Seehofers Geheimdienstgesetz: Die Abrissbirne für die Grundrechte

Originalartikel

Backup

<html> <p class=„printversionback-to-article printversion–hide“><a href=„https://www.heise.de/newsticker/meldung/Seehofers-Geheimdienstgesetz-Die-Abrissbirne-fuer-die-Grundrechte-4401986.html“>zur&#252;ck zum Artikel</a></p><figure class=„printversionlogo“><img src=„https://1.f.ix.de/icons/svg/logos/svg/heiseonline.svg“ alt=„heise online“ width=„180“ heigth=„40“/></figure><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/6/6/3/8/7/6/urn-newsml-dpa-com-20090101-130523-99-03381_large_4_3-5e36e3ffeb27913a.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/6/6/3/8/7/6/urn-newsml-dpa-com-20090101-130523-99-03381_large_4_3-5e36e3ffeb27913a.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/800/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/6/6/3/8/7/6/urn-newsml-dpa-com-20090101-130523-99-03381_large_4_3-5e36e3ffeb27913a.jpeg 800w“ sizes=„(min-width: 80em) 43.75em, (min-width: 64em) 66.66vw, 100vw“ alt=„Grundgesetz“ class=„img-responsive“/><figcaption class=„akwa-caption“><p class=„source akwa-captionsource“>(Bild:&#160;dpa, Uli Deck)</p> </figcaption></figure><p><strong>Der Plan von Innenminister Seehofer, die Geheimdienste etwa mit Staatstrojanern aufzur&#252;sten, atmet Orwellschen Geist, analysiert Stefan Krempl.</strong></p> <div class=„collapse-boxtarget collapse-boxcontent a-inline-textboxcontent a-inline-textboxcontent–horizontal-layout“ data-collapse-target=„“> <figure class=„a-inline-textboximage-container“><img alt=„“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/210/q50.png-lossy-50.webp-lossy-50.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/6/6/3/8/5/8/me-8a95e2891c0276fa.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/420/q30.png-lossy-30.webp-lossy-30.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/6/6/3/8/5/8/me-8a95e2891c0276fa.jpeg 2x“ class=„c1“/></figure><div class=„a-inline-textboxcontent-container“> <p class=„a-inline-textboxsynopsis“>Stefan Krempl schreibt seit fast 20 Jahren als freier Autor in Berlin &#252;ber politische, rechtliche und kulturelle Themen rund um Internet. Schwerpunkte seiner Berichterstattung bei heise online sind die Bereiche Netzpolitik, &#220;berwachung, Datenschutz, Urheberrecht und Regulierung.</p> </div> </div> <div class=„collapse-boxtrigger“ data-collapse-trigger=„“>mehr anzeigen</div> <p>Der Referentenentwurf f&#252;r ein „Gesetz zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“ aus dem von Horst Seehofer gef&#252;hrten Bundesinnenministerium h&#228;tte das Licht der Welt nie erblicken d&#252;rfen. Es handelt sich um ein monstr&#246;ses Vorhaben unter dem Deckmantel, doch „nur“ &#252;berbordende &#220;berwachungspraktiken des Bundesnachrichtendiensts (BND) zu legalisieren. Und wenn die auf fragw&#252;rdige Weise gewonnenen Daten schon mal da sind, kann man sie nach Logik der Verfasser auch gleich mit schier allen austauschen, die angeblich irgendwie etwas mit „Sicherheit“ zu tun haben.</p> <p>Dabei stapelt die Mannschaft des CSU-Politikers <a href=„https://www.heise.de/meldung/Seehofer-Entwurf-BND-soll-Bundestrojaner-gegen-Deutsche-im-Inland-einsetzen-duerfen-4355550.html“><strong>unverhohlen einen Angriff aufs Grundgesetz auf den anderen [1]</strong></a> und r&#252;ttelt so an den Fundamenten der liberalen Demokratie und des Rechtsstaats. In einem Haus, zu dessen Aufgabenbereich nicht nur die &#246;ffentliche Sicherheit, sondern auch der Schutz der Verfassung geh&#246;rt, h&#228;tte dies eigentlich dem ein oder anderen Juristen auffallen m&#252;ssen.