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Experten zur Datenschutzreform: Betroffenen- und Kontrollrechte werden massiv eingeschränkt

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  <figure class="aufmacherbild"><img src="https://1.f.ix.de/scale/geometry/695/q75/imgs/18/2/1/6/9/4/6/5/wasserwerk01_450-9a77cdd526462382-f43a690118fda8f2.jpeg"/><figcaption><p class="caption">Die gro&#223;e Koalition will die Datenschutzreform noch in dieser Woche durch den Bundestag bringen. Das st&#246;&#223;t auf Kritik in der Opposition.</p>
              <p class="source">(Bild:&#160;bundestag.de)</p>
          </figcaption></figure><!-- RSPEAK_START --><!-- RSPEAK_START --><p class="meldung_anrisstext"><strong>Mehrere Sachverst&#228;ndige beklagten in einer Anh&#246;rung zu dem Regierungsentwurf, mit dem die neuen EU-Datenschutzregeln in deutsches Recht &#252;berf&#252;hrt werden sollen, dass dieser europarechts- oder verfassungswidrig sei.</strong></p>
          <p>Fr&#252;here und amtierende Datenschutzbeauftragte und Verbrauchersch&#252;tzer haben in einer <b>Anh&#246;rung im Bundestag [1]</b> zu der <b>Reform [2]</b>, mit dem die Bundesregierung das Bundesdatenschutzgesetz an <b>die neuen EU-Vorgaben [3]</b> anpassen will, vor allem die geplanten gestutzten Betroffenenrechte als hochproblematisch bezeichnet. "Erheblichen Nachbesserungsbedarf" sah etwa die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Vo&#223;hoff f&#252;r die vorgesehenen beschr&#228;nkten Anspr&#252;che von B&#252;rgern, Einblick in &#252;ber sie gespeicherte Daten zu erhalten und diese gegebenenfalls korrigieren oder l&#246;schen zu lassen.</p>

