ein Plädoyer wider den KI-Populismus

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<html> <p class=„printversionback-to-article printversion–hide“><a href=„https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Ein-Plaedoyer-wider-den-KI-Populismus-4063789.html“>zur&#252;ck zum Artikel</a></p><figure class=„printversionlogo“><img src=„https://1.f.ix.de/icons/svg/logos/svg/heiseonline.svg“ alt=„heise online“ width=„180“ heigth=„40“/></figure><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/Auge_Intelligenz-f45471cdad71cf8e.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/Auge_Intelligenz-f45471cdad71cf8e.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/Auge_Intelligenz-f45471cdad71cf8e.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1500/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/Auge_Intelligenz-f45471cdad71cf8e.jpeg 1500w, https://heise.cloudimg.io/width/1783/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/Auge_Intelligenz-f45471cdad71cf8e.jpeg 1783w“ sizes=„(min-width: 80em) 43.75em, (min-width: 64em) 66.66vw, 100vw“ alt=„Auge, K&#252;nstliche Intelligenz, KI“ class=„img-responsive“/><figcaption class=„akwa-caption“><p class=„source akwa-captionsource“>(Bild:&#160;<a href=„https://pixabay.com/de/users/PIRO4D-2707530/“ target=„_blank“ rel=„external“>Orlando</a>, gemeinfrei (Creative Commons <a href=„https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de“ target=„_blank“ rel=„external“>CC0</a>))</p> </figcaption></figure><p><strong>In der Anfangszeit platzten die Wissenschaftler vor Optimismus: Die Schaffung denkender Maschinen schien nur wenige Jahre entfernt. Dann wurde es etwas still um die KI. Heute setzen wieder viele ihre Hoffnung in die KI-isierung der digitalen Gesellschaft.</strong></p> <p>In der Anfangszeit der K&#252;nstlichen Intelligenz waren die Hoffnungen noch gro&#223;: Die vom ber&#252;hmten Alan Turing h&#246;chstpers&#246;nlich gestellte Frage &#8211; „k&#246;nnen Maschinen denken?“ &#8211; schien in wenigen Jahren l&#246;sbar. So einfach war es dann doch nicht, in den 70er Jahre wurde es im sogenannten KI-Winter sehr ruhig um die Disziplin.</p> <p>Heute ist K&#252;nstliche Intelligenz wieder in aller Munde &#8211; ob es um Bilderkennung, die Vorauswahl von Bewerberinnen und Bewerbern, autonom fahrende Autos oder das so genannte social scoring (die Bonit&#228;tspr&#252;fung mittels Daten aus sozialen Netzwerken) geht. Alle gro&#223;en Internet-Konzerne arbeiten fieberhaft an Sprachassistenten, die das next big thing des digitalen Kapitalismus zu werden versprechen. Hier werden jedoch deutlich kleinere Br&#246;tchen gebacken. Von denkf&#228;higen Robotern, die mit uns Menschen gleichziehen, ist nicht mehr die Rede.</p> <p>Gelegenheit, einmal der Geschichte einer kontroversen Disziplin nachzusp&#252;ren, die gleich mit einem Marketing-Coup startete und seitdem durchgehend von populistischen Bildern und Vorstellungen gepr&#228;gt ist. Ein Pl&#228;doyer f&#252;r einen n&#252;chternen Umgang mit datengetriebener Software-Anwendungen.</p> <div class=„a-inline-textbox a-u-inline-right“> <h4>Ein Beitrag von Timo Daum</h4> <p>Timo Daum, geboren 1967, studierte Physik an den Universit&#228;ten Karlsruhe und Hamburg und schloss sein Studium 1994 mit dem Diplom ab. Seit 2004 ist er als Dozent in den Bereichen Wirtschaftsinformatik und zu Themen der Digitalen Transformation an Fachhochschulen im In- und Ausland t&#228;tig. Er arbeitet zudem u.a. als Multimedia-Designer und Anwedungsentwickler. Sein neuestes Buch, Das Kapital sind wir: Zur Kritik der digitalen &#214;konomie„, erschien in der Edition Nautilus.