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PUA NSA: Eingangsstatement von BfV-Präsident Dr. Hans-Georg Maaßen

Originalartikel

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<html> <h2>Eingangsstatement von BfV-Pr&#228;sident <abbr title=„Doktor“>Dr.</abbr>&#160;Hans-Georg Maa&#223;en</h2> <p><em>Es gilt das gesprochene Wort!</em></p> <p class=„c14“>Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>zun&#228;chst zu meiner Person: ich bin 53 Jahre alt, nach Abschluss meines Jurastudiums war ich zun&#228;chst als Rechtsanwalt in D&#252;sseldorf t&#228;tig, ehe ich 1991 in das Bundesministerium des Innern wechselte. Dort war ich in einer Reihe von Verwendungen im Ausl&#228;nder- und Asylrecht, in der Polizeiabteilung und als Pers&#246;nlicher Referent des Sicherheitsstaatssekret&#228;rs eingesetzt. Ich leitete das Ausl&#228;nderrechtsreferat von 2002 bis 2008 und als Unterabteilungsleiter zwischen 2008 und 2012 den Stab Terrorismusbek&#228;mpfung. Seit dem 1.&#160;August 2012 bin ich Pr&#228;sident des Bundesamtes f&#252;r Verfassungsschutz.</p> <h2 class=„c15“>1. Einleitung, Zusammenarbeit mit NSA</h2> <p>Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>von den Ver&#246;ffentlichungen des Edward Snowden hatte ich nach meiner Erinnerung zum ersten Mal am 7.&#160;Juni 2013 erfahren. Ich traf mich an diesem Freitagmorgen mit General Keith Alexander, dem Direktor der NSA, zu einem Arbeitsfr&#252;hst&#252;ck. General Alexander hielt sich an diesem Tag in Berlin auf, und wir waren verabredet, im Rahmen eines Fr&#252;hst&#252;cks &#252;ber die Sicherheitslage und eine Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen BfV und NSA zu sprechen. Zu Beginn des Gespr&#228;chs, wir hatten gerade Platz genommen, reichte mir ein Mitarbeiter einen Ausdruck einer deutschen Online-Medienmeldung. Dieser Meldung zufolge war ein streng geheimes NSA-Dokument &#246;ffentlich geworden, und es hie&#223;, die NSA w&#252;rde Daten aus Telefongespr&#228;chen von US-B&#252;rgern auswerten. Ich &#252;berflog diese Information und sprach im Laufe des Gespr&#228;chs General Alexander auf diese Meldung an. Nach meinem Eindruck reagierte er gelassen und ma&#223; dem Vorgang keine besondere Bedeutung bei. Mir ging damals durch den Kopf, dass ich an seiner Stelle sicherlich die Reise sofort abgebrochen h&#228;tte. Im &#220;brigen: Snowden und seine Ver&#246;ffentlichungen hatten ansonsten in diesem Gespr&#228;ch keine Rolle gespielt.</p> <p class=„c14“>Die durch Snowden bekannt gewordenen Abh&#246;rprogramme Prism, Tempora, Boundless <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lI#informant“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Informant&quot;“>Informant</a> und andere waren mir zuvor nicht bekannt. Sie waren nie Gegenstand meiner Gespr&#228;che mit der NSA. Wir hatten zwar bis Sommer 2013 eine gute Arbeitsbeziehung zur NSA aufgebaut. Aber dies bedeutete zu keinem Zeitpunkt, dass die NSA uns ihre Methodiken und ihre Strategien offenbarte. F&#252;r uns ging es in den Gespr&#228;chen mit den amerikanischen Partnern darum, ein Mehr an Erkenntnissen zu m&#246;glichen terroristischen Gefahren aus dem Ausland zu erhalten. Die Gefahrenlage im Bereich des <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lI#islamismus“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Islamismus&quot;“>islamistischen</a> <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lT#terrorismus“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Terrorismus&quot;“>Terrorismus</a> hatte sich in den Jahren zuvor bereits erheblich versch&#228;rft. Aus Deutschland stammende Islamisten, wie Mohamed Mahmout, waren in dieser Zeit nach &#196;gypten und Libyen und von dort nach Syrien und in den Irak gereist. Sie drohten mit Anschl&#228;gen in Deutschland. Deutsche Islamisten waren in Afghanistan und k&#228;mpften f&#252;r Al Qaida oder Al Qaida nahe Organisationen wie die IBU und die IJU. Unser Informationsbedarf konnte nicht allein durch den <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lN#nachrichtendienste“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Nachrichtendienste&quot;“>BND</a> gedeckt werden. Der BND war ein wichtiger Partner, aber auch er verf&#252;gte nur &#252;ber einen Bruchteil der Informationen, die wir brauchten. Die amerikanischen Nachrichtendienste hatten uns viele wichtige Hinweise gegeben, die dazu f&#252;hrten, dass wir eine Reihe von Anschlagsplanungen oder mutma&#223;lichen Anschlagsplanungen fr&#252;hzeitig erkannten und dadurch verhindern konnten, dass es zu Anschl&#228;gen kam. Die Al-Qaida-Zelle um El Kebir, die in D&#252;sseldorf einen Anschlag plante, war mithilfe unserer amerikanischen Partner ausgehoben und vor Gericht gestellt worden.</p> <p class=„c14“>Dagegen haben wir nach meiner Kenntnis von der NSA keine Informationen &#252;ber rein deutsche Sachverhalte erbeten noch haben wir sie erhalten, noch sind sie uns angeboten worden. Es ist klar, dass die NSA in Deutschland keine derartigen Befugnisse zur Informationsgewinnung hat. Die Informationsgewinnung im Inland ist unsere origin&#228;re gesetzliche Aufgabe. Ein Outsourcing an einen ausl&#228;ndischen Dienst kommt deshalb &#252;berhaupt nicht in Frage.</p> <p class=„c14“>Allerdings haben wir als Inlandsnachrichtendienst erhebliche Probleme bei der technischen Informationsgewinnung. Dies sind weniger rechtliche als technische Probleme, denn wir haben die gesetzliche Grundlage nach dem G-10-Gesetz einzelfallbezogene Telekommunikations&#252;berwachung zu betreiben. Wir haben vielfach das technische Problem, die Daten, die wir auf Grund einer G-10-Anordnung erhalten, technisch lesbar zu machen und auswerten zu k&#246;nnen. Unsere Anlage f&#252;r die Telekommunikations&#252;berwachung muss mit Blick auf die &#220;bertragungsprotokolle und Codierungen der Hersteller von Telekommunikations-Apps permanent ert&#252;chtigt werden. Dies ist eine unglaubliche Herausforderung. Wir m&#246;chten nicht, dass die G-10-Kommission uns die Internet&#252;berwachung eines Terroristen genehmigt, wir aber nicht in der Lage sind, seine Internetkommunikation lesen zu k&#246;nnen, nur weil uns die technischen M&#246;glichkeiten oder der technische Sachverstand fehlt. Die NSA hatte uns vor diesem Hintergrund die Software XKeyscore &#252;berlassen. F&#252;r uns ein reines Analyse- und Auswertewerkzeug mit dem wir Daten aus unserem Datenpool f&#252;r uns sichtbar und auswertbar machen. Es war nicht blo&#223;er Altruismus der Amerikaner. Ich hatte die Amerikaner so verstanden, dass sie Sorge hatten, dass wir nicht in der Lage sind, unsere Arbeit richtig zu machen. Hierdurch w&#228;ren auch nationale amerikanische Interessen in Deutschland und die Stabilit&#228;t Deutschlands als B&#252;ndnispartner gef&#228;hrdet. Das sind Sorgen der Partner in den USA, die seit einigen Monaten wegen der Sicherheitslage in Westeuropa noch deutlicher artikuliert werden.