<h3 class=„subheading“>Am Ziel vorbei</h3> <p>Vo&#223;hoffs Vorg&#228;nger Peter Schaar monierte ebenfalls, dass die Ziele der EU-Datenschutzverordnung an diesem Punkt keineswegs erreicht w&#252;rden. Der EU-Gesetzgeber habe deutlich gemacht, dass die Betroffenenrechte gest&#228;rkt werden sollten. „Bisher kann jedermann von Unternehmen anlasslos Auskunft &#252;ber verarbeitete Daten verlangen“, erg&#228;nzte der fr&#252;here Datenschutzbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns, Karsten Neumann. Dieses Instrument „verschwindet sang- und klanglos“.</p> <p>Auch Lina Ehrig vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) bereitete dieser Bereich „gro&#223;e Kopfschmerzen“. Es gebe „keinerlei Spielraum in der Verordnung“ daf&#252;r, das Auskunfts- oder L&#246;schrecht „auf den verh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Aufwand einzuschr&#228;nken“. Auch d&#252;rften Zwecke der Datenverarbeitung nicht einfach ge&#228;ndert werden, ohne die Interessen aller Betroffenen abzuw&#228;gen. Der Gesetzgeber m&#252;sse hier aufpassen, „dass nicht eine massive Rechtsunsicherheit eintreten wird“. Es d&#252;rfe nicht unklar bleiben, ob im Zweifelsfall unmittelbar die Verordnung gelte oder das deutsche Gesetz.</p> <h3 class=„subheading“>Schlecht lesbar</h3> <p>Schaar sprach von einem „sehr schlecht lesbaren Gesetzeswerk“, da er immer wieder die EU-Texte noch einmal daneben legen m&#252;sse. Dass die Regierung Berufsgeheimnistr&#228;ger wie &#196;rzte, Anw&#228;lte oder private Lebens- und Krankenversicherungen von Kontrollen ausnehmen wolle, w&#252;rde zudem etwa dazu f&#252;hren, dass besonders sensible Gesundheitsdaten in Krankenh&#228;usern oder bei Sozialversicherungen k&#252;nftig nur noch l&#252;ckenhaft gepr&#252;ft werden k&#246;nnten. Mit den Klauseln zur erweiterten Video&#252;berwachung sei zudem zu bef&#252;rchten, dass Private mit „intelligenten Systemen“ bald personenbezogene Profile erstellen k&#246;nnten.</p> <p>Vo&#223;hoff rieb sich weiter daran, dass die Exekutive die Aufsicht &#252;ber den Bundesnachrichtendienst (BND) „zulasten meines Hauses und des Bundestages verfassungswidrig einschr&#228;nken“ wolle. Ihre Beh&#246;rde d&#252;rfte sich demnach nicht einmal mehr mit Informationen oder Ersuchen an die parlamentarischen Aussch&#252;sse wenden.</p> <p>Hartmut Aden von der Berliner Hochschule f&#252;r Wirtschaft und Recht sah die Gefahr, „dass wir hinter den vorhandenen Rechtsschutzstandards zur&#252;ckfallen werden“. Dies gelte auch f&#252;r die Pl&#228;ne, die begleitende Richtlinie f&#252;r den Datenschutz bei Polizei und Justiz in deutsches Recht umzusetzen. Es sei hier wenig sinnvoll, den Text aus Br&#252;ssel „nur in deutsche Gesetze hineinzukopieren“, ohne sie wenigstens an die deutschen Begriffe und Systematiken anzupassen.</p> <h3 class=„subheading“>Kritik aus der Opposition</h3> <p>&#220;berrascht zeigte sich dagegen der Bayreuther Jurist Heinrich Amadeus Wolff, dass der Entwurf das Bestm&#246;gliche aus der komplexen Materie mache und „die Ministerialb&#252;rokratie so etwas Sch&#246;nes hervorbringen kann“. Die Klausel zur Video&#252;berwachung versto&#223;e aber klar gegen das EU-Recht, auch die eingebauten Regeln zum Scoring f&#252;r die Bonit&#228;tspr&#252;fung kamen ihm als Fremdk&#246;rper vor.</p> <p>Andreas Jaspers von der Gesellschaft f&#252;r Datenschutz und Datensicherheit (GDD) sowie der Berliner Rechtsanwalt Carlo Piltz waren sich einig, dass die Regierung „weitgehend praxisgerechte L&#246;sungen gefunden“ und das Vorhaben „in G&#228;nze gelungen“ sei. Die Linke Petra Pau und der Gr&#252;ne Konstantin von Notz protestierten scharf dagegen, dass die gro&#223;e Koalition die Reform noch in dieser Woche durch den Bundestag bringen wolle. Angesichts von 70 &#196;nderungsantr&#228;gen allein aus dem Bundesrat und den umfangreichen Stellungnahmen der gerade geh&#246;rten Experten bleibe da keine Zeit f&#252;r ein ordentliches Verfahren.<!– AUTHOR-DATA-MARKER-BEGIN –>

<!– RSPEAK_STOP –> (<b>anw [4]</b>) <br class=„clear“/><!– RSPEAK_START –><!– AUTHOR-DATA-MARKER-END –></p>

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          https://www.heise.de/newsticker/meldung/Experten-zur-Datenschutzreform-Betroffenen-und-Kontrollrechte-werden-massiv-eingeschraenkt-3665403.html
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                  &#160;&#160;[1]&#160;https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw13-pa-innen-datenschutz/499054<br/>
                  &#160;&#160;[2]&#160;https://www.heise.de/newsticker/meldung/Neues-Datenschutzgesetz-Bundesregierung-hebelt-Buergerrechte-und-Kontrollbefugnisse-aus-3614529.html<br/>
                  &#160;&#160;[3]&#160;https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Datenschutzreform-Maas-lobt-grossen-Fortschritt-IT-Wirtschaft-ist-skeptisch-3044749.html<br/>
                  &#160;&#160;[4]&#160;mailto:anw@ct.de<br/></p>

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