Anlasslose Massenüberwachung: Warum mathematische Gesetze dagegen sprechen

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<html> <p class=„printversionmasterbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/bound/712x480/q60.png-lossy-60.webp-lossy-60.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/4/6/6/2/5/ct0624biometrie_128503_atr_uwei_online-07eae9859ac36faa.jpeg“ alt=„“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></p><p><strong>Der AI Act &#246;ffnet eine Hintert&#252;re f&#252;r biometrische Massen&#252;berwachung. Das ist unangemessen riskant, warnen Experten. Sie fordern gesunden Statistikverstand.</strong></p><p>Wie gro&#223; darf die Fehlerquote einer Gesichtserkennung maximal sein, damit biometrische Massen&#252;berwachung keinen unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig hohen Schaden anrichtet? 1 Prozent? 0,1 Prozent? 0,01 Prozent? Wie viele Fehler darf sich ein sogenannter CSAM-Scanner (Child Sexual Abuse Material) erlauben, der die gesamte Kommunikation jedes EU-B&#252;rgers daraufhin analysiert, ob sie Darstellungen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder enth&#228;lt? Diese und &#228;hnliche Fragen stellen Abgeordnete und Mitglieder von Aussch&#252;ssen, die in der EU &#252;ber die Einf&#252;hrung solch fl&#228;chendeckender &#220;berwachungsmethoden entscheiden.</p><p>Doch es sind die falschen Fragen, mahnen Experten wie Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums f&#252;r Risikokompetenz an der Universit&#228;t Potsdam und die Politikwissenschaftlerin Vera Wilde vom Hertie School Centre for Digital Governance. Selbst eine verschwindend gering wirkende Fehlerquote von 0,001 Prozent &#8211; also eine als nahe hundert Prozent wahrgenommene Trefferquote von 99,999 Prozent &#8211; kann einen verheerenden Schaden in der Gesellschaft anrichten. De facto liegt die Trefferquote aber deutlich darunter, insbesondere wenn sich die Technik im echten Leben, also auf Bahnh&#246;fen oder anderen &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen, beweisen muss. Die <a href=„https://www.heise.de/news/AI-Act-geleaked-900-Seiten-regeln-kuenftig-KI-9605638.html“><strong><strong>Trilogverhandlungen zum AI Act [1]</strong> [1]</strong></a> haben die urspr&#252;nglich geplanten faktischen Verbote von Echtzeit&#252;berwachung und Emotionserkennung geh&#246;rig aufgeweicht. Damit ist Massen&#252;berwachung durch die Hintert&#252;r m&#246;glich. Im Folgenden zeigen wir auf, warum mathematisch-statistische Gesetzm&#228;&#223;igkeiten gegen diese Praxis sprechen.</p><p>Hinter Bild- und insbesondere Gesichtserkennung steckt mittlerweile fast immer ein tiefes neuronales Netz. Das hei&#223;t: Diese Systeme wurden mithilfe von Beispielfotos darauf trainiert, Menschen oder andere Objekte zu identifizieren. Das Training wird gesteuert von einer Optimierungsfunktion, die die Fehlerquote des Systems minimiert. Sie bewirkt, dass sich die Parameter nach jedem Trainingsdatensatz so ver&#228;ndern, dass der Prognosefehler im Laufe der Zeit immer geringer wird, bis das System sich nicht mehr weiter verbessern kann. Am Ende hat sich das zuvor recht unspezifische neuronale Netz zu einem System entwickelt, das die charakteristischen Merkmale aus Fotos extrahiert, um etwa Gesichter voneinander zu unterscheiden.</p><hr /><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br /><small><code>https://www.heise.de/-9636381</code></small></p><p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br /><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/AI-Act-geleaked-900-Seiten-regeln-kuenftig-KI-9605638.html</code></small><br /><small><code><strong>[2]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Anlasslose-Massenueberwachung-Warum-mathematische-Gesetze-dagegen-sprechen-9636381.html</code></small><br /><small><code><strong>[3]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Kuenstliche-Intelligenz-LAION-erzeugt-generative-KI-Modelle-frei-und-transparent-9635354.html</code></small><br /><small><code><strong>[4]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Urheberrecht-Rechtliche-Unsicherheit-beim-Coding-mit-KI-9625973.html</code></small><br /><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Transparenz-in-der-KI-Wie-Entscheidungen-verstaendlich-werden-9355142.html</code></small><br /></p><p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2024 Heise Medien</em></p> </html>