</p> <h2 class=„c15“>2. Snowdens &#8222;Enth&#252;llungen&#8220; &#252;ber die US-Vorherrschaft im Cyber-Raum</h2> <p>Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>ohne die Snowden Dokumente war bereits f&#252;r jeden offensichtlich, dass die USA die absolute Vorherrschaft im Cyberraum anstrebten. Der nationale Sicherheitskoordinator von Bill Clinton Richard A. Clarke hatte bereits vor Jahren in seinem Buch &#8222;World Wide War&#8220; klar gemacht: die USA nehmen f&#252;r sich die absolute Vorherrschaft zu Land, zu Wasser, in der Luft, im Weltraum und im Cyberraum in Anspruch. Die USA haben aus meiner Wahrnehmung eine klare Strategie verfolgt, um dieses Ziel zu erreichen. Durch eine kluge Wirtschaftspolitik, einen erheblichen technologischen Vorsprung und die Vernetzung von Sicherheitsbeh&#246;rden und Wirtschaft sind die f&#252;r uns wesentlichen Bereiche der IT-Technik und des Cyberraums amerikanisch: die schlichte Hardware, die Routertechnik, Smartphones (selbst das koreanische Samsung arbeitet mit Google-Android), Tablets, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke, Internetwarenh&#228;user, Auktionsh&#228;user, Apps <abbr title=„und so weiter“>usw.</abbr> Und wenn ein Unternehmen auch aus sicherheitspolitischen Gr&#252;nden amerikanisch sein m&#252;sste, wie <abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> das fr&#252;here europ&#228;ische Unternehmen Skype, wird es einfach aufgekauft. Hinzu kommt auch noch, dass die Internetverkehre zu einem gro&#223;en Teil &#252;ber US-Territorium verlaufen, Ortungssatelliten amerikanisch sind und dass viele Serverfarmen in den USA stehen. Die USA verf&#252;gen zu einem gro&#223;en Teil &#252;ber unsere Daten. Dass die Amerikaner in diesen Bereichen so stark sind, kann man ihnen nicht wirklich vorwerfen. Sie haben ihr Ziel ohne politische Auseinandersetzungen fast erreicht. Vielmehr m&#252;ssen wir Europ&#228;er uns vorwerfen, ob wir nicht vielleicht eine andere Wirtschaftspolitik f&#252;r die IT-Technik h&#228;tten betreiben sollen. Die Amerikaner haben ihre Automobilindustrie geopfert; daf&#252;r haben sie die Dominanz im Cyberraum. Wir Europ&#228;er stehen gegen&#252;ber den USA ziemlich nackt da. Das meine ich vor allem in Bezug auf unsere Daten.</p> <p class=„c14“>Und sp&#228;testens nach der Diskussion um das SWIFT-Abkommen mit den USA war auch in Europa bekannt, dass die amerikanischen Nachrichtendienste weitgehende rechtliche M&#246;glichkeiten haben, in den USA auf Datenbest&#228;nde &#252;ber Ausl&#228;nder zuzugreifen. Hinzu kommt &#8211; und dass war auch kein Geheimnis &#8211;, dass die NSA &#252;ber erhebliche personelle, technische und finanzielle Ressourcen verf&#252;gt.</p> <p class=„c14“>In Summe bedeutet das:</p> <ol class=„contentliste decimal c16“ start=„1“ readability=„33“><li readability=„2“> <p>die USA haben die technische Vorherrschaft f&#252;r weite Bereiche des Cyberraums, und</p> </li> <li readability=„4“> <p>die Dienste sind sowohl rechtlich als auch technisch in der Lage, diese Vorherrschaft im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung in Anspruch zu nehmen.</p> </li> </ol><p class=„c17“>Insoweit bieten die Snowden &#8222;Enth&#252;llungen&#8220; neben vielen Details nur einen wichtigen Hinweis: die USA haben auch den Willen, dies zu tun. Vielleicht war mancher Europ&#228;er naiv und glaubte, die USA w&#252;rden ihre Vorherrschaft nicht im Rahmen ihrer eigenen Gesetze f&#252;r sich ausnutzen. Das fr&#252;here Mitglied des Deutschen Bundestages Fritz-Rudolf K&#246;rper zeigte sich nach Bekanntwerden der Snowden &#8222;Enth&#252;llungen&#8220; &#252;berrascht, dass so viele &#252;berrascht waren. &#8222;Wenn wir gesch&#252;tzte Kommunikation wollen, m&#252;ssen wir eine eigene, robuste Infrastruktur aufbauen&#8220;, sagte er.</p> <p class=„c14“>Das Ganze hat aber mit dem Thema <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lS#spionageabwehr“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Spionageabwehr&quot;“>Spionageabwehr</a> nur bedingt etwas zu tun. Wenn Europa es zul&#228;sst, dass <abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> innereurop&#228;ische Kommunikation &#252;ber die USA geroutet wird, dass europ&#228;ische Kommunikation &#252;ber amerikanische Apps l&#228;uft, dass europ&#228;ische Daten in den USA gespeichert werden, dann darf man sich nicht beklagen, wenn auf der Grundlage amerikanischen Rechts sich amerikanische Nachrichtendienste mit ihren Programmen an unseren Daten bedienen k&#246;nnen. Wollte man ein anderes Ergebnis, m&#252;sste die europ&#228;ische Politik die USA zu einem anderen Umgang mit europ&#228;ischen Daten bewegen oder selbst zu einer Wende in der eigenen Politik finden.</p> <h2 class=„c15“>3. Spionage und Spionageabwehr</h2> <p>Meine sehr geehrten Damen und Herren,</p> <p class=„c14“>im Bereich der Zusammenarbeit mit ausl&#228;ndischen Nachrichtendiensten verwende ich nicht das Wort &#8222;Freunde&#8220;. Wir haben keine Freunde, sondern Partner. Partner, wie man auch sonst von Gesch&#228;ftspartnern spricht. Wir wissen, dass in unserem Gesch&#228;ft Freunde nicht immer nur Freunde sein k&#246;nnen, weil die Aufgaben der Nachrichtendienste den nationalen Interessen folgen. Es gibt Partner, bei denen man eine fast einhundertprozentige Deckungsgleichheit der jeweiligen nationalen Interessen feststellen kann. Es gibt aber auch Partner, die man gelegentlich braucht, bei denen die &#220;berschneidung der Interessen gering ist.</p> <p class=„c14“>Die USA und die anderen Staaten der Five Eyes geh&#246;ren zu unseren engsten und unverzichtbaren Partnern, vor allem mit Blick auf die Bek&#228;mpfung des internationalen islamistischen Terrorismus. Im Verh&#228;ltnis zu diesen Staaten ist die &#220;berschneidung der nationalen Interessen und damit der Aufgaben der Nachrichtendienste sehr weitgehend. Aber ihre jeweiligen nationalen Interessen sind nicht immer deckungsgleich mit unseren deutschen nationalen Interessen.