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Transfer Learning: Das Wundermittel für mehr Intelligenz?

Originalartikel

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<html> Die Verzweiflung war gro&#223;, als Bj&#246;rn Schuller zu einem &#173;Wundermittel griff: Es hie&#223; Transfer Learning und brachte ihm eine Vielzahl von &#173;Trainingsdaten ein, die ihm zuvor gefehlt &#173;hatten, um seine KI weiterzuentwickeln. Der Augsburger &#173;Professor f&#252;r Informatik hat ein Startup gegr&#252;ndet, das Emotionen in menschlichen Stimmen erkennt. Das funktionierte schon recht gut, doch f&#252;r manche &#173;Anwendungsf&#228;lle hatte er viel zu wenig Daten. Diese sind aber n&#246;tig, um Systeme k&#252;nstlicher Intelligenz zu trainieren. Im Fall von Schuller braucht es etwa Sprachbeispiele von Menschen und die dazugeh&#246;rige Einsch&#228;tzung anderer Menschen, welche Emotionen hier transportiert werden &#8211; sogenannte &#173;&#8222;annotierte&#8220; Daten. Solche, die Anmerkungen und Erl&#228;uterungen beinhalten. &#8222;Sprachdaten gibt es viele, aber es ist wahnsinnig aufwendig und teuer, annotierte Sprachdaten zu bekommen&#8220;, erkl&#228;rt Schuller. <p>Also hat er zu einem ungew&#246;hnlichen Mittel gegriffen: Er nutzte ein tiefes neuronales Netz, das auf Emotionserkennung in Musik trainiert war, und lie&#223; es die Stimmung von verschiedenen Ger&#228;uschen erkennen. Schlie&#223;lich empfinden wir Menschen manche Ger&#228;usche wie etwa Vogelgezwitscher als angenehm, T&#246;ne wie Autol&#228;rm dagegen als unangenehm. Und er griff auf Netze zur&#252;ck, die auf menschliche Stimmungen bei Ger&#228;uschen &#8211; Verkehrsl&#228;rm negativ, Vogelgezwitscher positiv &#8211; trainiert waren, und f&#252;tterte sie mit seinen Sprachdaten: Tats&#228;chlich waren diese Netze recht gut darin, Emotionen in Sprachdaten zu erkennen. &#8222;Wir imitieren mit der Stimme offenbar Dinge, die wir in der Natur wahrnehmen.&#8220; Allein mit dieser Mischung aus Ger&#228;usch&#173;erkennung und Sprachdaten erzielte Schuller relativ schnell hohe &#173;Erkennungsraten von um die 70 Prozent. &#8222;Die Community war ziemlich &#173;erstaunt&#8220;, berichtet Schuller grinsend.</p><p>Unternehmen und Wissenschaftler verbinden derzeit sehr &#173;gro&#223;e Hoffnungen mit dem Transfer Learning: Er beschreibt die Methode, vortrainierte Modelle aus anderen Zusammenh&#228;ngen zu nutzen, um eine <a alt=„Weitere News zu K&#252;nstliche Intelligenz“ title=„Weitere News zu K&#252;nstliche Intelligenz“ href=„https://t3n.de/tag/kuenstliche-intelligenz“>k&#252;nstliche Intelligenz</a> zu verbessern. Diese Methode scheint die L&#246;sung f&#252;r eines der gr&#246;&#223;ten Probleme zu sein, die KI mit sich bringt, wenn sie ins reale Leben vordringt und ihre Marktf&#228;higkeit beweisen will: die Trainingsdaten. Schuller, der seit 17 Jahren in diesem Bereich arbeitet, wei&#223;: &#8222;Der Flaschenhals sind immer die &#173;Daten.