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_die_vergiftete0“>Die vergiftete Maximalwunschliste</h3> <p>Doch keiner der zahlreichen Rechtsexperten des Ministeriums hat die Notbremse gezogen und verhindert, dass das gef&#228;hrliche Papier an die anderen Ressorts geht, um einen Beschluss durch die Bundesregierung vorzubereiten. Dahinter kann Nachl&#228;ssigkeit stecken oder das Kalk&#252;l, eine bislang im Verborgenen gehegte, vergiftete Maximalwunschliste aus der Schublade zu ziehen und es einfach mal zu probieren. Irgendwas wird bei der SPD schon mit den &#252;blichen Bauchschmerzen durchgehen, selbst wenn der Koalitionspartner einen Gro&#223;teil der ins Spiel gebrachten Vorschriften erst mal ablehnt.</p> <div class=„inread“/> <p>Insgesamt atmet der Entwurf einen unguten Geist, der nicht nur an Orwell erinnert. Eigentlich ist das Dossier der Kritik kaum wert, so grobschl&#228;chtig ist es gestrickt. Einige der geworfenen H&#228;mmer rufen aber doch nach einer Einzelkritik.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_da_hilft_nur1“>Da hilft nur noch Trojaner-Einsatz</h3> <p>Da ist etwa der Vorsto&#223;, dass der BND k&#252;nftig unter anderem deutsche Staatsb&#252;rger und juristische Personen auch im Inland trojanisieren d&#252;rfen soll. Und zwar nicht „nur“ f&#252;r die Quellen-Telekommunikations&#252;berwachung, um WhatsApp, Skype &amp; Co. abzuh&#246;ren. Sondern auch zur noch weiter gehenden heimlichen Online-Durchsuchung etwa von Smartphones oder gr&#246;&#223;eren Computern, auf denen l&#228;ngst das digitale Abbild ihrer Nutzer fein s&#228;uberlich verzeichnet ist.</p> <p>Der Einsatz von Bundes- oder Staatstrojanern stellt generell einen sehr tiefen Eingriff in die Grundrechte und insbesondere in Artikel 10 Grundgesetz und das darin verbriefte Fernmeldegeheimnis dar. Das Bundesverfassungsgericht hat eine solche Ma&#223;nahme im Kampf <a href=„https://www.heise.de/meldung/Karlsruhe-laesst-kaum-Raum-fuer-heimliche-Online-Durchsuchungen-184154.html“><strong>gegen den „internationalen Terrorismus“ nur unter hohen H&#252;rden [2]</strong></a> und bei einer konkreten Gefahr von sehr schweren Straftaten beim Bundeskriminalamt (BKA) zugelassen und zugleich ein <a href=„https://www.heise.de/meldung/Neues-Computer-Grundrecht-schuetzt-auch-Laptops-und-Daten-im-Arbeitsspeicher-184298.html“><strong>Recht auf die Vertraulichkeit und die Integrit&#228;t von IT-Systemen [3]</strong></a> aufgestellt.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_der_staat_als2“>Der Staat als Hacker</h3> <p>Eigentlich m&#252;sste der Staat &#8211; und am besten federf&#252;hrend das Innenministerium &#8211; nach vielen Jahren endlich den damit verkn&#252;pften Auftrag annehmen und mit Leben erf&#252;llen, die IT-Sicherheit der B&#252;rger umfassend zu gew&#228;hrleisten. Stattdessen hat die gro&#223;e Koalition bereits w&#228;hrend der vergangenen Legislaturperiode <a href=„https://www.heise.de/meldung/Bundestag-gibt-Staatstrojaner-fuer-die-alltaegliche-Strafverfolgung-frei-3753530.html“><strong>der Polizei allgemein [4]</strong></a> die Lizenz erteilt, zur Strafverfolgung und zur Gefahrenabwehr etwa Handys oder Laptops zu hacken. Die L&#228;nder sind eifrig dabei, entsprechende Befugnisse zus&#228;tzlich in ihren eigenen Polizeigesetzen zu verankern.