</p> <p class=„c14“>Wir alle wissen, dass Deutschland f&#252;r die USA Partner und politischer Freund ist, dass die USA gleichwohl ein hohes Interesse an unserer Politik haben und es gelegentlich nicht lassen k&#246;nnen, auch mit unzul&#228;ssigen Mitteln Informationen &#252;ber die deutsche Politik zu gewinnen.</p> <p class=„c14“>Bei dem Geschichtsprojekt des BfV, das ich im vergangen Jahr vorgestellt hatte, war festgestellt worden, dass in der fr&#252;hen Zeit des BfV viele BfV-Berichte &#252;ber den BND an die US-Dienste gingen. Das BfV war f&#252;r die CIA ein aufgeschlagenes Buch. Bekannt ist auch, dass der fr&#252;here Pr&#228;sident des Bundeskriminalamts Paul Dickopf ein <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lA#agent“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Agent&quot;“>Agent</a> der CIA war. Und das f&#252;r sehr viele Jahre. Es gab immer wieder F&#228;lle, in denen wir als Spionageabwehr den Eindruck hatten, dass sich einzelne Vertreter der US-Dienste in Deutschland statuswidrig verhalten, bishin zum Fall Markus R. dem CIA-Spion im BND, der erst vor wenigen Wochen zu einer langj&#228;hrigen Haftstrafe verurteilt worden war.</p> <p class=„c14“>Unabh&#228;ngig davon, dass es sich bei den US-amerikanischen Diensten um zentrale Partner in der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit handelt, hat das BfV bei Hinweisen auf nachrichtendienstliche Aktivit&#228;ten der USA und der anderen Five Eyes in Deutschland keinesfalls weggeschaut. Der Vorwurf, die Spionageabwehr des BfV gehe angeblichen Spionageaktivit&#228;ten der amerikanischen Nachrichtendienste oder Gro&#223;britanniens nur ungen&#252;gend nach, ist unbegr&#252;ndet. Die Wahrheit ist, dass unabh&#228;ngig vor den Ver&#246;ffentlichungen von Edward Snowden bei tats&#228;chlichen Anhaltspunkten allen Verdachtsf&#228;llen nachgegangen worden ist. Zur Wahrheit geh&#246;rt aber auch: manche deutsche Gespr&#228;chspartner amerikanischer staatlicher Stellen hatten mitunter auf ein Mindestma&#223; an Eigenschutz verzichtet. Ich erinnere da beispielhaft an den 2010 bekannt gewordenen Fall des B&#252;roleiters des fr&#252;heren FDP-Vorsitzenden Dr. Guido Westerwelle, der offensichtlich als Informant oder Agent die US-Botschaft beliefert haben soll.</p> <p class=„c14“>Vor diesem Hintergrund haben wir als Bundesverfassungsschutz die &#8222;Enth&#252;llungen&#8220; von Edward Snowden sehr ernst genommen. Als unmittelbare Reaktion auf die Snowden-Ver&#246;ffentlichungen hatte ich im Bereich der Spionageabwehr des BfV eine Sonderauswertung eingerichtet. Diese Sonderauswertung hat Nachforschungen angestellt, um die erhobenen Vorw&#252;rfe zu pr&#252;fen und gegebenenfalls Konsequenzen f&#252;r die k&#252;nftige Arbeit der Spionageabwehr zu ziehen. Dabei wurden im Laufe der Untersuchung umfangreiche Informationen an den politischen Raum weitergegeben. Das Parlamentarische Kontrollgremium wurde regelm&#228;&#223;ig unterrichtet, und es wurden etwa 20 parlamentarische Anfragen der Bundestagsfraktionen zu der Thematik beantwortet.</p> <p class=„c14“>Da die Snowden Dokumente dem Verfassungsschutz nur aus der Presse bekannt waren, hatte ich als Chef der Spionageabwehr den seinerzeitigen Chefredakteur des Spiegel, Herrn B&#252;chner, angeschrieben und ihn gebeten, uns die Dokumente im Original zur Untersuchung zu &#252;berlassen. In seiner Antwort vom 28.&#160;Januar 2014 begr&#252;ndete Herr B&#252;chner seine Ablehnung mit der Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses. Er schrieb mir:</p> <p class=„c14“>&#8222;Der Deutsche Bundestag wird die Aktivit&#228;ten der NSA voraussichtlich in einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufarbeiten, zu dem aller Voraussicht nach auch die Akten Ihres Hauses herangezogen werden. Ich bitte deshalb um Verst&#228;ndnis, dass ich Ihr Anliegen zu diesem Zeitpunkt nicht positiv beantworten kann.&#8220;</p> <p class=„c14“>Bemerkenswert, dass der Spiegel Sorge hatte, dass die Snowden-Dokumente dem Bundestag vorgelegt werden k&#246;nnten.</p> <p class=„c14“>Dass die NSA in den USA auf europ&#228;ische Daten zugreifen kann, dies nach amerikanischem Recht darf und dies aus Gr&#252;nden des nationalen Interesses auch tut, ist &#8211; wie gesagt &#8211; nicht wirklich &#252;berraschend. Eine andere Frage, die durch die Snowden &#8222;Enth&#252;llungen&#8220; aufgeworfen wurde, ist f&#252;r die Spionageabwehr dagegen bedeutsamer: Hat es technische Aufkl&#228;rungsma&#223;nahmen durch die Nachrichtendienste der &#8222;Five Eyes&#8220; auf deutschem Boden gegeben. Als Ergebnis der Arbeit der Sonderauswertung ist dazu festzuhalten, dass nach Bewertung aller vorliegenden Informationen letztlich kein konkreter Nachweis daf&#252;r gef&#252;hrt werden konnte. Allerdings muss hinzugef&#252;gt werden, dass technische Aufkl&#228;rungsma&#223;nahmen in Deutschland durch ausl&#228;ndische Nachrichtendienste regelm&#228;&#223;ig nicht nachgewiesen werden k&#246;nnen, wenn es sich um die passive Erfassung von Telekommunikationsverkehren handelt. Die passive Erfassung &#8211; also <abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> die Antenne, die gut versteckt, den Telekommunikationsverkehr abgreift, &#8211; kann &#8211; wie man mir sagte &#8211; grunds&#228;tzlich nicht detektiert werden. Vor diesem Hintergrund hatte der Generalbundesanwalt am 12.&#160;Juni 2015 das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Aussp&#228;hung eines von der Bundeskanzlerin genutzten Mobiltelefons durch US-amerikanische Nachrichtendienste eingestellt, weil sich der Vorwurf mit den Mitteln des Strafprozessrechts nicht gerichtsfest beweisen lie&#223;.</p> <p class=„c14“>Der Vorwurf, dass aus der US-amerikanischen Botschaft am Pariser Platz Abh&#246;rma&#223;nahmen durchgef&#252;hrt wurden, konnte ebenfalls nicht belegt werden. Ein Zutritts- und Durchsuchungsrecht in der US-Botschaft steht deutschen Beh&#246;rden nicht zu. Gleichwohl hatte ich bei der US-Botschaft im Oktober 2013 schriftlich nach der M&#246;glichkeit gefragt, ob Mitarbeiter des BfV relevante R&#228;ume der diplomatischen Vertretungen er USA in Berlin und Frankfurt am Main begehen d&#252;rfen. Meine Anfrage, wurde jedenfalls nicht positiv beantwortet.</p> <p class=„c14“>Ich hatte nach Bekanntwerden der Snowden-Dokumente wiederholt Gelegenheit mit den Chefs der US-amerikanischen Nachrichtendienste zu sprechen. Das Thema Snowden-Dokumente und <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lS#spionage“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Spionage&quot;“>Spionage</a> gegen Deutschland war von mir regelm&#228;&#223;ig thematisiert worden. Zu den Reaktionen meiner Gespr&#228;chspartner in &#246;ffentlicher Sitzung nur so viel: Nach meiner Erinnerung haben sie zu keinem Zeitpunkt Spionageaktivit&#228;ten in Deutschland oder gegen Deutschland best&#228;tigt oder bestritten. Dies ist professionell, ein anderes Verhalten ist auch nicht zu erwarten.