Debatte über Gesichtserkennung: LKA-Chef will mehr Befugnisse

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<html> <figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/6/4/4/7/1/2/shutterstock_1461340166-7ebbd98696ed1ec1.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/6/4/4/7/1/2/shutterstock_1461340166-7ebbd98696ed1ec1.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/6/4/4/7/1/2/shutterstock_1461340166-7ebbd98696ed1ec1.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1500/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/6/4/4/7/1/2/shutterstock_1461340166-7ebbd98696ed1ec1.jpeg 1500w, https://heise.cloudimg.io/width/2300/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/6/4/4/7/1/2/shutterstock_1461340166-7ebbd98696ed1ec1.jpeg 2300w“ width=„5472“ height=„3075“ sizes=„(min-width: 80em) 43.75em, (min-width: 64em) 66.66vw, 100vw“ alt=„Gipsmasken auf rosa Hintergrund“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„akwa-caption“>Ein beh&#246;rdeneigenes Gesichtserkennungstool f&#252;r die Strafverfolgung w&#252;nscht sich Niedersachsens LKA-Chef de Vries.(Bild:&#160;JpegPhotographer/Shutterstock.com)</figcaption></figure><p><strong>Der LKA-Pr&#228;sident Niedersachsens w&#252;nscht sich mehr Befugnisse in der Strafverfolgung. Er h&#228;tte gern ein eigenes KI-Tool zur Gesichtserkennung.</strong></p><p>Der Pr&#228;sident des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen, Friedo de Vries, w&#252;nscht sich mehr Befugnisse f&#252;r die Polizei, wenn es um Programme wie Gesichtserkennungssoftware geht. Nach bisheriger Rechtsauffassung des LKA d&#252;rfen Ermittlungsteams etwa nicht mit K&#252;nstlicher Intelligenz (KI) im Internet nach Fotos fl&#252;chtiger Schwerverbrecherinnen und -verbrecher suchen. De Vries will eine Debatte dar&#252;ber ansto&#223;en, sagt er in einem Interview mit dem NDR.</p><p>Die <a href=„https://www.heise.de/news/Offener-Brief-Bundestag-soll-biometrische-Ueberwachung-verbieten-9652868.html“><strong>Debatte &#252;ber den Einsatz von Gesichtserkennung [1]</strong></a> f&#252;r Fahndungen hatte schon fr&#252;her f&#252;r Aufregung gesorgt: Die Polizei nahm Ende Februar die mutma&#223;liche ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin fest. Die Besonderheit: Journalisten hatten Hinweise auf einen m&#246;glichen Aufenthaltsort <a href=„https://www.heise.de/news/Wichtiges-Mittel-oder-Totgeburt-Streit-ueber-Gesichtserkennung-bei-RAF-Fahndung-9646900.html“><strong>schon vor der Polizei mithilfe der auf biometrische Gesichtserkennung spezialisierten Suchmaschine PimEyes gefunden [2]</strong></a>. So tauchten Bilder der Gesuchten auf der Website eines Berliners Capoeira-Vereins auf. Klette betrieb zudem unter anderem Namen ein Facebook-Profil. Die Polizei war jedoch auf Hinweise aus der Bev&#246;lkerung angewiesen. Dass die Polizei die Technologie nicht einsetzen d&#252;rfe, die jeder von zu Hause aus bedienen k&#246;nne, sei nicht vermittelbar, kritisierte bereits Jochen Kopelke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. PimEyes steht unter anderem wegen <a href=„https://www.heise.de/news/Gesichtssuche-Datenschutzbeauftragter-will-Bussgeld-gegen-PimEyes-verhaengen-7438089.html“><strong>massiver Datenschutzbedenken [3]</strong></a> unter Druck.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_keine0“>Keine rechtliche Grundlage f&#252;r KI-Anwendung</h3><p>F&#252;r die Durchforstung des Netzes mit auf biometrische Bilder trainierter KI gebe es aber keine rechtliche Grundlage, erkl&#228;rt LKA-Chef de Vries. Er stellt sich eine eigene K&#252;nstliche Intelligenz zur Gesichtserkennung f&#252;r den Strafverfolgungseinsatz vor, unabh&#228;ngig von privatwirtschaftlichen Anbietern wie Clearview AI und PimEyes. „Ich w&#252;nsche mir, dass wir mit Gesichtserkennungsmethoden auch Fahndungsans&#228;tze generieren k&#246;nnen“, <a href=„https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Wie-kann-die-Polizei-schwere-Straftaeter-mit-Gesichtserkennung-suchen,ki298.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>sagte de Vries dem NDR [4]</strong></a>. „Das hei&#223;t, im Netz nach m&#246;glichen Aufenthaltsorten und Ankn&#252;pfungspunkten suchen d&#252;rfen. Ziel ist, effektiver nach Straft&#228;tern fahnden zu k&#246;nnen.“ Es gehe ihm um Straft&#228;ter, denen mehr als ein Jahr Gef&#228;ngnisstrafe drohen.</p><p>Laut dem NDR-Bericht zeigen sich Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) und Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) offen f&#252;r eine solche Diskussion. Nach Informationen des Senders pr&#252;ft das Justizministerium, wie sich eine solche M&#246;glichkeit juristisch umsetzen lie&#223;e. Behrens betonte im Interview mit dem NDR: „Die Polizei Niedersachsen hat kein Interesse, anlasslos und fl&#228;chendeckend das Internet und Online-Netzwerke nach Gesichtern zu durchleuchten und damit Millionen von unbescholtenen B&#252;rgern zu scannen.“ Evrim Camuz, justizpolitische Sprecherin der Gr&#252;nen, m&#246;chte eine Gesichtserkennungssoftware nur bei schwersten Straftaten eingesetzt sehen und wirft die Frage auf, mit welchen Trainingsdaten eine durch die Beh&#246;rden entwickelte KI gef&#252;ttert werden solle, ohne B&#252;rgerrechte zu verletzen.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_ai_act_regelt1“>AI Act regelt Einsatz in der Strafverfolgung</h3><p>Die biometrische Gesichtserkennung ist auch Punkt im <a href=„https://www.heise.de/hintergrund/AI-Act-tritt-in-Kraft-Was-Sie-zur-KI-Verordnung-wissen-muessen-9819063.html“><strong>AI-Act, der am Donnerstag in Kraft getreten ist [5]</strong></a>. Die Europ&#228;ische Union hat darin verboten, massenhaft und anlassfrei biometrisch auslesbare Bilder aus dem Netz zu sammeln und auszuwerten, um eine Datenbank aufzubauen <a href=„https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>(Artikel 5, Absatz 1, Buchstabe e) [6]</strong></a>. Damit werden sechs Monate nach Inkrafttreten &#8211; also am 2. Februar 2025 &#8211; Anbieter wie PimEyes vom EU-Markt verschwinden m&#252;ssen. Grunds&#228;tzlich ist die Gesichtserkennung f&#252;r die Strafverfolgung nach dem KI-Gesetz verboten. Bei 16 klar definierten Straftaten macht die EU-Verordnung <a href=„https://www.heise.de/news/AI-Act-Countdown-zur-Umsetzung-der-KI-Verordnung-laeuft-9800084.html“><strong>allerdings eine Ausnahme [7]</strong></a>: Dazu geh&#246;ren vor allem Szenarien, bei denen Gefahr im Verzug ist, etwa die Suche nach Entf&#252;hrungsopfern, Menschenhandel, ein drohender Terroranschlag, illegaler Handel mit Drogen und Waffen, schwere K&#246;rperverletzung, Mord, Vergewaltigung und Umweltkriminalit&#228;t. Dennoch ben&#246;tigen Ermittler die <a href=„https://www.heise.de/news/Biometrische-Ueberwachung-EU-Rat-streicht-Straftatenkatalog-und-Richtervorbehalt-9596586.html“><strong>Genehmigung einer Justiz- oder Verwaltungsbeh&#246;rde [8]</strong></a>.</p><p>Bei einer eigenen K&#252;nstlichen Intelligenz der Landeskriminal&#228;mter bleibt zudem die Frage offen, wie die Technologie trainiert werden soll. Auch hier m&#252;ssen sich die Beh&#246;rden an Datenschutzbestimmungen und die Rechte der B&#252;rger auf informationelle Selbstbestimmung halten.</p><p>In Gro&#223;britannien hat die Londoner Polizeibeh&#246;rde zuletzt den Zugang zu PimEyes gesperrt, nachdem ihr tausende Zugriffe von Rechnern Beh&#246;rde aufgefallen waren, <a href=„https://inews.co.uk/news/met-police-accessed-facial-recognition-site-3041656“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>berichtet die Nachrichtenseite iNews [9]</strong></a>. Gro&#223;britannien stand zuvor bereits in der Kritik, eine <a href=„https://www.heise.de/news/Britische-Rundum-Ueberwachung-Millionen-Gesichtsbilder-rechtswidrig-gespeichert-9349197.html“><strong>Rundum-&#220;berwachung zu f&#246;rdern [10]</strong></a>.</p><p>() </p><hr /><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br /><small>

