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Predictive Policing: Die Polizei arbeitet verstärkt wie ein Geheimdienst

Originalartikel

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<html> <p class=„printversionback-to-article printversion–hide“><a href=„https://www.heise.de/newsticker/meldung/Predictive-Policing-Die-Polizei-arbeitet-verstaerkt-wie-ein-Geheimdienst-4008214.html“>zur&#252;ck zum Artikel</a></p><figure class=„printversionlogo“><img src=„https://1.f.ix.de/icons/svg/logos/svg/heiseonline.svg“ alt=„heise online“ width=„180“ heigth=„40“/></figure><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/3/9/8/2/2/2/analytics-8c9ee5b231815055-2aca495fa5f7aec6.jpeg“ alt=„Predictive Policing: Die Polizei arbeitet verst&#228;rkt wie ein Geheimdienst“/></figure><p><strong>Kritiker bef&#252;rchten, dass mit der „vorausschauenden Polizeiarbeit“ durch Kollege Computer zunehmend Scoring und automatisierte Entscheidungen in die Strafverfolgung einziehen. Ein Kriminalbeamter wiegelt ab: Hierzulande gelte kein Gesinnungsstrafrecht.</strong></p> <p>Szenen aus „Minority Report“ sind zumindest in den USA nicht mehr fern, seitdem „<strong>Predictive Policing[1]</strong>“ aufkommt, bef&#252;rchtet der Dokumentarfilmer Matthias Heeder. So habe die Chicagoer Polizei mithilfe eines Algorithmus' eine Schwarze Liste mit rund 400 B&#252;rgern erstellt, die als Risikogruppe g&#228;lten und teils schon wegen Kiffens und Trinkens sozial isoliert w&#252;rden. Das System basiere auf der Netzwerktheorie, durchforste Polizei-Datenbanken und spucke Namen aus mit einer Punktzahl im Zusammenhang mit Kriminalit&#228;t, erkl&#228;rte der Regisseur des Films „<strong>Pre-Crime[2]</strong>“ am Mittwoch im Berliner digitalen Salon des Humboldt-Instituts f&#252;r Internet und Gesellschaft zum Thema „<strong>Catch me if you scan[3]</strong>“: „Das ist doch einfach idiotisch.“</p> <figure class=„rteinlinebild akwa-inline-img rtepos_left col-lg-6 col-md-6 col-sm-6 col-xs-12 akwa-inline–left“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/350/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/2/3/9/8/2/2/2/digisa-163bc117055732f3.jpeg“ alt=„Matthias Heeder, Lorenz Matzat, Moderatorin Teresa Sickert und Dirk Peglow (v.l.n.r.)“ class=„img-responsive akwa-inline-imgimg“/><figcaption class=„rteinlinebild_source akwa-caption“>Matthias Heeder, Lorenz Matzat, Moderatorin Teresa Sickert und Dirk Peglow (v.l.n.r.) (Bild:&#160;heise online / Stefan Krempl)</figcaption></figure><p>Fast jede Polizeidirektion in den USA setzte mittlerweile eine vergleichbare Software ein, berichtete Heeder. Zugleich verschwinde die „soziale Diskussion &#252;ber Ursachen von Kriminalit&#228;t“. Personalstellen bei den Strafverfolgern w&#252;rden abgebaut, was offenbar „technisch kompensiert“ werden m&#252;sse. Bew&#228;hrungsgerichte seien derma&#223;en &#252;berfordert, dass sie auf <strong>IT-Systeme wie Compas[4]</strong> zur&#252;ckgriffen, die ihnen Prognosen &#252;ber die R&#252;ckfallwahrscheinlichkeit Inhaftierter liefern sollen. Heeder ist sich daher sicher, dass Predictive Policing die Polizeiarbeit k&#252;nftig verst&#228;rkt in Richtung geheimdienstliche Operationen umwandeln werde.</p> <div class=„apester-media“ data-context=„true“ data-fallback=„true“ data-tags=„“ data-token=„5a659b370b0e0c0001667550“/> <p>Mit US-amerikanischen Verh&#228;ltnissen sei Predictive Policing in Deutschland noch nicht vergleichbar, erkl&#228;rte der Datenjournalist Lorenz Matzat. Hier werde Analysesoftware vor allem eingesetzt, um Wohnungseinbr&#252;che anhand beobachteter Muster vorauszusagen. Das sei mehr eine „PR-Aktion“, meint der Mitgr&#252;nder des Projekts <strong>Algorithmwatch[5]</strong>. In Berlin etwa gebe es aber auch bereits ein gemeinsames Lagezentrum, um islamistische Gef&#228;hrder auszumachen. Auch er prognostiziert daher, dass sich mit Predictive Policing die Polizei- und die Geheimdienstarbeit st&#228;rker vermischen. Damit d&#252;rften die Meinungs-, Demonstrations- und Bewegungsfreiheit eingeschr&#228;nkt werden, wenn die Ordnungsh&#252;ter vorab sagten: „Du darfst da nicht hin, du k&#246;nntest ein Verbrechen begehen.