</p> <p class=„c14“>Spionageabwehr ist weitgehend Pr&#228;vention. Technische Aussp&#228;hangriffe k&#246;nnen vielfach nicht verhindert werden. Hochrangige Politiker wissen, dass sie jederzeit Ziel eines nachrichtendienstlichen Angriffs werden k&#246;nnen. Es sind mit Sicherheit zahlreiche Staaten, die ein gro&#223;es Interesse daran haben, die Telekommunikation von deutschen Spitzenpolitikern abzugreifen. Und dabei denke ich nicht in erster Linie an die USA. Aus Sicht der Spionageabwehr war es bereits riskant, den Neubau ausl&#228;ndischer Botschaften in der N&#228;he von Bundestag und Bundeskanzleramt zuzulassen. In vielen L&#228;ndern werden ausl&#228;ndische Botschaften deshalb bewusst in einem eigenen Diplomatenviertel au&#223;erhalb des Regierungsviertels und nicht vis-&#224;-vis von Parlament und Regierungssitz angesiedelt. Das BfV hatte nach meiner Kenntnis bereits in Zusammenhang mit dem Regierungsumzug darauf hingewiesen, dass die r&#228;umliche N&#228;he von Botschaften aus Gr&#252;nden des Abh&#246;rschutzes problematisch ist. Ich pers&#246;nlich h&#228;tte mir gew&#252;nscht, dass die Botschaften in einer deutlichen Distanz zu den Kerngeb&#228;uden von Bundesregierung und Bundestag angesiedelt w&#228;ren. Als im Zusammenhang mit den Snowden-Ver&#246;ffentlichungen in Medien berichtet wurde, das Handy der Bundeskanzlerin sei abgeh&#246;rt worden und aus ausl&#228;ndischen Botschaften in Berlin-Mitte w&#252;rden Lauschangriffe durchgef&#252;hrt, hat das BfV zusammen mit der Bundespolizei eine Gef&#228;hrdungsanalyse erarbeitet. Kernaussagen der Gef&#228;hrdungsanalyse: Sofern keine besondere Verschl&#252;sselungstechnik eingesetzt wird, sind insbesondere Handys akut abh&#246;rgef&#228;hrdet, gleiches gilt f&#252;r Tablets. Die N&#228;he zu den diplomatischen Vertretungen anderer L&#228;nder birgt stets eine Abh&#246;rgefahr. Das war eine Best&#228;tigung dessen, was BfV und Bundespolizei wiederholt erkl&#228;rten. Diese Gef&#228;hrdungsanalyse war eine Fortschre-bung der Berichte aus den Jahren 2001 bis 2003. In der Gef&#228;hrdungsanalyse haben wir auch zu m&#246;glichen Schutzma&#223;nahmen Stellung genommen. Zur sicheren Kommunikation empfehlen wir Kryptotelefonie. Ich bin mir allerdings auch sicher, dass oftmals Bequemlichkeit und Komfortabilit&#228;t dazu f&#252;hren, auf die Nutzung von Kryptotelefonen zu verzichten. Der fr&#252;here Wirtschaftsminister R&#246;sler soll kurz vor dem Bekanntwerden der NSA-Aff&#228;re noch gesagt haben: &#8222;Jeder wei&#223;, dass wir unsere privaten Telefone benutzen, obwohl es verboten ist.&#8220; Dann darf man sich auch nicht beklagen, wenn man abgeh&#246;rt wird. Und es ist nicht nur die NSA.</p> <p class=„c14“>Im Zusammenhang mit den Snowden-Dokumenten wurde gemutma&#223;t, die NSA w&#252;rde auch <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lW#wirtschaftsspionage“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Wirtschaftsspionage&quot;“>Wirtschaftsspionage</a> betreiben. Die Sonderauswertung hatte sich auch mit dieser Fragestellung besch&#228;ftigt. Ich selbst hatte die Pr&#228;sidenten von BDI und DIHT angeschrieben und gebeten, dass mir die Mitgliedsunternehmen etwaige <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lV#verdachtsfaelle“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Verdachtsf&#228;lle&quot;“>Verdachtsf&#228;lle</a> mitteilen. Dar&#252;ber hinaus habe ich bei einer Reihe von Veranstaltungen mit der deutschen Wirtschaft, in Gespr&#228;chen mit Vorst&#228;nden und Sicherheitsverantwortlichen von Unternehmen, bei Vortragsveranstaltungen der regionalen Industrie- und Handelskammern und von Verb&#228;nden dies immer wieder thematisiert. Mir sind allerdings keine derartigen Verdachtsf&#228;lle gemeldet worden.</p> <p class=„c14“>Insgesamt m&#246;chte ich feststellen, dass wir keine Nachweise daf&#252;r haben, dass die NSA oder andere Nachrichtendienste der Five Eyes Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen betreiben. Von US-amerikanischer Seite wurde im Rahmen von Gespr&#228;chen stets betont, dass Wirtschaftsspionage nicht betrieben werde. Nach meiner Auffassung, gibt es f&#252;r uns keinen Grund dies wirklich anzuzweifeln. Daf&#252;r sprechen mehrere Gr&#252;nde: Zum einen die Rechtslage. Den US-amerikanischen Diensten ist Wirtschaftsspionage bereits aufgrund ihrer eigenen Rechtslage (Presidential Policy Directive) untersagt. Zum anderen die Wirtschaftsordnung: In der Praxis w&#252;rde man sich zudem bei Weitergabe entsprechender Informationen an einzelne Unternehmen erheblicher Regressforderungen konkurrierender Wettbewerber ausgesetzt sehen. Staatlich organisierte Wirtschaftsspionage macht vor allem dort Sinn, wo prim&#228;r staatlich betriebene Unternehmen existieren. Dies trifft bekannterma&#223;en auf die USA nicht zu.</p> <p class=„c14“>Gleichwohl geh&#246;rt es auch zu den Aufgaben der Dienste, Terrorismusfinanzierung und <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lP#proliferation“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Proliferation&quot;“>Proliferation</a>, insbesondere von R&#252;stungsg&#252;tern, zu bek&#228;mpfen. Dass hierzu Aufkl&#228;rungsma&#223;nahmen durchgef&#252;hrt werden, von denen auch europ&#228;ische Unternehmen betroffen sind, ist insoweit nachvollziehbar. Ausschlie&#223;en kann ich nat&#252;rlich auch nicht, dass Bedienstete der NSA oder Contractors entgegen Recht und Gesetz, vielleicht f&#252;r Geld, Informationen an amerikanische Konkurrenten weitergeben.</p> <p class=„c14“>Als eine Konsequenz aus den Snowden-Ver&#246;ffentlichungen wurde im BfV die Neuausrichtung der Spionageabwehr und die damit verbundene St&#228;rkung des so genannten &#8222;360-Grad-Blicks&#8220; auf den Weg gebracht. Daf&#252;r ist der Fachbereich personell und organisatorisch ausgebaut worden. Dies bedeutet, dass sich die Spionageabwehr grunds&#228;tzlich gegen Spionageaktivit&#228;ten aller ausl&#228;ndischen Nachrichtendienste richtet, ohne vorherige Festlegung auf bestimmte Staaten und insbesondere ohne Ausschluss bestimmter Staaten. Der Schwerpunkt der Spionageabwehr wird aber auch weiterhin auf denjenigen Diensten liegen, deren Zielrichtung in besonderer Weise gegen die Interessen der Bundesrepublik Deutschland gerichtet ist. Bei aller gebotenen Notwendigkeit der Aufkl&#228;rung sollten wir nicht vergessen, dass die bedeutsamen Gef&#228;hrdungen gewiss nicht von unseren engsten Verb&#252;ndeten ausgehen.