Qgelm

- Crashtest für die Relativitätstheorie

Originalartikel

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<html> <p class=„article-intro“>Michael Kramer, neuer Direktor am Max-Planck-Institut f&#252;r Radioastronomie, erprobt Einsteins Lehre im Weltall</p> <div class=„article-info“>Von Von Johannes Seiler, 19.05.2009</div> <aside class=„article-extras“> </aside><p><strong>Bonn.</strong> Professor Michael Kramer fahndet nach Extremem: „Im Universum sieht man sehr energiereiche Objekte, die einen an den Rand dessen bringen, was noch beobachtbar und erkl&#228;rbar ist“, sagt der neue Direktor am Max-Planck-Institut f&#252;r Radioastronomie (MPIfR) in Bonn. „Ich habe Spa&#223; daran, Grenzlinien zu &#252;berspringen.“ Sein Gebiet ist die Radioastronomische Fundamentalphysik.</p> <p>Dahinter verbergen sich eine Art Crashtests f&#252;r Einsteins Relativit&#228;tstheorie. Kramer probiert aus, ob die Gleichungen auch unter den radikalen Bedingungen des Alls noch gelten. Mit dem Parkes-Teleskop in Australien entdeckten der Astrophysiker und seine Kollegen vor sechs Jahren zwei Pulsare, die sich extrem schnell um eine gemeinsame Achse drehen. In nur 145 Minuten kreist das Paar umeinander.</p> <p>Bei Pulsaren handelt es sich um schnell rotierende Neutronensterne. Wie ein Leuchtturm senden sie im Radiowellenbereich regelm&#228;&#223;ig wiederkehrende Signale aus. Teleskope auf der Erde fangen diese Radiostrahlen auf. „Sie takten so regelm&#228;&#223;ig wie eine sehr pr&#228;zise Uhr“, sagt Kramer. Die Pulsare sind nur etwa 20 Kilometer gro&#223; und 3 000 Lichtjahre von der Erde entfernt. „Sie vereinigen aber deutlich mehr Masse in sich als unsere Sonne“, erl&#228;utert der Forscher.</p> <p>Die Folge: Diese extrem dichten Klumpen sind wie bei einem sehr schnell kreisenden Karussell riesigen Zentrifugalkr&#228;ften ausgesetzt. „Sie m&#252;ssen im Innern &#252;ber eine sehr gro&#223;e Gravitation verf&#252;gen, die sie darin hindert auseinander zu fliegen.“ Insgesamt sind die beiden Pulsare also ein ideales Testfeld, um die Gravitations-Theorien Einsteins an der Grenze des M&#246;glichen zu pr&#252;fen. Laut Einstein vergeht die Zeit in Schwerefeldern langsamer.</p> <p>Platziert man eine Uhr auf der Erde und eine in einem hoch fliegenden Flugzeug, ist der Zeitmesser auf der Erde langsamer. Wenn die beiden Pulsare bei ihrer kreisf&#246;rmigen Tanzpartie im Weltraum sich an einem Punkt besonders nahe kommen, ist auch ihre Anziehungskraft (Gravitation) besonders gro&#223;. „Die Ankunftszeit der Radiosignale auf der Erde, die von den Pulsaren abgestrahlt werden, ist dann tats&#228;chlich um 380 Millionstel Sekunden sp&#228;ter“, berichtet der Direktor.</p> <p>Auch die von Einstein vorhergesagte Kr&#252;mmung der Raumzeit durch Masse l&#228;sst sich daran beobachten: Die Radiosignale, die der eine Pulsar aussendet, werden von der Schwerkraft des anderen in einem Bogen abgelenkt. Bereits 1974 gelang an Pulsaren der indirekte Nachweis der Gravitationswellen, die von der Allgemeinen Relativit&#228;tstheorie vorhergesagt werden. Sie entstehen, sobald sich ein Himmelsk&#246;rper dreht. „Auch bei den Doppelpulsaren konnten wir die Effekte der Gravitationswellen beobachten“, sagt Kramer.</p> <p>„Weil ihnen durch diese Wellen Energie verloren geht, schrumpft die Bahn der Pulsare ein ganz kleines bisschen und und diese umkreisen sich deshalb minimal schneller.“ Mit ihren Teleskopen k&#246;nnen die Radioastronomen trotz der gro&#223;en Entfernung sehr pr&#228;zise Messungen durchf&#252;hren. „Wir k&#246;nnen sogar feststellen, dass sich die beiden Pulsare Tag f&#252;r Tag um etwa sieben Millimeter n&#228;herkommen“, berichtet der Direktor.</p> <p>„In etwa 85 Millionen Jahren werden sie kollidieren und nach einer riesigen Explosion Gammastrahlen aussenden.“ Dann werde wahrscheinlich ein Schwarzes Loch &#252;brigbleiben. „Die Relativit&#228;tstheorie funktioniert in unserem Sonnensystem sehr gut“, so Kramer. „Wir wollen jedoch testen, ob sie bei viel st&#228;rkeren Gravitationsfeldern im All zusammenbricht.“ Daraus k&#246;nnten dann neue Erkenntnisse erwachsen, die bisher widerspr&#252;chliche Theorien zusammenbringen.</p> <p>„F&#252;r die kosmologische Konstante, mit der Einstein die Gravitation als Kr&#252;mmung der Raumzeit beschrieb, kommen Teilchenphysiker und Astronomen zu ganz verschiedenen Werten.“ Der Crashtest f&#252;r die Relativit&#228;tstheorie im All wird vielleicht zeigen, an welchen R&#228;dchen die Modelle neu justiert oder wie sie zusammengef&#252;hrt werden k&#246;nnen. Kramer ist auch f&#252;r das 100 Meter gro&#223;e Radioteleskop des MPIfR in Effelsberg zust&#228;ndig, mit dem viele Messungen durchgef&#252;hrt werden.</p> <p>„Die Arbeitsbedingungen am MPIfR sind hervorragend“, begr&#252;ndet Kramer seinen Wechsel von Manchester nach Bonn. Die Region ist ihm vertraut: In K&#246;ln wurde er geboren, in Bonn hat er einen Teil seiner Ausbildung absolviert. Ihn reizt auch, eine ganz neue internationale Forschergruppe aufzubauen, die etwa 20 Mitarbeiter umfassen soll. Kramer ist au&#223;erdem an der Konzeption eines neuartigen Teleskops beteiligt: des Square Kilometre Array (SKA). Eine Kombination von etwa 20&#160;000 Teleskopen soll in bislang unerreichter Genauigkeit Radiowellen aus dem Weltraum empfangen.</p> <p>Die Teleskope werden an menschenleeren Orten der Erde errichtet, abgelegen von st&#246;renden Funkwellen der Zivilisation. „Es handelt sich dabei um das gr&#246;&#223;te und empfindlichste Teleskop, das je gebaut wurde“, sagt der neue Direktor. Voraussichtlich im Jahr 2012 soll mit dem Bau begonnen werden. „Wir k&#246;nnen dann mit dem Teleskop jeden Pulsar in der Milchstra&#223;e, der in unsere Richtung zeigt, aufsp&#252;ren“, berichtet der Astrophysiker. Damit wird sich auch das Testfeld f&#252;r die Relativit&#228;tstheorie deutlich vergr&#246;&#223;ern. „Wir leben in einer aufregenden Zeit, da viele neue Ergebnisse zu erwarten sind.“</p> </html>

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