</p> <ul><li><strong>Timo Daum bei 2pir[1]</strong></li> <li><strong>Das Kapital sind wir: Zur Kritik der digitalen &#214;konomie[2]</strong></li> <li><strong>Zum Digitalen Kapitalismus[3]</strong></li> </ul></div> <h3 class=„subheading“ id=„nav_ein_blick_zur&#252;ck_1“>Ein Blick zur&#252;ck</h3> <p>K&#246;nnen Maschinen denken? Dieser Frage widmete sich Alan Turing in seinem bahnbrechenden und dar&#252;ber hinaus am&#252;sant zu lesenden Essay „Rechenmaschinen und Intelligenz“ aus dem Jahre 1950 (Alan M. Turing, <strong>Computing machinery and intelligence[4]</strong>. Mind, 59, (1950). 433-460). Gleich im ersten Absatz gibt er die passende Antwort auf die Frage: das sei „absurd“!</p> <p>Warum? Weil die Begriffe Maschine und Denken an sich schon so dehnbar seien, dass viel mehr als eine akademische Diskussion nicht zu erwarten sei. Turing verwirft den Versuche, einer Definition und schl&#228;gt stattdessen ein Imitationsspiel vor, das ein eindeutiges Ergebnis auf die Frage, ob eine Maschine intelligent sei oder nicht, zu liefern in der Lage sei: Der ber&#252;hmte Turing-Test der K&#252;nstlichen Intelligenz.</p> <p>Beim Turing-Test kommuniziert eine Person (Jury) &#252;ber einen Chat mit einem Menschen und mit einem Computer parallel. Beide versuchen, die Jury in endlicher Zeit zu &#252;berzeugen, menschlich zu sein. Gelingt es dem Computer, zu einem gewissen Prozentsatz als Mensch durchzugehen, spricht Turing diesem Computer Intelligenz zu: Er hat das Imitationsspiel gewonnen.</p> <p>Es geht Turing hier um zweierlei. Erstens darum, sich von jedem Essenzialismus zu l&#246;sen und die Frage abzukoppeln vom biologischen Substrat. Und zweitens die Beantwortung der Frage gleichzusetzen mit dem erfolgreichen „So-tun-als-ob“. Es geht ihm nicht um eine wir auch immer geartete echte Intelligenz. Das erfolgreiche Vorspiegeln derselben ist hinreichend &#8211; ein performativen Intelligenz-Begriff.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_eine2“>Eine optimistische Prognose</h3> <p>Alan Turing selbst wagte eine Prognose: Er sch&#228;tzte die Speicherkapazit&#228;t des menschlichen Gehirns auf 1010 bis 1015 Bit, der damals noch ganz jungen digitalen Speichereinheit; Computer mit 107 Bits schienen zum Zeitpunkt der Ver&#246;ffentlichung in Reichweite zu sein: „Es sollte mich &#252;berraschen, wenn mehr als 109 [Bits] erforderlich w&#228;ren, um das Imitationsspiel befriedigend zu spielen (Beachte: die Kapazit&#228;t der Encyclopaedia Britannica betr&#228;gt 2 &#215; 109).“</p> <div class=„a-inline-textbox a-u-inline-right“> <h4>Weiterf&#252;hrendes:</h4> <ul><li>Alan M. Turing, “<strong>Computing machinery and intelligence[5]</strong>. Mind, 59, (1950). 433-460</li> <li>J. McCarthy, M. L. Minsky, N. Rochester, C. E. Shannon: „<strong>Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence[6]</strong>“, 31.8.1955</li> <li>Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und Die Ohnmacht der Vernunft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977</li> <li>Joseph Weizenbaum, &#220;ber Computer, Prognosen und Sprache, in: Ad Libitum: Sammlung Zerstreuung, Volk und Welt. Berlin: Volk und Welt, 1990</li> <li>Levesque, Hector J., Common sense, the Turing test, and the quest for real AI. Cambridge, Massachusetts: MIT Press, 2017</li> <li>Kaplan, Jerry, Guido Lenz, K&#252;nstliche Intelligenz. Frechen: mitp Verlags GmbH &amp; Co. KG, 2017.