</p> <h2 class=„c15“>4. Die Rolle von Snowden</h2> <p>Sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>Ob Edward Snowden Agent des russischen Nachrichtendienstes SWR oder FSB ist, kann derzeit nicht belegt werden. Die Anwerbung und F&#252;hrung eines US-Geheimdienstmitarbeiters vom Typ Edward Sowden w&#228;re f&#252;r die russischen Nachrichtendienste bereits ein herausragender Erfolg. Sie w&#228;ren dadurch in den Besitz von wichtigen Informationen &#252;ber die Methoden und F&#228;higkeiten der US-amerikanischen technischen Aufkl&#228;rung gelangt. Snowden d&#252;rfte die NSA ausgepl&#252;ndert haben wie kein zweiter zuvor einen amerikanischen Nachrichtendienst ausgepl&#252;ndert hat. Allein dadurch, dass russische Nachrichtendienste Kenntnis von diesen Informationen erhielten, war der Schaden f&#252;r die USA immens. Noch gr&#246;&#223;er w&#228;re der Schaden durch das Bekanntwerden eines solchen Sachverhaltes als ein &#220;berl&#228;uferfall, also eines Agenten, der die Fronten bewusst oder in idealistischer Naivit&#228;t wechselt, oder eines Doppelagentenfalles, also jemand, der im Auftrag russischer Nachrichtendienste f&#252;r die NSA gearbeitet h&#228;tte. Der Schaden w&#228;re deshalb gr&#246;&#223;er, weil er einen erheblichen Imageschaden und damit Vertrauensverlust f&#252;r die US-amerikanischen Nachrichtendienste bedeutet h&#228;tte. Es w&#228;re zwar gut f&#252;r das Ego der russischen Dienste im Sinne von &#8222;wir k&#246;nnen&#8217;s &#8211; immer noch&#8220;. Allerdings w&#228;re es ein zeitlich begrenzter Schaden und die Welt h&#228;tte von diesem &#220;berl&#228;ufer- oder Doppelagentenfall bestenfalls in einer Randnotiz Kenntnis genommen.</p> <p class=„c14“>Anders ein Snowden, der weder als &#220;berl&#228;ufer noch als Doppelagent wahrgenommen wird. Ein Snowden, der als selbstloser Idealist, als &#8222;Whistleblower&#8220; in Erscheinung tritt. Oder der von den russischen Diensten als ein n&#252;tzlicher selbstloser Idealist gehalten wird. Dies w&#228;re eine Spionageoperation verbunden mit einer Desinformations- und Einflussnahmeoperation. Betrachten wir den Erfolg dieser Operation: Die weltweite mediale Darstellung von Snowden als selbstlosem Whisteblower hat dazu beigetragen, dass das Verh&#228;ltnis von einer Vielzahl westlicher Staaten gegen&#252;ber den USA &#8211; zumindest zeitweise - besch&#228;digt worden ist. Ein Keil wurde getrieben zwischen die USA und einigen der engsten Verb&#252;ndeten. Besonders zwischen den USA und Deutschland. In keinem anderen Partnerstaat der USA hatte das Thema Snowden die Medien und die politische Diskussion so beeinflusst wie in Deutschland: antiamerikanisch und gegen die eigenen Nachrichtendienste gerichtet. Und noch mehr. Erinnern wir uns:</p> <p class=„c14“>Der Spiegel hatte in Ausgabe 27/2013 vom 1.&#160;Juli 2013 geschrieben:</p> <p class=„c14“>&#8222;Eine NSA-Tabelle, die der Spiegel erstmals ver&#246;ffentlicht, dokumentiert, wie massiv das Aufkommen aus dem in Deutschland &#252;berwachten Datenverkehr ist. Danach fing die Agency im vergangenen Dezember die Metadaten von durchschnittlich rund 15 Millionen Telefongespr&#228;chen t&#228;glich und etwa 10 Millionen Internetverbindungen ab. (&#8230;) Aus der Bundesrepublik flie&#223;t damit einer der gr&#246;&#223;ten Str&#246;me der Welt in den gi-gantischen Datensee des amerikanischen Geheimdienstes&#8220;.</p> <p class=„c14“>Dieser Bericht hatte den Bundestagswahlkampf 2013 deutlich beeinflusst. Uns allen ist in Erinnerung, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel unter offensichtlicher Bezugnahme auf diesen Bericht erkl&#228;rte, dass die Reaktionen der Bundesregierung auf die &#8222;millionenfachen Grundrechtsverletzungen&#8220; vollkommen unzureichend seien.</p> <p class=„c14“>&#8222;Ich erwarte von der Bundeskanzlerin, dass sie in den Gespr&#228;chen die deutsche Verfassung in Amerika vertritt und nicht die Interessen der amerikanischen Geheimdienste in Deutschland.&#8220; (so Handelsblatt vom 3.&#160;August 2013).</p> <p class=„c14“>Heute wissen wir alle, dass die vom Spiegel aufgestellte Behauptung falsch ist. Der Spiegel erkl&#228;rte dazu erst ein Jahr sp&#228;ter in der Ausgabe Nr. 25/2014 vom 16.&#160;Juni 2014: Laut BND &#8222;stammten die 500 Millionen Datens&#228;tze vom BND, gesammelt in anderen L&#228;ndern.&#8220; Und weiter:</p> <p class=„c14“>&#8222;Sollten die Angaben zutreffen, dann w&#228;re die Formulierung von &#8218;Boundless Informant&#8216; &#8211; und auch die Interpretation des Spiegel &#8211; falsch gewesen&#8220;.</p> <p class=„c14“>Die fast gleiche Sprachregelung findet sich auch auf Seite 237 des Bestsellers der Spiegel-Redakteure Stark/Rosenbach &#8222;Der NSA-Komplex&#8220;. Es w&#228;re sch&#246;n, wenn dies nicht nur in einem Nebensatz gesagt worden w&#228;re, sondern auf der Titelseite des Spiegels st&#252;nde: Wir haben falsch gelegen und Euch an der Nase herumgef&#252;hrt!</p> <p class=„c14“>Die deutschen Nachrichtendienste sind durch die Snowden-Aff&#228;re in ganz besonderer Weise besch&#228;digt worden. Nicht nur durch die erhebliche Ressourcen-Bindung bei den Nachrichtendiensten, sondern auch, weil im Zusammenhang mit der Snowden-Aff&#228;re und dem NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages wichtige Informationen &#252;ber die deutschen Nachrichtendienste &#246;ffentlich wurden, sie skandalisiert und die Mitarbeiter der Nachrichtendienste erheblich verunsichert wurden. Dies alles d&#252;rfte der russischen Seite, insbesondere im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise, ausgesprochen entgegengekommen sein. Das Vertrauen der Menschen in Deutschland und das Vertrauen der ausl&#228;ndischen Partner in die deutschen Nachrichtendienste h&#228;tte auch gesch&#228;digt werden k&#246;nnen. Allerdings ist dies nach meinem Eindruck nicht gelungen.