</p> <p>Dagegen laufen <a href=„https://www.heise.de/meldung/Staatstrojaner-Anwaelte-und-Journalisten-ziehen-vors-Bundesverfassungsgericht-4144936.html“><strong>mehrere Verfassungsbeschwerden [5]</strong></a>. Unterst&#252;tzer der Eingaben an Karlsruhe halten die breiten Kompetenzen f&#252;r Quellen-TK&#220; und Online-Durchsuchungen f&#252;r den „schwersten Eingriff in der Privatsph&#228;re“, der „dramatischer“ sei „als der gro&#223;e Lauschangriff“ zur Wohnraum&#252;berwachung. Da die Beh&#246;rden daf&#252;r Schwachstellen „horten“ m&#252;ssten, sei letztlich die IT-Sicherheit von Millionen Nutzern weltweit bedroht.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_daten_quot_zum3“>Daten „zum Abschuss freigegeben“</h3> <p>Statt die Entscheidung der Verfassungsh&#252;ter respektvoll abzuwarten, will Seehofer massiv draufsatteln. Der Auslandsgeheimdienst soll offiziell auch Deutsche hacken d&#252;rfen f&#252;r recht vielf&#228;ltige Zwecke und ohne schlagkr&#228;ftige Kontrolle, Ausl&#228;nder nat&#252;rlich sowieso und vogelfrei, denn deren Daten sind schon jetzt „<a href=„https://www.heise.de/meldung/BND-Experte-im-NSA-Ausschuss-Wir-koennen-keine-anlasslose-Massenueberwachung-2443938.html“><strong>zum Abschuss freigegeben [6]</strong></a>“.</p> <p>Nun empfiehlt sich eine Lekture von Paragraf 1 <a href=„https://www.gesetze-im-internet.de/bndg/BJNR029790990.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>BND-Gesetz [7]</strong></a>: Demnach sammelt die Beh&#246;rde Informationen „zur Gewinnung von Erkenntnissen &#252;ber das Ausland, die von au&#223;en- und sicherheitspolitischer Bedeutung f&#252;r die Bundesrepublik Deutschland sind“. Auswerten darf sie das Gefundene auch noch, nur vom Inland steht da nichts.</p> <h3 class=„subheading“ id=„navquot_transit_ka4“>„Transit-Kabelstrecken“ aus dem „virtuellen Ausland“</h3> <p>Um trotzdem erstmals an einen internationalen Internetknoten in Frankfurt am Main herangehen, im gro&#223;en Stil Daten ausleiten und diese teils an die NSA weitergeben zu k&#246;nnen, bem&#252;hte der BND anfangs noch die <a href=„https://www.heise.de/meldung/Geheimakte-BND-NSA-Operation-Eikonal-das-Inland-als-virtuelles-Ausland-3677151.html“><strong>krude Theorie vom „virtuellen Ausland“ [8]</strong></a>. Dahinter verbarg sich die Idee, dass die Daten von „Transit-Kabelstrecken“ erfasst werden, die zwischen zwei Punkten im Ausland verlaufen und Deutschland sowie die Mainmetropole nur durchqueren.</p> <p>Schwarz-Rot hat zwar inzwischen das &#220;berwachen ganzer Netzknoten auch im Inland durch den Geheimdienst mit einem &#252;berarbeiteten Paragraf 6 BND-Gesetz <a href=„https://www.heise.de/meldung/BND-Reform-Bundestag-beschliesst-Internetueberwachung-a-la-NSA-3356543.html“><strong>legalisiert [9]</strong></a> und damit nach eigenen Angaben Folgen aus den Snowden-Enth&#252;llungen und dem NSA-Untersuchungsausschuss gezogen. Laut Hans-J&#252;rgen Papier, Ex-Pr&#228;sident des Bundesverfassungsgerichts, werden dabei aber die Grundrechte nicht angemessen gesch&#252;tzt. So habe der Bundestag etwa einkalkuliert, dass derzeit „begrenzte personelle und sachliche Kapazit&#228;ten“ die BND-Spionage praktisch einschr&#228;nkten. Dem muss aber nicht immer so sein, was hierzulande bekannt sein sollte. Nat&#252;rlich l&#228;uft auch gegen diese Netz-&#220;berwachung im NSA-Stil <a href=„https://www.heise.de/meldung/De-CIX-Betreiber-legt-Verfassungsbeschwerde-gegen-BND-Spionage-ein-4188927.html“><strong>eine Verfassungsbeschwerde [10]</strong></a>, was das Innenressort wiederum nicht st&#246;rt.