</li> </ul></div> <p>Der erste algorithmische Schachweltmeister (IBMs Deep Blue) verf&#252;gte 1996 &#252;ber 36 Knoten &#224; 1010 Bit, jeder handels&#252;bliche Laptop verf&#252;gt heutzutage &#252;ber Arbeitsspeicher mit ca. 1011 Bit. Und doch sind Computer weit davon entfernt, mehr als ganz konkrete Aufgaben bew&#228;ltigen zu k&#246;nnen, noch keiner hat den Turing-Test bestanden geschweige denn ansatzweise die Vorstellung von menschen&#228;hnlichen Denkf&#228;higkeiten auch nur ansatzweise simulieren k&#246;nnen.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_ki_sommerfrische_3“>KI-Sommerfrische</h3> <p>Als Turing seinen Test erfand, war der Begriff K&#252;nstliche Intelligenz noch gar nicht erfunden. Das besorgte ein paar Jahre sp&#228;ter der amerikanische Mathematiker John McCarthy. Um Geldgeber f&#252;r ein von ihm geplantes Sommerlager von Mathematikern zu gewinnen, <strong>erfand er den Begriff, der sich als genialer Marketing-Coup erweisen[7]</strong> sollte: artificial intelligence. Anl&#228;sslich dieses historischen Ereignisses lieferte er gleich eine Definition mit: „Die Herstellung einer Maschine, die sich auf eine Art und Weise verh&#228;lt, die wir intelligent nennen w&#252;rden, wenn ein Mensch sich so verhielte.“ Auch hier begegnen wir dem ergebnisorientierten Kalk&#252;l &#224; la „entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ (Helmut Kohl) wieder.</p> <p>McCarthy bekam sein Geld und das „<strong>Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence[8]</strong>“ konnte stattfinden &#8211; „im Wesentlichen eine ausgedehnte Brainstorming-Session“, so jedenfalls der amerikanische KI-Spezialist und Autor Jerry Kaplan.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_k&#252;nstliche4“>K&#252;nstliche Intelligenz &#8211; ein Marketing-Begriff</h3> <p>Bis heute m&#252;ssen wir uns nun mit dieser problematischen Wortsch&#246;pfung herumschlagen. Auch McCarthys Definition ist nicht sehr pr&#228;zise, geschweige denn wissenschaftlich: Erstens bem&#252;ht sie einen Vergleich mit menschlichem Verhalten bzw. unserer Haltung zu diesem: Was Intelligenz &#252;berhaupt sein soll, wird immer noch kontrovers diskutiert. Und zweitens sagt McCarthys Definition nichts &#252;ber Struktur oder Funktionsweise aus. Definierten wir analog z.B. einen Motor als etwas, das stinkt und ein Auto bewegen kann, w&#252;rde uns das nicht zufriedenstellen &#8211; es enth&#228;lt keine Aussagen &#252;ber das Wesen bzw. das Funktionsprinzip des Motors.</p> <p>Die Initiatoren gingen von der Annahme aus, dass „jeder Aspekt des Lernens oder jeder anderen Manifestation von Intelligenz letztlich so genau beschrieben werden kann, dass er auf einer Maschine simulierbar ist“. Das Programm des Symposiums war sehr ambitioniert: „Es wird versucht herauszufinden, wie man Maschinen dazu bringt, Sprache zu benutzen, Abstraktionen zu bilden, Konzepte zu entwickeln, Probleme zu l&#246;sen, die bisher Menschen vorbehalten waren und wie man sie dazu bringt, darin besser zu werden,“ schreiben die Autoren in die Beschreibung des Forschungsvorhabens.</p> <p>Optimismus pur zu Zeiten der „guten alten KI“, wie Hector J. Levesque die euphorische Fr&#252;hzeit der KI-Forschung nennt &#8211; viel mehr als das Schlagwort selbst kam bei dem Mathematiker-Sommercamp allerdings nicht heraus&#8230;</p> <figure class=„ akwa-inline-img col-lg-12 col-md-12 col-sm-12 col-xs-12“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/1920/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/DerDenker_Rodin-705fd5af739720c0.jpeg“ alt=„Der Denker, Rodin“ class=„akwa-article-teaserimage“/><figcaption class=„rteinlinebild_source akwa-caption“>(Bild:&#160;<strong>Johnnie