Nachruf: Security-Legende Ross Anderson verstorben

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<html> <figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/shutterstock_718065805-ce1977c7b7b92d99.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/shutterstock_718065805-ce1977c7b7b92d99.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/shutterstock_718065805-ce1977c7b7b92d99.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1500/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/shutterstock_718065805-ce1977c7b7b92d99.jpeg 1500w, https://heise.cloudimg.io/width/2300/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/shutterstock_718065805-ce1977c7b7b92d99.jpeg 2300w“ width=„6000“ height=„3371“ sizes=„(min-width: 80em) 43.75em, (min-width: 64em) 66.66vw, 100vw“ alt=„Baum in grau, mit grauem Hintergrund und Wolken“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„akwa-caption“>(Bild:&#160;Fahroni/Shutterstock.com)</figcaption></figure><p><strong>Systeme scheitern, wenn die Menschen, die sie sicher machen k&#246;nnen, nicht die sind, die unter ihrem Ausfall leiden &#8211; zum Tode von Ross Anderson.</strong></p><figure class=„a-u-inline-right a-inline-image a-u-inline“><div><img alt=„“ class=„legacy-img c1“ height=„391“ sizes=„“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/696/q85.png-lossy-85.webp-lossy-85.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/Ross-Anderson-sw.2png-836acfd78c91dbe3.png“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/336/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/Ross-Anderson-sw.2png-836acfd78c91dbe3.png 336w, https://heise.cloudimg.io/width/1008/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/Ross-Anderson-sw.2png-836acfd78c91dbe3.png 1008w, https://heise.cloudimg.io/width/696/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/Ross-Anderson-sw.2png-836acfd78c91dbe3.png 696w, https://heise.cloudimg.io/width/1392/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/4/5/6/5/3/8/5/Ross-Anderson-sw.2png-836acfd78c91dbe3.png 1392w“ width=„696“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></div><figcaption class=„a-caption“>Ross Anderson auf dem Remote Chaos Congress 2019.(Bild:&#160;Ross Anderson / YouTube, Bearbeitung: heise online)</figcaption></figure><p>Er hatte nicht viel Zeit, sich &#252;ber den Sieg im Kampf gegen die Chatkontroll-Pl&#228;ne der EU im November 2023 zu freuen: Am Donnerstag ist der r&#252;hrige britische Sicherheitsforscher Ross John Anderson gestorben. Er wurde nur 67 Jahre alt. Als Veteran des Krypto-Kriegs der 90er Jahre sprach er in seinem letzten Auftritt in Deutschland auf der RuhrSec &#252;ber die dritte Welle der Crypto Wars, die mit er den Pl&#228;nen f&#252;r die Chatkontrolle kommen sah. Zuletzt protestierte er gemeinsam mit anderen Sicherheitsforschern gegen die Cybercrime-Convention der EU. Sein Buch „Security Engineering“ ist Pflichtlekt&#252;re f&#252;r jeden Sicherheitsspezialisten.</p><p>Ross Anderson wurde am 15. September 1956 in Wallasey in der Grafschaft Cheshire geboren. Sein Vater arbeitete in der pharmazeutischen Forschung, die Mutter war Lehrerin und eine Patientin, die der Vater behandelte. Im Alter von sechs Jahren zog die Familie nach Schottland, weil der Vater eine Professur an der Universit&#228;t Strathclyde annahm. Anderson besuchte die High School in Glasgow und lernte bei den Pfadfindern das Programmieren in Fortran.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_von_medizin0“>Von Medizin &#252;ber Mathematik zum Programmieren</h3><p>Urspr&#252;nglich wollte er sich Richtung Medizin orientieren, doch im Alter von 16 Jahren fielen ihm in einer Bibliothek die „Elementarmathematik vom h&#246;heren Standpunkte aus“ in die H&#228;nde, die der deutsche Mathematiker Felix Klein verfasst hatte und es war um ihn geschehen. Anderson wollte Mathematiker werden. Er ging an das Trinity College in Cambridge, musste aber nach einem misslungenen Studentenscherz f&#252;r ein Jahr pausieren. In dieser Zeit lernte er das Hardcore-Programmieren bei Ferranti in Edinburgh, wo man das Navigationssystem der Tornado-Bomber weiter entwickelte, um die Flieger gegen Unterwasserziele einsetzen zu k&#246;nnen.