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_der5“>Der Datenstaubsauger wird aufgedreht</h3> <p>Bleibt noch das <a href=„https://www.gesetze-im-internet.de/g10_2001/“><strong>G10-Gesetz [11]</strong></a>, das selbst schon seit Langem zu einem Trojaner f&#252;r das Grundgesetz geworden ist. Es schr&#228;nkt Artikel 10 ein und erlaubt den Geheimdiensten zum einen &#220;berwachungsma&#223;nahmen gegen einzelne Personen beim begr&#252;ndeten Verdacht auf schwere Straftaten wie Hoch- oder Landesverrat, Gef&#228;hrdung des demokratischen Rechtsstaats oder der &#228;u&#223;eren Sicherheit, Terrorismus oder Sabotage von IT-Infrastrukturen. In etwa in diesem Rahmen soll der BND nun auch den Bundestrojaner von der Leine lassen d&#252;rfen.</p> <p>Wichtig f&#252;r den Auslandsgeheimdienst ist zudem die viel breiter gestreute und damit sensiblere zweite vom G10-Gesetz vorgesehene &#220;berwachungsvariante. Sie h&#246;rt auf den Titel „strategische Fernmeldeaufkl&#228;rung“. Der sperrige Begriff beschreibt eine Art Datenstaubsauger, mit dem der BND internationale Telekommunikation anlasslos, also ohne Verdacht auffangen, sieben und durchsuchen darf. Wen sollte es wundern: <a href=„https://www.heise.de/meldung/Internetueberwachung-Amnesty-klagt-gegen-BND-Datenstaubsauger-3466588.html“><strong>auch dagegen l&#228;uft eine Verfassungsbeschwerde [12]</strong></a>.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_einbruch_beim6“>Einbruch beim Sp&#228;hopfer</h3> <p>Zur&#252;ck zum Staatstrojaner: Von einer Online-Durchsuchung soll hier laut dem Entwurf nur noch bedingt die Rede sein, da die Schlapph&#252;te zumindest f&#252;r „Vorbereitungshandlungen“ auch heimlich die Wohnung eines k&#252;nftigen Sp&#228;hopfers „betreten“ d&#252;rften. „Einbrechen“ w&#228;re der klarere Ausdruck gewesen, denn den Zugang k&#246;nnten sich Agenten „auch ohne Zustimmung des Wohnungsinhabers“ verschaffen.</p> <p>Das erinnert an die Bestimmungen f&#252;r den gro&#223;en Lauschangriff mit einer nochmals erh&#246;hten Eingriffsintensit&#228;t. Polizeirechtler gehen davon aus, dass die psychologischen Folgen f&#252;r die Betroffenen &#8211; so sie jemals tats&#228;chlich im Nachgang &#252;ber das Vorgehen informiert werden sollten &#8211; <a href=„https://www.heise.de/meldung/Polizeigesetz-Brandenburg-Scharfe-Kritik-an-heimlicher-Wohnungsdurchsuchung-4270176.html“><strong>wohl &#228;hnlich stark wie bei einem Wohnungseinbruchsdiebstahl ausfallen d&#252;rfen [13]</strong></a>.</p> <p>Dass die gleichen Rechte auch f&#252;r das Bundesamt f&#252;r Verfassungsschutz (BfV) gelten und die Staatssch&#252;tzer ferner fortan Daten von Kindern erheben und speichern k&#246;nnen sollen, sorgte schon f&#252;r den ein oder anderen Aufreger in der Presse. Angesichts des gesamten Ansatzes des Entwurfs sind das aber fast schon die „geringeren &#220;bel“. Dazu kommt etwa, dass der BND f&#252;r den Trojanereinsatz auch Amtshilfe bei anderen Sicherheitsbeh&#246;rden leisten soll, obwohl es daf&#252;r doch schon die Zentrale Stelle f&#252;r Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis) gibt, vor der <a href=„https://www.heise.de/meldung/Zitis-Staatliche-Hacker-wollen-vernetzte-Autos-knacken-4342114.html“><strong>prinzipiell auch vernetzte Autos nicht sicher sind [14]</strong></a>.