Shannon[9]</strong> )</figcaption></figure><h3 class=„subheading“ id=„nav_der_erste5“>Der erste Chatbot der Welt</h3> <p>Zehn Jahre sp&#228;ter schuf der in Berlin geborene <strong>Joseph Weizenbaum[10]</strong> das ber&#252;hmte Eliza-Programm und damit den ersten Chatbot der Computergeschichte. Er nannte ihn in Anlehnung an Eliza Doolittle aus „My Fair Lady“ Eliza. Weizenbaum war j&#252;dische Abstammung, seine Familie floh vor den Nazis nach Amerika, wo er fr&#252;h an Computerprojekten mitarbeitete, gilt als einer der Gr&#252;nderv&#228;ter der KI-Disziplin und hat sich als einer der ersten mit machine learning besch&#228;ftigt, also der F&#228;higkeit von Maschinen, Handlungen auszuf&#252;hren, ohne explizit daf&#252;r programmiert worden zu sein.</p> <p>„Meine Idee war, dass mein Sprach-Analyse-Programm in seiner sprachlichen Ausdrucksweise immer besser, also differenzierter, genauer und raffinierter werden w&#252;rde, genau wie die Blumenverk&#228;uferin aus dem Musical, unter der Anleitung ihres Lehrers Professor Higgins. Mein Eliza-Programm war als eine Art Zwei-B&#228;nder-Anordnung angelegt.“ Auf der einen Seite der Algorithmus und auf der anderen Seite die vom jeweiligen Gespr&#228;chspartner gelieferten Daten. Das Programm konnte nat&#252;rliche Sprachen „verstehen“, sprich: Texteingaben verarbeiten und in Textform (auf Englisch) beantworten, der entsprechende Fachbegriff daf&#252;r lautet natural language processing.</p> <p>Das von Weizenbaum 1966 am MIT entwickelte Programm funktioniert recht simpel, enth&#228;lt aber schon die wesentlichen Elemente s&#228;mtlicher KI-Anwendungen. Er entwickelte zun&#228;chst ein Skript f&#252;r eine Psychoberatung, das er folgenderma&#223;en beschrieb: „Da waren zwei Gespr&#228;chsteilnehmer, der Mensch und der Computer. Der Mensch tippte seinen Gespr&#228;chsbeitrag in die Tastatur des Computers &#8211; damals nannte man es eine Schreibmaschine, die an einen Computer angeschlossen war &#8211; und mit Hilfe meines Programms analysierte der Computer diese Aussage und erzeugte eine Antwort, die &#252;ber die Schreibmaschine ausgedruckt wurde.“</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_joseph6“>Joseph Weizenbaum oder die Ohnmacht der Vernunft</h3> <p>Joseph Weizenbaum, Pionier der K&#252;nstlichen Intelligenz und gleichzeitig ihr gr&#246;&#223;ter Kritiker, zutiefst humanistischer Computer-Pessimist und am&#252;santer Erz&#228;hler, war &#252;berrascht &#252;ber die Reaktionen auf sein Programm. Er beobachtete, dass sich die Nutzerinnen und Nutzer rasch auf das therapeutische Setting einlie&#223;en, ja sogar begannen, emotionale Beziehungen zu Eliza aufzubauen: „Einmal f&#252;hrte meine Sekret&#228;rin eine Unterhaltung mit ihm; sie hatte seit Monaten meine Arbeit verfolgt und mu&#223;te von daher wissen, da&#223; es sich um ein blo&#223;es Computerprogramm handelte. Bereits nach wenigen Dialogs&#228;tzen bat sie mich, den Raum zu verlassen.“ (Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977)</p> <p>Die Frage, ob wir ein Computerprogramm f&#252;r intelligent halten oder nicht, scheint also eher mit uns selbst zu tun zu haben als mit dem fraglichen Programm und dessen F&#228;higkeiten oder Komplexit&#228;t. Weizenbaum hat das klar erkannt: die „Reaktionen auf Eliza haben mir deutlicher als alles andere bis dahin Erlebte gezeigt, welch enorm &#252;bertriebenen Eigenschaften selbst ein gebildetes Publikum einer Technologie zuschreiben kann oder sogar will, von der es nichts versteht“, schrieb er seinerzeit.