</p><p>Gegen Ende seines Studiums stellte Ross Anderson fest, dass sein Interesse an der reinen Mathematik schwand. Er begann, sich f&#252;r die Wissenschaftsgeschichte zu interessieren. Nach dem Abschluss als Bachelor im Jahre 1978 reiste er durch die Welt und verdiente sein Geld als Dudelsackspieler. Danach arbeitete er als freier Consultant f&#252;r Computersysteme, als ein Bekannter von ihm 1982 den Auftrag bekam, f&#252;r ein Immobilienb&#252;ro ein System zur Verschl&#252;sselung von E-Mails zu entwickeln. Gemeinsam machten sie sich an die Entwicklung einer Software namens Ciphernet, die sie verkaufen wollten. Anderson besch&#228;ftigte sich fortan mit verschiedenen Verschl&#252;sselungssystemen und <a href=„https://www.heise.de/news/Roger-Needham-Ein-Ur-Guru-der-Kryptologen-75477.html“><strong>nahm 1992 unter Roger Needham das Studium wieder auf [1]</strong></a>. Er beendete es 1995 mit der Promotion und der Arbeit „Robust Computer Security“.</p><p>Im selben Jahr ver&#246;ffentlichte Ross Anderson <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/Papers/queensland.pdf“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>eine Bestandsaufnahme „Crypto in Europe“ [2]</strong></a> (PDF), die ihn ins Zentrum der Krypot-Debatte katapultierte. Besonders einflussreich war hier <a href=„https://www.schneier.com/academic/archives/1997/04/the_risks_of_key_rec.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>der gemeinsame Aufsatz „The Risks of Key Recovery“ [3]</strong></a>, in dem f&#252;hrende Kryptologen vor der Schl&#252;ssel-Hinterlegung bei staatlichen Beh&#246;rden oder dem Einsatz von Entschl&#252;sselungs-Chips wie dem Clipper-Chip warnten. Hier fand Anderson auch in Deutschland Geh&#246;r, <a href=„https://www.zeit.de/1998/09/krypt.txt.19980219.xml“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>als Innenminister Mafred Kanther mit dem Pluto-Chip drohte [4]</strong></a>.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_warnung_vor_dem1“>Warnung vor dem Fritz-Chip</h3><p>Die n&#228;chste gro&#223;e Intervention geschah 2002, als Ross Anderson, nunmehr Professor f&#252;r Computersicherheit in Cambridge, vor dem von ihm so genannten „Fritz-Chip“ warnte, in Anspielung an typisch deutsche Kontrollfreaks. Gemeint waren <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/tcpa-faq.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>die Ans&#228;tze zum Trusted Computing [5]</strong></a> mit dem Palladium Chip als treuem Paladin, der unsichere Software abwehren kann. Anderson wurde nach Deutschland eingeladen und <a href=„https://web.archive.org/web/20030630174449/http://www.timekontor.de/home/veranstaltungen/26.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>sprach auf einem Symposium des Bundeswirtschaftsministeriums [6]</strong></a> &#252;ber den gef&#228;hrlichen Unsinn.</p><p>Ein g&#228;nzlich anderes Thema besch&#228;ftigte ihn auf der Berliner Konferenz „Wizards of OZ“: hier sprach er dar&#252;ber, wie ein neues Peer-to-Peer-System das untergegangene Usenet im Internet ersetzen k&#246;nnte. Der fr&#252;he Ansatz zu dem, was einmal Social Media werden sollte, kann als Powerpoint-Datei <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>in der &#228;u&#223;erst umfangreichen Ver&#246;ffentlichungsliste [7]</strong></a> von Anderson gefunden werden. Vorl&#228;ufer dieser Ideen war der von Anderson <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/eternity/eternity.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>konzipierte „Eternity Service“ [8]</strong></a>. Hier finden sich auch weitere einflussreiche Interventionen <a href=„https://www.lightbluetouchpaper.org/2011/04/12/resilience-of-the-internet-interconnection-ecosystem/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>wie „Resilience of the Internet Interconnection Ecosystem“ [9]</strong></a> &#252;ber die Zukunft des Internets. Die 240 Seiten umfassende Arbeit wurde 2011 zur Grundlage der Policy Guideline der europ&#228;ischen Cybersicherheitsagentur ENISA.