</p> <p class=„c14“>Der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hat in den vergangenen Jahren durch einen in die USA &#252;bergelaufenen Mitarbeiter erhebliche Niederlagen hinnehmen m&#252;ssen. Diese Verlustf&#228;lle haben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Ansehen des SWR in Russland und vor allem in der russischen Pr&#228;sidialadministation besch&#228;digt. Sofern es sich im Fall Snowden tats&#228;chlich um eine durch den SWR geplante und gef&#252;hrte Agenten- und Propaganda-Operation handelt, h&#228;tte der SWR seine Schlagkraft und Leistungsf&#228;higkeit unter Beweis gestellt. Dieses Ergebnis st&#252;nde im Einklang mit den verfolgten Zielen der russischen Nachrichtendienste im Rahmen der hybriden Kriegsf&#252;hrung gegen den Westen. Auch der Fall Lisa und die russischen Cyber-Trolle zeigen was die russischen Nachrichtendienste heute zu leisten imstande sind. Hervorragende Desinformations- und Einflussnahmekampagnen.</p> <h2 class=„c15“>5. Zur Sicherheitslage</h2> <p>Und das alles in einer Sicherheitslage wie der jetzigen. T&#228;glich erhalte ich F&#252;hrungsinformationen &#252;ber m&#246;gliche Anschlagsplanungen in Deutschland oder gegen europ&#228;ische Partner. Derzeit zwei bis vier Warnhinweise t&#228;glich. Ein Teil dieser Informationen stammt aus eigenem Aufkommen, viele Meldungen kommen von unseren Partnern. Gerade die sogenannten Ersthinweise &#8211; also der Startpunkt unserer Ermittlungen &#8211; kommen vielfach von internationalen Partnern, vor allem auch aus den USA.</p> <p class=„c14“>Wir m&#252;ssen auch in Deutschland mit Anschl&#228;gen wie in Paris oder Br&#252;ssel rechnen. Die Begehungsweise k&#246;nnte &#228;hnlich sein. Mumbai-Style nennen wir das. Zeitgleich an verschiedenen Orten, mit Kriegswaffen und Selbstmordattent&#228;tern. Als Attent&#228;ter denken wir an Terroristen, die als Fl&#252;chtlinge getarnt nach Deutschland kommen, aber auch an Syrienr&#252;ckkehrer und in Deutschland lebende Islamisten. Wir haben in Deutschland mehrere 10.000 Islamisten, davon &#252;ber 8.600 Salafisten und fast 500 islamistische Gef&#228;hrder. Aus meiner Sicht eine Riesenherausforderung f&#252;r die Sicherheitsbeh&#246;rden. Hinzu kommen f&#252;r den Bundesverfassungsschutz die Herausforderungen mit dem gewaltbereiten <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lR#rechtsextremismus“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Rechtsextremismus&quot;“>Rechtsextremismus</a>, mit Personen, die Asylunterk&#252;nfte in Brand setzen oder Asylsuchende t&#246;ten wollen, wie <abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> die OSS, die der Bundesverfassungsschutz aufkl&#228;rte.</p> <p class=„c14“>Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, sich auf gut aufgestellte, international vernetzte und anerkannte Nachrichtendienste verlassen zu k&#246;nnen. Ich kann best&#228;tigen, dass meine Mitarbeiter engagiert und leistungsf&#228;hig sind. Aber, die permanenten Skandalisierungsbem&#252;hungen gegen die Nachrichtendienste besch&#228;digen die Leistungsf&#228;higkeit. Der Bundesverfassungsschutz ist derzeit von zwei Bundes-tagsuntersuchungsaussch&#252;ssen und f&#252;nf Untersuchungsaussch&#252;ssen auf Landtagsebene betroffen. Mir ist berichtet worden, dass wir diesem Untersuchungsausschuss auf Grund von 21 Beweisbeschl&#252;ssen <abbr title=„circa“>ca.</abbr> 40.000 Blatt Akten aufbereitet vorgelegt haben. Allein in der Abteilung 6 <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lI#islamistischer-terrorismus“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Islamistischer Terrorismus&quot;“>Islamistischer Terrorismus</a> waren in Spitzenzeiten 106 Mitarbeiter mit Angelegenheiten des Untersuchungsausschuss befasst. Im h&#246;heren Dienst sind mehr Mitarbeiter f&#252;r Untersuchungsaussch&#252;sse eingesetzt als in der Referatsgruppe 6 D f&#252;r den islamistischen Terrorismus. Niemand sage im Falle eines Terroranschlages, das habe er nicht gewusst.</p> <p class=„c14“>Diese Gef&#228;hrdungslage macht zudem eines sehr deutlich: Der Herausforderung weltweit agierender terroristischer Netzwerke ist keine nationale Sicherheitsbeh&#246;rde alleine gewachsen. Es ist deshalb nur durch eine intensive globale Zusammenarbeit von Sicherheitsbeh&#246;rden zu gew&#228;hrleisten, dass diese Strukturen aufgekl&#228;rt und sodann zerschlagen werden.</p> <p class=„c14“>Die USA und Deutschland sind bei der Bek&#228;mpfung dieser Bedrohungen enge Partner. Dass wir bislang keine schwerwiegenden Anschl&#228;ge innerhalb Deutschlands zu verzeichnen haben, verdanken wir auch der Unterst&#252;tzung durch die US-amerikanischen &#8211; und anderer &#8211; Nachrichtendienste.</p> <p class=„c14“>Um es nochmals in aller Deutlichkeit zu sagen: ohne die internationale Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit ausl&#228;ndischen Nachrichtendiensten w&#228;ren wir terroristischen Bedrohungen noch sehr viel st&#228;rker als ohnehin schon ausgesetzt.</p> <h2 class=„c15“>6. Der &#8222;Geheime Krieg&#8220;</h2> <p>Und beim Informationsaustausch geht es nicht nur um den Austausch von Lagebildern oder um gelegentliche Arbeitsfr&#252;hst&#252;cke auf Chefebene. Es geht vor allem um den Austausch von <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lD#daten-personenbezogene“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Daten, personenbezogene&quot;“>personenbezogenen Daten</a>. Um Reisebewegungen von Islamisten und die davon ausgehenden Gefahren f&#252;r die Bundesrepublik Deutschland im Blick behalten zu k&#246;nnen, sind die deutschen Sicherheitsbeh&#246;rden auf Informationen zu Gef&#228;hrdern angewiesen. Aber auch unsere Partner sind darauf angewiesen, um Terrorakte durch Personen, die wir kennen, zu verhindern oder <abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> auch, um Jihadisten bei der Weiterreise zum IS zu stoppen, oder um uns &#252;ber deren weiteren Aufenthalt zu informieren. Ohne einen Informationsaustausch zwischen Griechenland und Deutschland h&#228;tten wir<abbr title=„zum Beispiel“>z.&#8239;B.</abbr> nicht erfahren, dass zwei weitere IS-Terroristen, die in Paris am 13.&#160;November an dem Anschlag h&#228;tten mitwirken sollen, auf Leros ankamen und von dort Richtung Mitteleuropa reisten. In Salzburg konnten diese Personen am 10.&#160;Dezember festgenommen werden.</p> <p class=„c14“>Informationsaustausche sind bei der jetzigen Sicherheitslage essenziell. Allerdings f&#252;hle ich mich in der Situation, dass von uns einerseits ein noch besserer Informationsaustausch erwartet wird,</p> <p class=„c14“>der SPD-Vorsitzende Gabriel hatte in einem Interview vom 29.&#160;M&#228;rz 2016 erkl&#228;rt, es werde in der &#8222;alten Schlapphut-Mentalit&#228;t der Geheimdienste weiter gearbeitet und die einzelnen EU-Mitgliedstaaten sitzen auf ihren Daten. Dass der eine Staat wei&#223;, wer Terrorverd&#228;chtiger ist, der Nachbarstaat, in dem der Verd&#228;chtige sein Unwesen treibt, aber im Dunkeln tappt, ist wirklich ein Skandal.