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_das_bsi_als7“>Das BSI als Geheimdienst</h3> <p>Dann der vorgesehene umfassende „nachrichtendienstliche Informationsverbund“, in dem unter anderem das Bundesamt f&#252;r Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) voll eingebunden werden soll. Aufh&#228;nger ist hier die gemeinsame Aufkl&#228;rung „elektronischer Angriffe fremder M&#228;chte“. Die Bonner Beh&#246;rde sei zwar „kein Nachrichtendienst“ &#8211; das ist auch dem Innenministerium nicht entgangen. Sie versucht gerade auch eigentlich, ihre Wurzeln just in diesem Umfeld hinter sich zu lassen.</p> <p>Seehofers Juristen finden aber, dass das BSI „keine vollzugspolizeilichen Zwangsbefugnisse“ hat und „die informationelle Zusammenarbeit danach ebenso wie im Falle des BND nicht spezifischen Einschr&#228;nkungen einer grunds&#228;tzlichen informationellen Trennung unterworfen ist“. Parallel soll aber auch noch das Trennungsgebot zwischen Geheimdiensten und Polizei weiter aufgeweicht werden. So d&#252;rfte der BND an Ermittler auf Basis der Initiative im Rahmen einer m&#246;glichst „ressourcenschonenden Zusammenarbeit“ auch „unselektierte, unbearbeitete Informationen einschlie&#223;lich personenbezogener Daten“ &#252;bermitteln.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_nebul&#246;se8“>Nebul&#246;se Gesetzgebungsprosa</h3> <p>Die Begr&#252;ndung f&#252;r die skizzierte virtuelle Zusammenschaltung liest sich &#228;hnlich blumig wie so manche wolkige BND-Theorie: „Der automatisierte Abruf aus der Verbunddatenbank bleibt im &#220;brigen aufgabengepr&#228;gt restriktiv geregelt, wird dabei aber mit den Regelungen zu gemeinsamen Dateien synchronisiert“, hei&#223;t es da rabulistisch. „Dies dient der technikneutralen Klarstellung, dass solche Dateien durch ihre speziellen Verarbeitungsregelungen eine logische Struktur bilden, die jedoch nicht notwendig auf physisch gesonderter Basis realisiert werden muss.“</p> <p>Noch nicht genug von der nebul&#246;sen Gesetzgebungsprosa? Hier noch eine nicht leicht verdauliche Kostprobe, um den Charakter des Entwurfs zu verstehen (nicht die angef&#252;hrten Details): „Bedrohungen f&#252;r die herausragenden Schutzg&#252;ter des &#167; 1 Absatz 1 mit der spezifischen Potenzialit&#228;t der Gef&#228;hrdungslagen nach &#167; 3 Absatz 1 (zweckgerichtete Personenzusammenschl&#252;sse und Wirkungsmacht fremder Staaten) bedingen effektive Fr&#252;haufkl&#228;rung bereits mit niedriger Risikoschwelle. 'Vorfeld'-Charakteristik nachrichtendienstlicher Aufkl&#228;rung ist ein bereits risikobasierter Aufgabenansatz, der grunds&#228;tzlich nicht erst bei konkreten bzw. konkretisierten Gefahren einsetzt, sondern deren Entstehen fr&#252;hzeitig erkennt“.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_wer_sch&#252;tzt_uns9“>Wer sch&#252;tzt uns vor Staatsterrorismus?</h3> <p>Es ist zwar prinzipiell ein ehrenhaftes Unterfangen, die B&#252;rger oder den Staat vor Terror sch&#252;tzen und geheimdienstliche Aktivit&#228;ten aus der tiefdunklen Grauzone herausholen zu wollen. Der alleinige Anspruch dabei kann aber nicht sein, „viele Detailregelungen, die bisher in BND-internen Dienstvorschriften festgelegt waren, nunmehr unmittelbar im Gesetz“ einfach zu kodifizieren. Um die Freiheit und die Menschen vor <a href=„https://www.zeit.de/2007/36/Interview-Helmut-Schmidt/seite-7“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Staatsterrorismus [15]</strong></a> zu sch&#252;tzen, sollte eine ernsthafte und erstzunehmende Politik auch den Mut haben, <a href=„https://www.heise.de/meldung/Geheimakte-BND-NSA-Ansaetze-fuer-eine-demokratische-Geheimdienstkontrolle-3703988.html“><strong>wild gewachsene Befugnisse ganz zu kappen oder zumindest zurechtzuschneiden [16]</strong></a>.