“</p> <h3 class=„subheading“ id=„navfall_nicht1“>„Fall-, nicht personenorientiert“</h3> <p>Dirk Peglow, der hessischer Landesvorsitzende des Bunds deutscher Kriminalbeamter (BDK), bem&#252;hte sich dagegen, den Mythos einer Precrime-Software zu entzaubern: „Wir verwenden Daten, die wir haben“, f&#252;hrte er mit Blick auf das in Hessen eingesetzte Programm „KLB-operativ“ („Kriminalit&#228;tslagebild“) aus. Die „rechtm&#228;&#223;ig erlangten“ Informationen w&#252;rden mit dieser Analyseplattform dann ausgewertet. Die hiesige Polizei gehe dabei anders als in den USA fall- und nicht personenorientiert vor. Bei Einbr&#252;chen w&#252;rden also Parameter wie Tatzeit, Ort, Beute oder der „modus operandi“ als „Trigger“ verwendet und gerastert. Werde „gehebelt“ oder ein Fensterbohrer eingesetzt, sei dies etwa ein Hinweis auf „professionelle T&#228;ter“ und Banden.</p> <p>An sich gehe die Software zur&#252;ck auf klassische kriminologische Erkenntnisse, erl&#228;uterte Peglow. So besage die „Repeat-Theorie“, dass T&#228;ter oft binnen 48 bis 72 Stunden in die N&#228;he des Tatorts zur&#252;ckkehren. Wenn Kollegen verf&#252;gbar seien, „lassen wir sie dort in Uniform oder zivil Streife fahren“, berichtete der Praktiker. Vor 20 Jahren seien f&#252;r vergleichbare Lageanalysen Excel-Tabellen erstellt worden. Da habe es teils einige Tage gebraucht, um Parallelen ausmachen zu k&#246;nnen. Nun gehe es mit KLB deutlich schneller. Das US-System erscheint dem Kriminalpolizisten dagegen „ein bisschen zweifelhaft“. Der dortige Ansatz reiche hierzulande nicht f&#252;r eine strafprozessuale Ma&#223;nahme.</p> <p>Peglow wehrte sich auch gegen Vorw&#252;rfe, dass die Polizei unter „Datensammelwut“ leide. Er r&#228;umte zwar ein, dass es sich um einen „Riesen-Datenwust“ handle, „mit dem wir zu arbeiten haben“. Auf jedem Handy seien heutzutage aber bereits so viele Informationen gespeichert, dass sie nur noch von Fachleuten ausgewertet werden k&#246;nnten. Im Gegensatz zu einem Mobiltelefon h&#228;tten Verbrecher heute zudem oft „sieben bis zehn Handykarten“, die alle observiert werden m&#252;ssten.</p> <p>„Wir k&#246;nnen uns nicht darauf ausruhen, dass der Datenschutz in Deutschland so toll ist“, entgegnete Matzat. Das Innenministerium und die Geheimdienste k&#246;nnten schnell in die „H&#228;nde von Faschisten“ geraten, wie ein Blick nach &#214;sterreich zeige. Auch der Entwurf f&#252;r ein neues Polizeigesetz in Bayern mit noch mehr pr&#228;ventiven &#220;berwachungsbefugnissen mache deutlich: „Das kann schnell kippen.“ Im Handumdrehen lande man so bei Systemen wie „<strong>Citizen Score“ in China[6]</strong>. Vergleichbare Techniken lie&#223;en sich mit den Bewertungsmustern der Schufa rasch nachbilden, warnte Matzat. Algorithmenwatch wolle der Auskunftei daher mit <strong>OpenSchufa[7]</strong> auf den Zahn f&#252;hlen. (<em>Stefan Krempl</em>) / (<strong>anw[8]</strong>)<br class=„clear“/></p> <hr/><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br/><small>

http://www.heise.de/-4008214

</small></p> <p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br/><small>

<strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/34C3-Predictive-Policing-fuehrt-zu-Sippenhaft-und-hebelt-die-Unschuldsvermutung-aus-3928787.html

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<strong>[2]</strong>&#160;http://precrime-film.de/

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<strong>[3]</strong>&#160;https://www.hiig.de/events/digitaler-salon-catch-me-if-you-scan/

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<strong>[4]</strong>&#160;https://www.heise.de/tp/features/Algorithmus-zur-Vorhersage-der-Rueckfaelligkeit-von-Straftaetern-Blendwerk-an-Komplexitaet-3946628.html

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<strong>[5]</strong>&#160;https://algorithmwatch.org/de/

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<strong>[6]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/34C3-Daten-kontra-Freiheit-3928458.html

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<strong>[7]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/OpenSCHUFA-Projekt-will-Scoring-Methoden-rekonstruieren-3970425.html

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<strong>[8]</strong>&#160;mailto:anw@ct.de

</small><br/></p> <p class=„printversion__copyright“><em>Copyright &#169; 2018 Heise Medien</em></p> </html>

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