&#8220;</p> <p class=„c14“>andererseits (wenn ich an die j&#252;ngste Rechtsprechung des <abbr title=„Bundesverfassungsgericht“>BVerfG</abbr> denke) gefordert wird, Daten nur sparsam zu &#252;bermitteln. Hinzu kommt, dass ich wahrnehme, dass uns unterstellt wird, wir w&#252;rden durch Daten&#252;bermittlungen an extralegalen T&#246;tungen durch Drohnen mitwirken. Derartige Unterstellungen weise ich nachdr&#252;cklich auch f&#252;r meine Mitarbeiter zur&#252;ck, die Tag f&#252;r Tag eine belastende und schwierige Arbeit machen, damit wir alle, auch Sie, sicherer (ich m&#246;chte nicht sagen: sicher) leben k&#246;nnen.</p> <p class=„c14“>Grunds&#228;tzlich gilt f&#252;r das BfV die Ma&#223;gabe, dass nur in begr&#252;ndeten Einzelf&#228;llen Informationen an ausl&#228;ndische Nachrichtendienste &#252;bermittelt werden. Dabei geht der Entscheidung, ob Daten &#252;bermittelt werden oder nicht, immer eine Ermessensaus&#252;bung voraus. Diese erfolgt in jedem Einzelfall nach &#167;&#160;19 <abbr title=„Absatz“>Abs.</abbr>&#160;3 <abbr title=„Bundesverfassungsschutzgesetz“>BVerfSchG</abbr>. Wenn es um Informationen geht, die auf G10-Ma&#223;nahmen beruhen, ist der Ma&#223;stab f&#252;r eine &#220;bermittlung &#167;&#160;4 des Artikel 10-Gesetzes. Sie alle k&#246;nnen sich vorstellen, dass in der jetzigen Zeit, schnellere und umfassendere Regelungen &#252;ber einen Informationsaustausch notwendig sind. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf zum besseren Informationsaustausch bei der Bek&#228;mpfung des internationalen Terrorismus in den Deutschen Bundestag eingebracht hat. Danach wird dem Bundesverfassungsschutz k&#252;nftig eine klare Rechtsgrundlage gegeben, mit wichtigen ausl&#228;ndischen Nachrichtendiensten gemeinsame Dateien einzurichten und zu betreiben. F&#252;r mich eine wichtige und klare Ansage.</p> <p class=„c14“>Zum Thema Daten&#252;bermittlung an die USA und Drohneneinsatz m&#246;chte ich folgende Anmerkungen machen:</p> <p class=„c14“>Zun&#228;chst: Ich war von 2008 bis zum 31.&#160;Juli 2012 im Bundesministerium des Innern Stabsleiter Terrorismusbek&#228;mpfung. In dieser Funktion war ich Vorgesetzter von <abbr title=„Doktor“>Dr.</abbr>&#160;Romann, als in dessen Referat der Erlass vom 24.&#160;November 2010 ausgearbeitet wurde. Diesen Erlass habe ich mitgetragen und nach meiner Erinnerung war er auch so vorbesprochen. Hintergrund war nach meiner Erinnerung, dass das BfV um klarstellende Weisung gebeten hatte.</p> <p class=„c14“>Im &#220;brigen m&#246;chte ich hierzu sechs Punkte herausstellen:</p> <ol class=„contentliste decimal c16“ start=„1“ readability=„59“><li readability=„11“> <p>Der Einsatz von Drohnen ist nach Rechtsauffassung des Generalbundesanwaltes laut seiner Einstellungsverf&#252;gung vom 20.&#160;Juni 2013 v&#246;lkerrechtlich zul&#228;ssig. Eine Strafbarkeit hat er abgelehnt. Zu dem im politisch-medialen Raum oftmals thematisierten Fall des B&#252;njamin E. stellte der Generalbundesanwalt fest:</p> <p class=„c14“>&#8222;Bei B.E. (handelte es sich) nicht um einen nach dem humanit&#228;ren V&#246;lkerrecht gesch&#252;tzten Zivilisten, sondern um ein Mitglied einer organisierten bewaffneten Gruppe mit fortgesetzter Kampffunktion. B. E. war erkennbar zum Zwecke der Teilnahme am <a class=„glossary-link“ href=„https://www.verfassungsschutz.de/de/service/glossar/_lJ#jihad“ title=„Link zum Glossarbegriff &quot;Jihad&quot;“>Jihad</a> nach Pakistan ausgereist.&#8220;</p> <p class=„c14“>Dieser Rechtsauffassung des Generalbundesanwaltes schlie&#223;e ich mich ausdr&#252;cklich an.</p> </li> <li class=„c18“ readability=„17“> <p>Eine ganz andere Frage ist, ob die rechtm&#228;&#223;igen Drohnens&#228;tze der USA politisch und moralisch mitgetragen werden. Das ist eine andere Argumentationsebene. Nach meinem Verst&#228;ndnis hatte die Bundesregierung deutlich gemacht, dass sie die Drohneneins&#228;tze nicht guthei&#223;t. In dem Erlass vom 24.&#160;November 2010 ist dies dadurch zum Ausdruck gebracht worden, dass sicherzustellen ist,</p> <p class=„c14“>&#8222;dass die Listen keine Daten enthalten, die unmittelbar f&#252;r die geographische Ortung in der in Rede stehenden Region verwendet werden k&#246;nnen&#8220;.</p> <p class=„c14“>Und daran hat sich das BfV nach allem, was ich wei&#223;, gehalten.</p> </li> <li class=„c18“ readability=„14“> <p>Bei den aus Deutschland stammenden Personen, die durch Drohnenangriffe ums Leben gekommen sind, fehlt es an einem Beleg, dass sie Ziel der jeweiligen Drohnenangriffe gewesen sind. Allein die Tatsache, dass sie f&#252;r deutsche Sicherheitsbeh&#246;rden relevant waren, wir sie richtigerweise als Jihadisten einstuften, begr&#252;ndet noch nicht die Schlussfolgerung, dass die Drohnen durch US-Stellen gegen diese Personen und nicht gegen andere Personen eingesetzt wurden. Vielleicht halten wir Deutsche die aus Deutschland stammenden Jihadisten f&#252;r besonders wichtig.</p> </li> <li class=„c18“ readability=„8“> <p>Die &#220;bermittlung von personenbezogenen Daten an ausl&#228;ndische Nachrichtendienste erfolgt unter Verwendung eines Sperrvermerks (Disclaimers). Durch diesen Vermerk wird klar zum Ausdruck gebracht, dass die Daten nur f&#252;r nachrichtendienstliche Zwecke verwendet werden d&#252;rfen. Sie durften und d&#252;rfen nicht f&#252;r milit&#228;rische Zwecke verwendet werden, auch wenn die milit&#228;rischen Aktionen von der CIA durchgef&#252;hrt werden sollten.</p> </li> <li class=„c18“ readability=„6“> <p>Nach allem, was ich wei&#223;, sind allein Handy-Telefonnummern auch unter Einsatz von Gilgamesh nicht ausreichend, um in Afghanistan eine Gelokalisierung vorzunehmen.</p> </li> <li class=„c18“ readability=„7“> <p>Und schlie&#223;lich:</p> <p class=„c14“>Die Mitarbeiter im BfV haben die Daten mit gutem Gewissen und im vollen Bewusstsein &#252;bermittelt, dass sie nicht zur Geolokalisierung verwendet werden und auch nicht verwendet werden k&#246;nnen. Sie haben in dem Glauben gehandelt, nicht an den Drohneneins&#228;tzen der USA mitzuwirken.</p> </li> </ol><p class=„c17“>Bei einer Vielzahl der in der Vergangenheit aber auch aktuell bearbeiteten Verdachtsf&#228;lle im Bereich des islamistischen Terrorismus, haben sich die US-amerikanischen Nachrichtendienste als zuverl&#228;ssiger und unverzichtbarer Informationsgeber erwiesen. Dass auch deutsche Sicherheitsbeh&#246;rden umgekehrt US-Dienste durch &#220;bermittlung von Informationen bei der Terrorbek&#228;mpfung unterst&#252;tzen, sollte daher selbstverst&#228;ndlich sein.