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_maschinen7“>Maschinen lernen und spielen anders</h3> <p>Auch maschinelles Lernen, ein weiterer Slogan, der den derzeitigen Schwerpunkt der KI-Forschungen und Anwendungen derzeit ausmacht &#8211; von den digitalen Sprachassistenten bis hin zur Software f&#252;r Autonomes Fahren, &#252;berall ist machine learning im Spiel &#8211; ist ein tr&#252;gerischer Begriff. Maschinelles Lernen unterscheidet sich stark von der Art und Weise, wie wir Menschen lernen. Das Training mit vielen Daten, das hier zum Einsatz kommt, ist nicht zu vergleichen mit dem schwammartigen Aufsaugen von Information, deren Rekombination und Abstraktion, die wir von uns selbst kennen. Maschinelles Lernen ist demgegen&#252;ber ein m&#252;hseliger Prozess, erfordert viel Vorbereitung durch menschliche Forscher oder Ingenieurinnen, spezielle Programmierung und spezielle Trainingsdatens&#228;tze.</p> <p>Wenn wir h&#246;ren, dass ein Computer den Weltschachmeister (1997) oder einen der weltbesten Go-Spieler (im Jahr 2016) schlagen kann, neigen wir dazu, zu glauben, dass sie das Spiel „spielen“, wie es ein Mensch es tun w&#252;rde. Diese Programme haben aber keine Ahnung, was &#252;berhaupt ein Spiel ist. Sie sind zwar besser im Spiel, stellen sich aber gleich wieder ganz bl&#246;d an, sobald man die Regeln ein wenig &#228;ndert. F&#252;r einen Menschen ist das kein Problem, die KI kann ihr gesamtes Deep Learning hingegen in die Tonne treten und muss wieder ganz von vorne anfangen &#8230;</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_wider_den8“>Wider den KI-Populismus</h3> <p>Wir neigen also dazu &#8211; daran hat sich seit Weizenbaums Eliza nichts ge&#228;ndert &#8211; emotional auf technische Neuerungen zu reagieren: von „ach wie s&#252;&#223;“ &#252;ber „so intelligent sind die schon“ bis hin zu „Kollege Roboter macht uns arbeitslos“ oder „wann &#252;bernehmen die Maschinen die Kontrolle“ reicht dabei die Spannweite der Reaktionen. Dies wird von den Marketing-Abteilungen der Hersteller, Forschungsinstitutionen und Softwarefirmen ausgenutzt. Diese sind geschult darin, uns gezielt mit Bildern und Metaphern in die Irre zu f&#252;hren, uns bei unserer Infantilit&#228;t zu erwischen, um Emotionen zu erzeugen.</p> <figure class=„ akwa-inline-img col-lg-12 col-md-12 col-sm-12 col-xs-12“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/2000/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/4/3/5/7/9/6/KI-02-8c692031db718ccb.jpeg“ alt=„K&#252;nstliche Intelligenz, KI“ class=„akwa-article-teaserimage“/><figcaption class=„rteinlinebild_source akwa-caption“>(Bild:&#160;<strong>Gerd Altmann[11]</strong>, gemeinfrei )</figcaption></figure><p>Wenn also Boston Dynamics ihre Tieren nachempfundenen Milit&#228;r-Roboter vorstellen, wenn die Firma Paro die niedliche Robbe vorstellt, die zur Pflege und zum Zeitvertreib von Senioren gedacht ist, dann steckt im Design auch immer das Kalk&#252;l, uns bei unseren Emotionen zu packen. Auf der einen Seite sind wir schnell bereit, einzelne Meldungen als Sensationen und Durchbr&#252;che zu sehen. Aber auch auf der anderen Seite sind wir f&#252;r d&#252;stere Szenarien empf&#228;nglich, ein wohliger Schauer l&#228;uft uns &#252;ber den R&#252;cken, wenn wir etwa &#252;ber „die dunkle Macht der Algorithmen“ lesen.</p> <p>Der tats&#228;chliche Funktionsumfang, m&#246;gliche Einsatz-Szenarien und anvisierte Gesch&#228;ftsmodelle geraten aus dem Blick. Die emotionalen Reaktionen verschleiern nur die Funktionsweise einerseits, und die Zielsetzungen der Meister der Algorithmen und Roboter andererseits: meistens private Firmen, die bestimmte Gesch&#228;ftsmodelle im Blick haben oder ganz schlicht, wie dereinst John McCarthy auf F&#246;rdergelder hoffen. Ich nenne das KI-Populismus.