Untergangsfantasien mit seriösem Anstrich

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<html> <figure class=„id-StoryElement-image“><div class=„id-RatioPlaceholder c3“><img class=„id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image“ src=„https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3Lfe.jpg“ srcset=„https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3Lb6.jpg 448w, https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3L70.jpg 768w, https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3Lfe.jpg 1100w, https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3L7a.jpg 1408w, https://www.fr.de/bilder/2018/01/19/11008473/1435760143-1047348-3LMH.jpg 1600w“ height=„619“ width=„1100“ alt=„Bunte Vielfalt auch beim Christopher Street Day 2017.“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></div></figure><p class=„id-StoryElement-leadText“>Die Referentenliste des Symposiums der „Demo f&#252;r alle“ spiegelt das Weltbild des rechten B&#252;ndnisses wider</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Lange Zeit wurde der Orts des Symposiums geheimgehalten.. Hingen stehen die Referenten schon lange fest, die das rechte B&#252;ndnis f&#252;r die Veranstaltung unter dem Motto &#8222;&#214;ffnung der Ehe - folgen f&#252;r alle&#8220; gewinnen konnte. Von &#8222;renommierten Rednern&#8220; spricht die B&#252;ndnis-Frontfrau Hedwig von Beverfoerde. Und zumindest in den Kreisen, in denen sich Beverfoerde und ihre Anh&#228;nger bewegen, d&#252;rften die Referenten tats&#228;chlich ein gewisses Renommee besitzen.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Dazu z&#228;hlt - neben Dauerg&#228;sten wie der Publizistin Birgit Kelle &#8211; etwa Christian Spaemann. Der geb&#252;rtige Westfale praktiziert mittlerweile als Facharzt f&#252;r Psychiatrie in &#214;sterreich. Spaemann vertritt die These, dass &#8222;Homosexualit&#228;t&#8220; zumindest in den F&#228;llen einer sogenannten &#8222;Ichdystonie&#8220; &#8211; einer als &#8222;nicht stimmig empfundenen&#8220; sexuellen Orientierung &#8211; therapierbar sei. Dar&#252;ber hinaus bezeichnet er sexualp&#228;dagogische Ans&#228;tze, die vielf&#228;ltige Formen von Sexualit&#228;t und famili&#228;ren Zusammenlebens propagieren, als &#8222;radikalisierte Emanzipationsideologie in neomarxistischer Tradition&#8220;. Am Samstag referiert Spaemann zur Frage: Brauchen Kinder Vater und Mutter?</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Ebenfalls mit von der Partie sollte Tobias Teuscher sein, der sich bereits als strikter Abtreibungsgegner einen Namen gemacht hatte, ehe er auf Betreiben der AfD-Politikerin Beatrix von Storch zum Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer ihrer Partei in Br&#252;ssel berufen wurde. Teilgenommen an der Veranstaltung hat er nicht, auch wenn er vorab angek&#252;ndigt war.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Anfang 2014 sorgte ein Interview Teuschers im Deutschlandfunk (DLF) f&#252;r einen Eklat. In der Sendung &#8222;Informationen am Mittag&#8220; durfte er unwidersprochen erkl&#228;ren, dass die Gr&#252;nen im EU-Parlament &#8222;p&#228;dophile Umtriebe&#8220; f&#246;rdern wollten und eine Mehrheit von Linken, Gr&#252;nen und Liberalen daran arbeite, Homosexualit&#228;t als &#8222;Leitkultur&#8220; in der Europ&#228;ischen Union festzuschreiben.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Teuschers Gespr&#228;chspartner war seinerzeit der inzwischen verrentete DLF-Journalist J&#252;rgen Liminski - seines Zeichens auch Autor der &#8222;Jungen Freiheit&#8220; und Mitglied der fundamentalistischen katholischen Laienorganisation Opus Dei. Liminski wird das Symposium moderieren.