</p> <p class=„c14“>Wir sehen an den j&#252;ngsten Anschl&#228;gen in Paris, Br&#252;ssel und auch Istanbul, dass der Austausch von personenbezogenen Daten &#252;ber die eigenen Landesgrenzen hinweg notwendig ist und sogar noch intensiviert werden muss.</p> <h2 class=„c15“>7. Xkeyscore</h2> <p>Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>Eine Behauptung, dem sich das BfV seit den Ver&#246;ffentlichungen Edward Snowdens in der &#214;ffentlichkeit ausgesetzt sieht, ist, dass die Privatsph&#228;re von Bundesb&#252;rgern durch massenhafte, anlasslose und verdachtsunabh&#228;ngige Datenerhebung internetgest&#252;tzter Telekommunikation &#252;berwacht und ausgesp&#228;ht werde. Diese Behauptung ist falsch. Das BfV ist als Inlandsnachrichtendienst keine sogenannte SIGINT-Beh&#246;rde. Anders als beispielsweise die NSA, betreiben wir keine strategische Fernmeldeaufkl&#228;rung mittels Signalauswertung von kabel-, satelliten- oder funkgest&#252;tzter Kommunikation. Wir sind ein Inlandsnachrichtendienst, der nur in Einzelf&#228;llen bei Vorliegen besonderer Gr&#252;nde nach Genehmigung der G-10-Kommission des Deutschen Bundestages und auf der Grundlage des G-10-Gesetzes die Telekommunikation &#252;berwachen darf. Telekommunikations&#252;berwachung durch das BfV ist immer ultima ratio, <abbr title=„das hei&#223;t“>d.&#8239;h.</abbr> sie erfolgt ausschlie&#223;lich einzelfallbezogen und nur, wenn andere M&#246;glichkeiten zur Informationsgewinnung ausscheiden oder nicht ausreichen. Eine massenhafte, anlasslose und verdachtsunabh&#228;ngige Datensammlung erfolgt seitens des BfV nicht.</p> <p class=„c14“>Bei der in Rede stehenden Software XKeyScore handelt es sich um ein erweitertes Analyse- und Auswertungstool, das dem BfV von der NSA zur Verf&#252;gung gestellt wurde. Es dient uns nicht zur Erfassung von Datenverkehren. Die Software wurde als &#8222;<em>Stand-Alone</em>&#8220; System in abgeschotteter Umgebung implementiert, so dass ein Datenabgriff durch Dritte nicht m&#246;glich ist. XKeyscore wird von uns ausschlie&#223;lich zur Auswertung bereits erfasster Daten aus genehmigten G10-Einzelma&#223;nahmen und unter strikter Beachtung deutschen Rechts genutzt. Dass hierin &#8211; wie vielfach unterstellt wurde &#8211; keine massenhafte Datenerfassung zu sehen sein kann, zeigt sich bereits anhand der konkreten Anzahl angeordneter und durchgef&#252;hrter &#220;berwachungsma&#223;nahmen: beispielsweise entfielen im gesamten Jahr 2014 auf das BfV insgesamt lediglich 148 Einzelma&#223;nahmen. Von einer anlass- und verdachtslosen Massen&#252;berwachung kann nicht gesprochen werden.</p> <p class=„c14“>Der laufende Testbetrieb der Software hat zudem gezeigt, dass XKeyscore einen Mehrwert f&#252;r unsere Arbeit als Inlandsnachrichtendienst hat und die bestehenden Auswertungsm&#246;glichkeiten sinnvoll erg&#228;nzt. Die &#220;berlassung von XKeyscore war und ist daher im Hinblick auf unsere nachrichtendienstlichen F&#228;higkeiten ein gro&#223;es Plus.</p> <p class=„c14“>Das BfV hat sich mit der &#220;bernahme von XKeyScore auch nicht zu einer unkontrollierten und massenhaften Daten&#252;bermittlung an die NSA verpflichtet. Ma&#223;gebend ist das deutsche Recht. Eine Informations&#252;bermittlung findet nur im Einzelfall unter Beachtung des deutschen Rechts statt. Grunds&#228;tzlich gilt, dass das BfV zur Erf&#252;llung seiner gesetzlich festgelegten Aufgaben von dem Know-How ausl&#228;ndischer Partnerdienste im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien nur profitieren kann.</p> <p class=„c14“>Damit wir unserem Auftrag als Inlandsnachrichtendienst gerecht werden k&#246;nnen, m&#252;ssen wir mit der immer rasanteren technologischen Entwicklung Schritt halten. Die Beobachtung terroristischer Personen oder Strukturen wird durch moderne Telekommunikationsmittel und die Nutzung einer stetig wachsenden Vielzahl von Internetdiensten erheblich erschwert. Diese Entwicklung erh&#246;ht die technischen Anforderungen an die Erfassung und Auswertung relevanter Kommunikationsinhalte. Den daraus resultierenden Herausforderungen m&#252;ssen wir mit einer technischen Ert&#252;chtigung und St&#228;rkung der Analysef&#228;higkeit begegnen. Diesem Zweck dient XKeyscore. Und keinem anderen.</p> <p class=„c14“>XKeyscore war mehrere Jahre im Testbetrieb eingesetzt. Dies war im Wesentlichen den hohen Sicherheitsstandards und der Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts geschuldet. Dar&#252;ber hinaus war auch zu kl&#228;ren, inwieweit sich dieses Werkzeug in die Fortentwicklung unserer eigenen TK&#220;-Anlage einf&#252;gt. Die Entscheidungsfindung ist inzwischen positiv abgeschlossen, so dass in K&#252;rze der Wirkbetrieb beginnen kann.</p> <h2 class=„c15“>8. Schluss</h2> <p>Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,</p> <p class=„c14“>ich komme zum Schluss und m&#246;chte noch einmal festhalten, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nur gemeinsam gef&#252;hrt werden kann. Wir brauchen eine verl&#228;ssliche und vertrauensvolle Partnerschaft vor allem mit den Staaten der &#8222;Five Eyes&#8220;, um den heutigen Bedrohungen erfolgreich begegnen zu k&#246;nnen.</p> <p class=„c14“>Dies gilt auch f&#252;r die Gewinnung von Informationen im Rahmen der Telekommunikations&#252;berwachung. Eine massenhafte, anlasslose und verdachtsunabh&#228;ngige Datenerfassung wird durch das BfV nicht praktiziert.</p> <p class=„c14“>Im Hinblick auf unsere technischen F&#228;higkeiten ist auch weiterhin eine st&#228;ndige Ert&#252;chtigung notwendig. Nur so werden wir dauerhaft in der Lage sein, mit den rasanten Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien Schritt zu halten.</p> <p class=„c14“>Abschlie&#223;end m&#246;chte ich im Bezug auf die Snowden-Ver&#246;ffentlichungen nochmals betonen, dass die im BfV eingerichtete Sonderauswertung keine konkreten Nachweise f&#252;r technische Aufkl&#228;rungsma&#223;nahmen durch die Staaten der &#8222;Five Eyes&#8220; auf deutschem Boden finden konnte. Dennoch haben wir nach den Snowden-Ver&#246;ffentlichungen im Bereich der Spionageabwehr den &#8222;360-Grad-Blick&#8220; gest&#228;rkt, um entsprechende Aktivit&#228;ten aus allen Richtungen noch besser bearbeiten zu k&#246;nnen.</p> <p class=„c14“>Damit beende ich meine Ausf&#252;hrungen.</p> </html>

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