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_letzte2“>Letzte Videobotschaften</h3><p>Keine der zahlreichen Interventionen von Ross Anderson war indes so einflussreich <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/book.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>wie sein Standardwerk Security Engineering [10]</strong></a> aus dem Jahre 2001, mittlerweile in dritter und nunmehr leider letzter Auflage von 2019. Als er zur Vorstellung des Buches in die USA reisen wollte, bekam er kein Visum und musste sich <a href=„https://www.youtube.com/watch?v=Q--8SidkBII“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>per Video [11]</strong></a> an seine Leser wenden. &#196;hnliche Auftritte hatte er 2020 <a href=„https://www.heise.de/news/rC3-Die-schweren-Kollateralschaeden-des-ersten-Crypto-War-5000558.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>auf der Remote Chaos Experience [12]</strong></a> und, wie eingangs erw&#228;hnt, <a href=„https://www.youtube.com/watch?v=q_nuhFzp1OU&amp;t=1904s“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>auf der RuhrSec 2023 [13]</strong></a>.</p><p>Im September 2023 musste Ross Anderson seine Lehrt&#228;tigkeit in Cambridge aufgeben, weil er die Altersgrenze von 67 Jahren erreicht hatte, ein Ende, <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/ccf.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>das er bedauerte und bek&#228;mpfte [14]</strong></a>. Unverdrossen wollte er weiter arbeiten und publizieren. Mit seinem pl&#246;tzlichen Tod wird sein geplanter <a href=„https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/Papers/vu2023no.pdf“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Vortrag &#252;ber Hass und Bel&#228;stigung [15]</strong></a> (PDF) dort gehalten, wo es keinen Hass gibt.</p><p>() </p><hr /><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br /><small><code>https://www.heise.de/-9671436</code></small></p><p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br /><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/Roger-Needham-Ein-Ur-Guru-der-Kryptologen-75477.html</code></small><br /><small><code><strong>[2]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/Papers/queensland.pdf</code></small><br /><small><code><strong>[3]</strong>&#160;https://www.schneier.com/academic/archives/1997/04/the_risks_of_key_rec.html</code></small><br /><small><code><strong>[4]</strong>&#160;https://www.zeit.de/1998/09/krypt.txt.19980219.xml</code></small><br /><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/tcpa-faq.html</code></small><br /><small><code><strong>[6]</strong>&#160;https://web.archive.org/web/20030630174449/http://www.timekontor.de/home/veranstaltungen/26.html</code></small><br /><small><code><strong>[7]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/</code></small><br /><small><code><strong>[8]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/eternity/eternity.html</code></small><br /><small><code><strong>[9]</strong>&#160;https://www.lightbluetouchpaper.org/2011/04/12/resilience-of-the-internet-interconnection-ecosystem/</code></small><br /><small><code><strong>[10]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/book.html</code></small><br /><small><code><strong>[11]</strong>&#160;https://www.youtube.com/watch?v=Q--8SidkBII</code></small><br /><small><code><strong>[12]</strong>&#160;https://www.heise.de/news/rC3-Die-schweren-Kollateralschaeden-des-ersten-Crypto-War-5000558.html</code></small><br /><small><code><strong>[13]</strong>&#160;https://www.youtube.com/watch?v=q_nuhFzp1OU&amp;t=1904s</code></small><br /><small><code><strong>[14]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/ccf.html</code></small><br /><small><code><strong>[15]</strong>&#160;https://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/Papers/vu2023no.pdf</code></small><br /><small><code><strong>[16]</strong>&#160;mailto:mack@heise.de</code></small><br /></p><p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2024 Heise Medien</em></p> </html>