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Pionier der polizeilichen Informationsverarbeitung: zum Tode von Horst Herold

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<html> <p class=„printversionback-to-article printversion–hide“><a href=„https://www.heise.de/newsticker/meldung/Pionier-der-polizeilichen-Informationsverarbeitung-zum-Tode-von-Horst-Herold-4251887.html“>zur&#252;ck zum Artikel</a></p><figure class=„printversionlogo“><img src=„https://1.f.ix.de/icons/svg/logos/svg/heiseonline.svg“ alt=„heise online“ width=„180“ heigth=„40“/></figure><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/5/6/2/7/5/7/DuZL6zUWwAIF2Ht-51b5fd2491599cf8.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/5/6/2/7/5/7/DuZL6zUWwAIF2Ht-51b5fd2491599cf8.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/986/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/5/6/2/7/5/7/DuZL6zUWwAIF2Ht-51b5fd2491599cf8.jpeg 986w“ sizes=„(min-width: 80em) 43.75em, (min-width: 64em) 66.66vw, 100vw“ alt=„Pionier der polizeilichen Informationsverarbeitung: zum Tode von Horst Herold“ class=„img-responsive“/><figcaption class=„akwa-caption“><p class=„source akwa-captionsource“>(Bild:&#160;Bundeskriminalamt (twitter.com))</p> </figcaption></figure><p><strong>Der ehemalige BKA-Pr&#228;sident Horst Herold ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Er stellte die EDV in den Dienst der Verbrechensbek&#228;mpfung.</strong></p> <p>Wie seine Familie gegen&#252;ber der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em> bekannt gab, ist der Kriminalist Horst Herold nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Herold leitete das Bundeskriminalamt von 1971 bis 1981 und war damit oberster Fahnder bei der Suche nach Mitgliedern der ersten beiden Generationen der Rote Armee Fraktion (RAF). Bei dieser Fahndung entwickelte er mit seinen Datenverarbeitungs-Experten die „negative Rasterfahndung“.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_voraus_prognose1“>Voraus-Prognose m&#246;glicher Tatorte</h3> <p>Die Besch&#228;ftigung mit dem Computer, seine Ausbildung zum „elektronischen Kommissar“ begleitete den gelernten Kriminalgeografen von Beginn seiner Karriere an. Bereits 1964 ver&#246;ffentlichte Herold als Kriminaldirektor in N&#252;rnberg die Schrift „Organisatorische Grundz&#252;ge der elektronischen Datenverarbeitung im Bereich der Polizei“. Ausgehend von der Kriminalgeografie wollte er ein System entwickeln, das bereits &#196;hnlichkeit mit dem „predictive computing“ und dem <a href=„https://www.sueddeutsche.de/politik/horst-herold-oberster-raf-fahnder-1.4179480“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Profiling von heute [1]</strong></a> aufwies, also der r&#228;umlich erfassten Voraus-Prognose m&#246;glicher Tatorte. Herold wurde 1969 Mitglied einer Kommission, die die Polizeisysteme <a href=„https://de.wikipedia.org/wiki/INPOL“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>INPOL [2]</strong></a> und <a href=„https://www.cilip.de/1992/02/26/pios-dateien-meldedienste-und-spurendokumentationen-die-wichtigsten-systeme/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>PIOS [3]</strong></a> entwickelte. Er wurde Pr&#228;sident des Bundeskriminalamtes, nachdem die Rote Armee Fraktion im Mai 1970 mit ersten Aktionen von sich reden machte. Im Laufe seiner Amtszeit wurde das BKA zur einer schlagkr&#228;ftigen Truppe umgebaut, wobei der Einsatz von Computern eine wichtige Rolle spielte. Kybernetik und Polizeiorganisation, so eine Schrift von Herold, geh&#246;rten zusammen.</p> <p>Die vom SPD-Mitglied Herold entwickelte Rasterfahndung verstand er nicht als grundrechtswidrige Erfassung aller m&#246;glichen B&#252;rger, sondern als Ma&#223;nahme, die den Datenschutz als „negative Rasterfahndung“ ber&#252;cksichtigen sollte. So sollten die Daten aller B&#252;rger in einer gro&#223;en Datei abgelegt werden, um dann St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck „datensch&#252;tzend“ gel&#246;scht zu werden, bis eine Handvoll verd&#228;chtiger B&#252;rger zur&#252;ckblieb. Kritiker sahen das System ganz anders und interpretierten es als Schritt in den &#220;berwachungsstaat. Besonders bekannt wurde die Kritik von Hans-Magnus Enzensberger, der im <em>Spiegel</em> &#252;ber den <a href=„http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40349651.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Sonnenstaat des Dr. Herold [4]</strong></a> &#228;tzte.