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>&#220;ber den engen Kreis der Sympathisanten der &#8222;Demo f&#252;r alle&#8220; hinaus tats&#228;chliches Renommee genie&#223;t der Rostocker Jura-Professor J&#246;rg Benedict. Der 51-J&#228;hrige geh&#246;rte im September 2015 zu einer Gruppe von sieben Sachverst&#228;ndigen, die im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags zur eherechtlichen Gleichbehandlung homosexueller Partnerschaften geh&#246;rt wurden.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Benedict geht im Gegensatz zur Mehrheit der geh&#246;rten Experten davon aus, dass daf&#252;r eine Verfassungs&#228;nderung notwendig sei, da das Grundgesetz in Sachen Ehe ein &#8222;Heterosexualit&#228;ts-Prinzip&#8220; beinhalte, das sich nicht durch einfach-gesetzliche Regelung umgehen lasse. Die Mehrheit im Bundestag folgte dieser Meinung nicht und erm&#246;glichte die &#8222;Ehe f&#252;r alle&#8220; im Juni durch eine einfache &#196;nderung des B&#252;rgerlichen Gesetzbuches. Benedicts Vortrag wirft daher die Frage auf, ob es sich bei der Ehe f&#252;r alle um einen &#8222;stillen Verfassungswandel&#8220; oder &#8222;offenen Verfassungsbruch handelt.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Aus Sicht der &#8222;Demo f&#252;r alle&#8220; ist diese Frage l&#228;ngst beantwortet. Seit Juli 2017 hat das B&#252;ndnis in einer Online-Petition bereits mehr als 60 000 Unterschriften gesammelt, mit der die bayerische Landesregierung zu einer Normenkontrollklage gegen die &#8222;Ehe f&#252;r alle&#8220; gedr&#228;ngt werden soll. Hauptargument ist das mit der &#214;ffnung der Ehe einhergehende Adoptionsrecht f&#252;r homosexuelle Paare, wodurch aus Sicht der Organisatoren das nat&#252;rliche Recht des Kindes auf Vater und Mutter gef&#228;hrdet sei. In der Petition prognostiziert das B&#252;ndnis zudem einen drohenden Dammbruch. W&#252;rde die Ehe f&#252;r Schwule und Lesben ge&#246;ffnet, w&#252;rden angesichts des steigenden Einflusses des Islams bald Polygamie und Kinderehe folgen.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“><a href=„https://www.fr.de/politik/queerde-kaempft-gegen-einschuechterungs-abmahnwelle-13205025.html“ class=„id-import-Link“ data-id-ctr=„{&quot;shelfType&quot;: &quot;Link&quot;, &quot;shelfName&quot;: &quot;standardLink&quot;}“>Einsch&#252;chterungs- und Abmahnwelle gegen Queer.de</a></p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Das Symposium der Demo f&#252;r alle zeigt so bei allem oberfl&#228;chlichen Bem&#252;hen um Seriosit&#228;t altbekannte Ankn&#252;pfungspunkte an den politisch &#228;u&#223;erst rechten Rand: Untergangsfantasien, die sich an der vermeintlichen Zersetzung traditioneller Familienwerte festmachen, die indirekte Gleichsetzung von Homosexualit&#228;t und P&#228;dophilie und nicht zuletzt die Angst vor einer angeblich schleichenden Islamisierung.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“>Noch geheim ist der Referent zum Thema &#8222;N&#228;chster &#214;ffnungsschritt: Polygamie?&#8220;. Man kann allerdings jetzt schon davon ausgehen, dass es sich um einen einschl&#228;gig bekannten Protagonisten vom rechten Rand handeln wird.</p><p class=„id-StoryElement-paragraph“><strong>Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Text um den Hinweis erg&#228;nzt, dass Tobias Teuscher nicht an der Veranstaltung teilgenommen hat, obwohl er vorab angek&#252;ndigt war.</strong></p> </html>