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<strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Offener-Brief-Bundestag-soll-biometrische-Ueberwachung-verbieten-9652868.html

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<strong>[2]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Wichtiges-Mittel-oder-Totgeburt-Streit-ueber-Gesichtserkennung-bei-RAF-Fahndung-9646900.html

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<strong>[3]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Gesichtssuche-Datenschutzbeauftragter-will-Bussgeld-gegen-PimEyes-verhaengen-7438089.html

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<strong>[4]</strong>&#160;https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Wie-kann-die-Polizei-schwere-Straftaeter-mit-Gesichtserkennung-suchen,ki298.html

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<strong>[5]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/AI-Act-tritt-in-Kraft-Was-Sie-zur-KI-Verordnung-wissen-muessen-9819063.html

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<strong>[6]</strong>&#160;https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689

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<strong>[7]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/AI-Act-Countdown-zur-Umsetzung-der-KI-Verordnung-laeuft-9800084.html

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<strong>[8]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Biometrische-Ueberwachung-EU-Rat-streicht-Straftatenkatalog-und-Richtervorbehalt-9596586.html

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<strong>[9]</strong>&#160;https://inews.co.uk/news/met-police-accessed-facial-recognition-site-3041656

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<strong>[10]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Britische-Rundum-Ueberwachung-Millionen-Gesichtsbilder-rechtswidrig-gespeichert-9349197.html

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<strong>[11]</strong>&#160;mailto:are@heise.de

</small><br /></p><p class=„printversion__copyright“><em>Copyright &#169; 2024 Heise Medien</em></p> </html>