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_datenrasterung_2“>Datenrasterung</h3> <p>Herold selbst schrieb 1984 zur Verteidigung seiner Methode der Datenrasterung: „In Umkehrung der bisherigen polizeilichen Ermittlungsweise forscht sie nach den Gruppenmerkmalen, die dem T&#228;ter nicht anhaften und die deshalb als 'negative' Merkmale zu bezeichnen sind. Wenn aufgrund der Ermittlungen etwa feststeht, dass der T&#228;ter kein Rentner, kein Student und kein Arbeitsloser war, so kann die Polizei Rentenversicherungen, Universit&#228;ten und Arbeits&#228;mter bitten, die Daten, die die genannten Beh&#246;rden verwalten, aus einem zu untersuchenden Datenbestand herauszul&#246;schen, d.h. dort physikalisch zu vernichten. Dies schlie&#223;t aus, dass die Polizei die einzelnen Datens&#228;tze der Rentner, Studenten und Arbeitslosen 'in die Hand nehmen' und aus ihnen durch heimliche Kriterien andere als die vorgegebenen Ergebnisse entnehmen kann. Besser als durch Datenvernichtung im Fremdbestand kann die verwahrende Beh&#246;rde ihre Personendaten nicht sch&#252;tzen. W&#228;hrend bei der 'elektronischen B&#252;rofahndung' Ergebnisbest&#228;nde aufgebaut werden, die erst den Ausgangspunkt weiterer Suchma&#223;nahmen bilden, k&#246;nnen Rasterfahndungen, je nach dem Fahndungsziel, durch Herausl&#246;schen aller Gruppen, die Legalit&#228;t verk&#246;rpern, bereits den oder die Verd&#228;chtigen liefern.“</p> <div class=„collapse-boxtarget collapse-boxcontent a-inline-textboxcontent a-inline-textboxcontent-container“ data-collapse-target=„“> <p>Lesen Sie dazu auf <em>heise online</em>:</p> <p><a href=„https://www.heise.de/meldung/Kommissar-Computer-Horst-Herold-zum-85-Geburtstag-212459.html“><strong>Kommissar Computer: Horst Herold zum 85. Geburtstag [5]</strong></a></p> </div> <h3 class=„subheading“ id=„nav_kriminalphilosop3“>Kriminalphilosoph</h3> <p>Mit der Methode fand die Polizei tats&#228;chlich mehrere RAF-Mitglieder und konnte nach einem PIOS-Datenabgleich von Meldedaten drei von vier Entf&#252;hrern der <a href=„https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%BChrung_des_Flugzeugs_%E2%80%9ELandshut%E2%80%9C“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Lufthansa-Maschine „Landshut“ [6]</strong></a> noch w&#228;hrend des Fluges ermitteln. Die Methode f&#252;hrte aber auch zur gr&#246;&#223;ten Niederlage in der Karriere von Herold: Ein <a href=„https://www.focus.de/politik/deutschland/raf/tagebuch/tid-7338/7-september_aid_131953.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Fernschreiben eines Polizisten [7]</strong></a> &#252;ber eine verd&#228;chtige Wohnung wurde im <a href=„https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Martin_Schleyer“><strong>Entf&#252;hrungsfall von Hanns-Martin Schleyer [8]</strong></a> nicht in das System eingegeben, wo es nach dem Suchsystem unmittelbar einen Alarm ausgel&#246;st h&#228;tte. Nach dieser Panne wurde Herold 1981 in den Ruhestand versetzt, wo er sich weiter <a href=„https://www.heise.de/meldung/60-Jahre-BKA-Von-der-mechanisierten-Verbrechensbekaempfung-zu-INPOL-neu-1203978.html“><strong>mit der Polizei-IT besch&#228;ftigte [9]</strong></a>, aber nicht mehr aktive Unterst&#252;tzung gab. In dieser Zeit lebte er auf einem Kasernengel&#228;nde in einem Haus und wurde dort <a href=„https://sz-magazin.sueddeutsche.de/geschichte/der-datenverarbeiter-80000“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>zum Kriminalphilosophen [10]</strong></a>. Erst vor wenigen Jahren konnte Horst Herold in seine Heimat nach N&#252;rnberg zur&#252;ckkehren und ohne Staatsschutz-&#220;berwachung leben.</p> <div class=„inread“/> <p> ()<br class=„clear“/></p> <hr/><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br/><small><code>http://www.heise.de/-4251887</code></small></p> <p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br/><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://www.sueddeutsche.de/politik/horst-herold-oberster-raf-fahnder-1.4179480</code></small><br/><small><code><strong>[2]</strong>&#160;https://de.wikipedia.org/wiki/INPOL</code></small><br/><small><code><strong>[3]</strong>&#160;https://www.cilip.de/1992/02/26/pios-dateien-meldedienste-und-spurendokumentationen-die-wichtigsten-systeme/</code></small><br/><small><code><strong>[4]</strong>&#160;http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40349651.html</code></small><br/><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Kommissar-Computer-Horst-Herold-zum-85-Geburtstag-212459.html</code></small><br/><small><code><strong>[6]</strong>&#160;https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%BChrung_des_Flugzeugs_%E2%80%9ELandshut%E2%80%9C</code></small><br/><small><code><strong>[7]</strong>&#160;https://www.focus.de/politik/deutschland/raf/tagebuch/tid-7338/7-september_aid_131953.html</code></small><br/><small><code><strong>[8]</strong>&#160;https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Martin_Schleyer</code></small><br/><small><code><strong>[9]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/60-Jahre-BKA-Von-der-mechanisierten-Verbrechensbekaempfung-zu-INPOL-neu-1203978.html</code></small><br/><small><code><strong>[10]</strong>&#160;https://sz-magazin.sueddeutsche.de/geschichte/der-datenverarbeiter-80000</code></small><br/><small><code><strong>[11]</strong>&#160;mailto:tiw@heise.de</code></small><br/></p> <p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2018 Heise Medien</em></p> </html>

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