</p> <p>Mit alldem nicht genug: Gleichzeitig holt Seehofer mit seinem <a href=„https://www.heise.de/meldung/IT-Sicherheitsgesetz-Schwere-Strafen-fuer-Betrieb-von-Darknet-Foren-und-Doxxing-4359289.html“><strong>Referentenentwurf f&#252;r ein IT-Sicherheitsgesetz 2.0 zu einem weiteren Rundumschlag aus [17]</strong></a>. Das BSI soll damit massiv mit Millionen und fast 900 neuen Stellen zu einer <a href=„https://www.heise.de/meldung/Gastbeitrag-IT-Sicherheitsgesetz-2-0-Seehofer-blaest-zur-Attacke-4397919.html“><strong>riesigen Netz&#252;berwachungsmaschine im Namen der IT-Security aufger&#252;stet werden [18]</strong></a>. Dazu gepackt hat das Innenministerium umfangreiche strafrechtliche Versch&#228;rfungen, um gegen Darknet-Betreiber, „digitalen Hausfriedensbruch“ und Doxxing vorzugehen und die Hackerparagrafen insgesamt aufzubl&#228;hen.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_beugehaft_f&#252;r10“>Beugehaft f&#252;r die Passwortrausgabe</h3> <p>Hier kommt das „Computergrundrecht“ auf Vertraulichkeit von IT-Systemen pl&#246;tzlich zur Sprache, weil viele Politiker Anfang des Jahres selbst erlebten, was es hei&#223;t, <a href=„https://www.heise.de/meldung/Gehackte-Daten-Politiker-beklagen-schweren-Angriff-auf-die-Demokratie-4265847.html“><strong>wenn ihre pers&#246;nlichen Informationen pl&#246;tzlich im Netz gestreut werden [19]</strong></a>. Gem&#252;nzt wird es folglich auch genau auf damit verkn&#252;pfte Online-Straftaten.</p> <p>Es droht sogar bis zu sechs Monate <a href=„https://www.sueddeutsche.de/digital/passwort-it-sicherheit-gesetz-seehofer-beugehaft-gefaengnis-1.4401627“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Beugehaft [20]</strong></a>, wenn Nutzer sich weigern, ihre Passw&#246;rter herauszugeben. Erleichtern will das Ministerium damit, dass Staatsanwaltschaft und Polizei sich der „virtuellen Identit&#228;t“ Verd&#228;chtiger <a href=„https://www.sueddeutsche.de/digital/passwort-beugehaft-sicherheit-seehofer-gesetz-it-paragraf-1.4404205“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>bem&#228;chtigen und mit Dritten in Kontakt treten k&#246;nnen [21]</strong></a>. Dieser Zwang soll bei Ermittlungen rund um schwere Delikte genauso gelten wie bei „mittels Telekommunikation“ begangener. Insgesamt werden so auch hier sinnvolle Vorhaben etwa f&#252;r ein IT-G&#252;tesiegel oder die Zertifizierung von Kernbausteinen f&#252;r kritische Infrastrukturen von &#252;berzogenen Grundrechtseingriffen nebst neuer Vorratsdatenspeicherung v&#246;llig &#252;berlagert. ()<br