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_wir_sollten_es9“>Wir sollten es nicht K&#252;nstliche Intelligenz nennen</h3> <p>Wenn wir &#252;ber K&#252;nstliche Intelligenz reden, hantieren wir mit einem schwer zu fassenden Begriff. Und zudem schwingt der Vergleich mit dem Menschen und seinen geistigen F&#228;higkeiten immer mit. Daher m&#246;chte ich zweierlei vorschlagen: Wir sollten nicht &#252;ber k&#252;nstliche Intelligenz sprechen, wenn von Software die Rede ist, die f&#252;r spezifische Situationen programmiert ist.</p> <p>Au&#223;erdem schlage ich vor, dass wir die Diskussion dar&#252;ber, ob oder wie intelligent ein Algorithmus oder eine Maschine sind, nicht f&#252;hren. Sondern uns stattdessen fragen, welche Aufgaben sie auf welche Weise und in welchem Ma&#223; erfolgreich bew&#228;ltigen k&#246;nnen. Wozu dienen sie, wie gut l&#246;sen sie eine bestimmte Aufgabe? Und wir sollten auch immer fragen: Wem geh&#246;ren sie, wer will uns was verkaufen und was macht das mit uns?</p> <p>Vielleicht nennen wir es einfach anders, z.B. Software 2.0? Dann werden Eliza, Deep Blue oder Watson pl&#246;tzlich zu etwas ganz und gar Irdischem. Genauso wie Blitz und Donner das Magische verlieren, sobald ihre wissenschaftliche Erkl&#228;rung bekannt ist, genauso entmystifiziert das Verst&#228;ndnis, wie eine gegebene Software oder ein Automat die ihm aufgetragenen Aufgaben l&#246;st, eben diese, egal ob es sich bei der gel&#246;sten Aufgabe um eine einfache Rechnung, um das Steuern eines Fahrzeugs oder das F&#252;hren eines Gespr&#228;chs in nat&#252;rlicher Sprache handelt. (<em>Timo Daum</em>) / (<strong>jk[12]</strong>)<br class=„clear“/></p> <hr/><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br/><small>

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<strong>[1]</strong>&#160;http://www.2pir.de/about/

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<strong>[2]</strong>&#160;https://edition-nautilus.de/programm/das-kapital-sind-wir/

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<strong>[3]</strong>&#160;http://www.2pir.de/portfolio/digital-capitalism/

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<strong>[4]</strong>&#160;https://www.csee.umbc.edu/courses/471/papers/turing.pdf

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<strong>[5]</strong>&#160;https://www.csee.umbc.edu/courses/471/papers/turing.pdf

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<strong>[6]</strong>&#160;http://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html

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<strong>[7]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/50-Jahre-Kuenstliche-Intelligenz-141200.html

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<strong>[8]</strong>&#160;http://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html

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<strong>[9]</strong>&#160;https://pixabay.com/de/users/jstarj-884623/

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<strong>[10]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Der-letzte-Service-zum-Tode-von-Joseph-Weizenbaum-188114.html

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<strong>[11]</strong>&#160;https://pixabay.com/de/users/geralt-9301/

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<strong>[12]</strong>&#160;mailto:jk@ct.de

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