&#8220;</p> <h2>Neuronale Netze und die Inselbegabung</h2> <p>Transfer Learning basiert auf Deep Learning. Diese moderne Methode des maschinellen Lernens hat verschiedene Schichten als Grundlage, auf denen die Neuronen Informationen weitergeben: In der Bild&#173;erkennung beispielsweise erlernen die Netze in den ersten Schichten Linien, sp&#228;ter Ecken, dann irgendwann Farben und ausgefeiltere Formen &#8211; und erst in den obersten Schichten wird die Entscheidung getroffen, was auf einem Bild zu sehen ist. Doch ein bekanntes &#173;Problem von maschinellem Lernen ist, dass die Netze meist nur sehr spezifische Probleme l&#246;sen k&#246;nnen &#8211; n&#228;mlich jene, auf die sie trainiert wurden. Auch wenn der Begriff &#8222;neuronale Netze&#8220; an Vorg&#228;nge im menschlichen Gehirn angelehnt ist, funktioniert das Lernen offenbar ziemlich anders: Menschen sind eher Generalisten, w&#228;hrend neuronale Netze sehr konkrete Probleme l&#246;sen k&#246;nnen &#8211; das allerdings oft besser als Menschen.</p> <p>Meist funktionieren die Netze nur in jener Dom&#228;ne gut, in der sie auch trainiert wurden. Da sie obendrein sehr viele Trainingsdaten brauchen, die Menschen annotiert haben m&#252;ssen, sind sie recht teure, spezifische Probleml&#246;ser. Transfer Learning k&#246;nnte hier Abhilfe schaffen.</p> <p>&#8222;In der Bilderkennung funktioniert Transfer Learning schon recht gut&#8220;, sagt auch Zbigniew Jerzak, Leiter Machine Learning Research bei SAP. Beispielsweise f&#252;r einen Service, der Produkte klassifizieren soll f&#252;r einen Kunden, der Retouren automatisch richtig einordnen will. &#8222;Doch daf&#252;r braucht man viele Bilder von jedem Produkt, w&#228;hrend der Hersteller meist nur genau eines im Katalog hat.&#8220; Daf&#252;r habe sich Transfer Learning auf der Basis frei verf&#252;gbarer Bilddatenbanken aus der Wissenschaft bew&#228;hrt. Auch wenn auf diesen keine Computer oder Smartphones zu &#173;sehen sind, sondern Hunde, Katzen, B&#228;ume oder H&#228;user, helfen sie dem Netz, eben jene technischen Ger&#228;te des Kunden zu er&#173;kennen. &#8222;Das Modell entwickelt dabei ein Verst&#228;ndnis, wie die Welt aussieht&#8220;, erkl&#228;rt Jerzak.</p> <p>Am Ende m&#252;sse es nat&#252;rlich noch h&#228;ndisch angepasst werden an den Anwendungsfall. &#8222;Man radiert die allerletzte Ebene des Netzes aus, l&#228;sst die grundlegenden Konzepte drin und trainiert das System dann auf neuen Daten.&#8220; Daf&#252;r brauche es aber dann entsprechend weniger Trainingsdaten, da es die Grundlagen ja schon gelernt habe. &#8222;Das ist vergleichbar damit, wie ein Mensch lernt, sich in der Umwelt zu bewegen&#8220;, so Jerzak. &#8222;Sie k&#246;nnen sich ja auch auf einem Schiff zurechtfinden, auch wenn Sie sich bislang nur in H&#228;usern bewegt haben.&#8220;</p> <p>Die Technologie kam SAP gerade recht, denn auch das Unternehmen hatte bemerkt, dass genau jene F&#228;lle, f&#252;r die k&#252;nstliche &#173;Intelligenz gut geeignet ist, gleichzeitig ein Problem mit sich bringen: Es sind Spezialf&#228;lle, sehr spezifische Anwendungsf&#228;lle wie zum Beispiel die automatische Erkennung eines konkreten Produktes eines Unternehmens. Das bedeutet, es gibt in der &#173;Regel wenig Trainingsdaten &#8211; es braucht aber viele, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. &#8222;Wir machen seit 45 Jahren nichts anderes, als Gesch&#228;ftsprozesse in Software zu gie&#223;en&#8220;, so Jerzak. Viele dieser Prozesse sind sehr &#228;hnlich &#8211; jeder verkauft schlie&#223;lich irgendein Produkt oder eine Dienstleistung und muss abrechnen. Doch gerade jene Probleme, die sich bisher nicht so gut automatisieren lie&#223;en, sind f&#252;r das &#173;maschinelle Lernen geeignet: &#8222;Machine Learning hilft da, wo Standardsoftware Probleme hat.