class=„clear“/></p> <hr/><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br/><small><code>http://www.heise.de/-4401986</code></small></p> <p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br/><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Seehofer-Entwurf-BND-soll-Bundestrojaner-gegen-Deutsche-im-Inland-einsetzen-duerfen-4355550.html</code></small><br/><small><code><strong>[2]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Karlsruhe-laesst-kaum-Raum-fuer-heimliche-Online-Durchsuchungen-184154.html</code></small><br/><small><code><strong>[3]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Neues-Computer-Grundrecht-schuetzt-auch-Laptops-und-Daten-im-Arbeitsspeicher-184298.html</code></small><br/><small><code><strong>[4]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Bundestag-gibt-Staatstrojaner-fuer-die-alltaegliche-Strafverfolgung-frei-3753530.html</code></small><br/><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Staatstrojaner-Anwaelte-und-Journalisten-ziehen-vors-Bundesverfassungsgericht-4144936.html</code></small><br/><small><code><strong>[6]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/BND-Experte-im-NSA-Ausschuss-Wir-koennen-keine-anlasslose-Massenueberwachung-2443938.html</code></small><br/><small><code><strong>[7]</strong>&#160;https://www.gesetze-im-internet.de/bndg/BJNR029790990.html</code></small><br/><small><code><strong>[8]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Geheimakte-BND-NSA-Operation-Eikonal-das-Inland-als-virtuelles-Ausland-3677151.html</code></small><br/><small><code><strong>[9]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/BND-Reform-Bundestag-beschliesst-Internetueberwachung-a-la-NSA-3356543.html</code></small><br/><small><code><strong>[10]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/De-CIX-Betreiber-legt-Verfassungsbeschwerde-gegen-BND-Spionage-ein-4188927.html</code></small><br/><small><code><strong>[11]</strong>&#160;https://www.gesetze-im-internet.de/g10_2001/</code></small><br/><small><code><strong>[12]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Internetueberwachung-Amnesty-klagt-gegen-BND-Datenstaubsauger-3466588.html</code></small><br/><small><code><strong>[13]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Polizeigesetz-Brandenburg-Scharfe-Kritik-an-heimlicher-Wohnungsdurchsuchung-4270176.html</code></small><br/><small><code><strong>[14]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Zitis-Staatliche-Hacker-wollen-vernetzte-Autos-knacken-4342114.html</code></small><br/><small><code><strong>[15]</strong>&#160;https://www.zeit.de/2007/36/Interview-Helmut-Schmidt/seite-7</code></small><br/><small><code><strong>[16]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Geheimakte-BND-NSA-Ansaetze-fuer-eine-demokratische-Geheimdienstkontrolle-3703988.html</code></small><br/><small><code><strong>[17]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/IT-Sicherheitsgesetz-Schwere-Strafen-fuer-Betrieb-von-Darknet-Foren-und-Doxxing-4359289.html</code></small><br/><small><code><strong>[18]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Gastbeitrag-IT-Sicherheitsgesetz-2-0-Seehofer-blaest-zur-Attacke-4397919.html</code></small><br/><small><code><strong>[19]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Gehackte-Daten-Politiker-beklagen-schweren-Angriff-auf-die-Demokratie-4265847.html</code></small><br/><small><code><strong>[20]</strong>&#160;https://www.sueddeutsche.de/digital/passwort-it-sicherheit-gesetz-seehofer-beugehaft-gefaengnis-1.4401627</code></small><br/><small><code><strong>[21]</strong>&#160;https://www.sueddeutsche.de/digital/passwort-beugehaft-sicherheit-seehofer-gesetz-it-paragraf-1.4404205</code></small><br/><small><code><strong>[22]</strong>&#160;mailto:axk@heise.de</code></small><br/></p> <p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2019 Heise Medien</em></p> </html>