&#8220;</p> <h2>Meist zu wenig Daten verf&#252;gbar</h2> <p>Jerzak f&#252;hrt das Beispiel einer Rechnung an: Wenn ein Kunde Tausende Lieferanten hat, sieht die Rechnung bei jedem ein bisschen anders aus. Von wem kommt sie? Wo steht der Betrag, wo das gelieferte Produkt? &#8222;K&#252;nstliche Intelligenz kann hier helfen, diese Prozesse sauberer und schneller abzuwickeln.&#8220; Denn &#173;maschinelles Lernen ist flexibler als klassische, nach Regeln programmierte Software. Allerdings gibt es auch hier das Problem mit den Trainingsdaten: &#8222;Wir haben meist nur wenige annotierte Beispiele oder es ist kostenintensiv, diese vorzubereiten. Hier ist Transferlernen eine Kr&#252;cke.&#8220;</p> <p>Sowohl Schuller als auch Jerzak sind zwar &#252;berzeugt, dass &#173;Transfer Learning gerade f&#252;r die Unternehmen ein riesiges &#173;Potenzial bietet, um KI-Systeme konkret einsetzen zu k&#246;nnen. Das Potenzial muss aber erst noch erschlossen werden. In der Textverarbeitung k&#246;nnen transfer-learning-basierte &#173;Systeme etwa mittels Wikipedia-Daten vortrainiert werden, erkl&#228;rt Jerzak: &#8222;Das hilft ihnen, zu verstehen, was ein Verb ist, was eine Person und so weiter. Das kann ich in den Businesskontext einbetten und auf dieser Grundlage lernen, was ein Nutzer ist und was ein &#173;Produkt.&#8220; Ein solches System lerne schneller und genauer. Bei visuellen Systemen sei dieses &#8222;Abschneiden&#8220; der letzten Ebenen noch einfacher, da sich die Abstraktionsebenen besser anschauen lie&#223;en als bei anderen Daten. &#8222;Es ist immer die entscheidende Frage: Was lasse ich das System vergessen und was nicht?&#8220; Doch auch wenn er der Meinung ist, dass Transfer Learning &#8222;super funktioniert&#8220;, so sei es doch eine Sache der Erfahrung: &#8222;Wir haben Jahre in die Entwicklung gesteckt &#8211; und man wei&#223; nie, ob es am Ende funktioniert.&#8220;</p> <p>Auch Schuller best&#228;tigt, dass Transfer Learning viel mit Ausprobieren zu tun habe. Das hat er ausgiebig getan und vor allem eines gelernt: Die Probleme m&#252;ssen nicht unbedingt sehr &#228;hnlich sein &#8211; zumindest nicht aus menschlicher Perspektive &#8211; und es scheint nicht intuitiv zu sein, welche Probleme &#228;hnlich genug sind oder von welchen aufeinander aufbauend gelernt werden kann. So hat Schuller &#8211; angestachelt von seinen Erfolgen im Transfer Learning &#8211; schlie&#223;lich sogar ein Netz aus der Bilderkennung genutzt, um Sprachdaten auszuwerten. &#8222;Das hat mich selbst ein wenig &#252;berrascht, dass das funktioniert hat. Es war ja eine drastisch andere Dom&#228;ne.&#8220; Schuller und seine Kollegen haben daf&#252;r das Audiosignal als Spektrum abgebildet und die Energie in den Frequenzen als dritte Dimension in den Farben Gr&#252;n und Blau codiert. &#8222;Die funktionierten am besten, wahrscheinlich weil Gr&#252;n und Blau auch auf vielen Bildern vorkommen&#8220;, sagt Schuller, &#8222;als Himmel und Landschaft.&#8220;</p> <div id=„vgWortPixel“ class=„c3“><img class=„vgWortPixel“ src=„https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/e15447556d5f4b17a55cadf4e694fbfc“ width=„1“ height=„1“ alt=„“/></div> </html>

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