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Bürgerrechtsorganisation warnt: Online-Werbung als „ernstes Sicherheitsrisiko“

Originalartikel

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<html> <header class=„entry-header“><div class=„entry-excerpt“><p>Das Online-Werbesystem ist eine Goldgrube f&#252;r Geheimdienste und andere b&#246;sartige Akteure. Zu diesem Schluss kommt die irische Nichtregierungsorganisation ICCL in einer neuen Untersuchung. Vermeintlich harmlose Werbedaten k&#246;nnten nicht nur nach Russland und China abflie&#223;en, sondern auch zur Erpressung genutzt werden.</p></div><div class=„entry-meta“><time class=„published dt-published posted-on“ datetime=„2023-11-19T16:08:30+00:00“>19.11.2023 um 16:08 Uhr</time> - , - in <a href=„https://netzpolitik.org/category/datenschutz/“ class=„category“>Datenschutz</a> - <a href=„https://netzpolitik.org/2023/buergerrechtsorganisation-warnt-online-werbung-als-ernstes-sicherheitsrisiko/#respond“>keine Erg&#228;nzungen</a></div></header><figure class=„wp-caption entry-thumbnail“><img width=„860“ height=„484“ src=„https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-860x484.jpg“ class=„attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image“ alt=„Seitenaufnahme von H&#228;nden, die einen Laptop nutzen und tippen.“ srcset=„https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-860x484.jpg 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-380x214.jpg 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-1200x675.jpg 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-660x372.jpg 660w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2023/11/glenn-carstens-peters-npxXWgQ33ZQ-unsplash-160x90.jpg 160w“ sizes=„(max-width: 860px) 100vw, 860px“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„wp-caption-text“>Alles andere als harmlos: Die unkontrollierten Datenfl&#252;sse der Werbewelt &#8211; <a class=„“ rel=„license“ target=„_blank“ href=„https://unsplash.com/license“>Gemeinfrei-&#228;hnlich freigegeben durch unsplash.com</a> <a href=„https://unsplash.com/de/fotos/macbook-pro---npxXWgQ33ZQ“>Glenn Carstens Peters</a></figcaption></figure><div class=„entry-content“><p>Wenn es um die Risiken von Online-Werbung geht, dann ist oft die Rede von Manipulation und Diskriminierung, manchmal auch von Spam und Desinformation. Die Irish Council for Civil Liberties (ICCL) f&#252;gt der Liste an Gefahren nun drei weitere hinzu, die bislang weniger im Fokus der &#214;ffentlichkeit stehen: Erpressung, Rufsch&#228;digung und Hackerangriffe. Der unkontrollierte Datenhandel auf Werbemarktpl&#228;tzen im Internet sei insgesamt eine Gefahr f&#252;r die nationale Sicherheit.</p><p>Zu diesem Schluss kommt die irische B&#252;rgerrechtsorganisation in einer <a href=„https://www.iccl.ie/2023/new-iccl-reports-reveal-serious-security-threat-to-the-eu-and-us/“>neuen Untersuchung</a>. Das derzeitige Werbesystem sorge f&#252;r eine bislang versteckte Sicherheitskrise, denn b&#246;sartige Akteur:innen k&#246;nnten &#252;ber Werbeplattformen nicht nur GPS-Daten und Verhaltensmuster, sondern auch die sexuelle Orientierung, Gesundheitsinformation, den &#246;konomischen Status und sogar m&#246;gliches Suchtverhalten von Zielpersonen ermitteln.</p><p>Der Werbemarkt sei &#8222;eine Goldgrube an Erkenntnissen&#8220; f&#252;r Geheimdienste und nichtstaatliche Akteure, so der Bericht. &#8222;Die Federal Trade Commission der USA, die europ&#228;ischen Datenschutzbeh&#246;rden und die EU-Kommission m&#252;ssen dringend handeln&#8220;, appelliert Johnny Ryan von der ICCL. Man d&#252;rfe es der Werbeindustrie nicht erlauben, Politik und Milit&#228;rpersonal zu gef&#228;hrden.</p><h3>Zielgruppe: Angestellte von Milit&#228;r und R&#252;stungskonzernen</h3><p>F&#252;r die Studie hat die ICCL gemeinsam mit dem Wiener Tracking-Forscher unter anderem die Angebotslisten von Werbemarkpl&#228;tzen untersucht. Im &#214;kosystem des Targeted Advertising k&#246;nnen Werbetreibende ihre Zielgruppe aus hunderttausenden verschiedenen Kategorien ausw&#228;hlen. Erst in diesem Jahr hatte netzpolitik.org gemeinsam mit dem US-Medium The Markup aufgedeckt, dass der zu Microsoft geh&#246;rende Datenmarktplatz <a href=„https://netzpolitik.org/2023/microsofts-datenmarktplatz-xandr-das-sind-650-000-kategorien-in-die-uns-die-online-werbeindustrie-einsortiert/“>mehr als 650.000 Zielgruppensegmente</a> im Angebot hatte.</p><p>Zu den ausw&#228;hlbaren Kategorien z&#228;hlen der Studie zufolge &#8222;Menschen, die beim Milit&#228;r arbeiten&#8220;, &#8222;Menschen, die bei R&#252;stungskonzernen arbeiten&#8220;, Richter:innen, Politiker:innen und andere sicherheitsrelevante Personen in der EU. Wenn jemand Zugriff auf diese Daten hat, kann sie nutzen, um Personen unter Druck zu setzen.</p><p>Wie genau das aussehen kann, verdeutlichen die Autor:innen an einem Beispiel aus den Vereinigten Staaten. 2021 wurde ein Priester mithilfe von Daten <a href=„https://www.pillarcatholic.com/p/pillar-investigates-usccb-gen-sec“>unfreiwillig geoutet</a>, die &#252;ber ihn bei Datenh&#228;ndler:innen erstanden wurden. Der Mann verlor seinen Job. Ein Artikel der Washington Post stellte in diesem Jahr fest, dass eine Gruppe <a href=„https://www.washingtonpost.com/dc-md-va/2023/03/09/catholics-gay-priests-grindr-data-bishops/“>konservativer Katholiken aus Colorado</a> Millionen von Dollar ausgab, um homosexuelle Priester blo&#223;zustellen.</p><h3>Ein Datenleck unbekannten Ausma&#223;es</h3><p>Damit Werbeanzeigen auf Zielgruppen zugeschnitten werden k&#246;nnen, sammeln die beteiligten Firmen riesige Mengen Daten &#252;ber die Online- und Offline-Aktivit&#228;t von Menschen. Wann immer eine Person eine Website oder App nutzt, die Targeted Advertising erm&#246;glicht, findet eine automatisierte Auktion statt. Innerhalb weniger Millisekunden werden in einem Zusammenspiel mehrerer Plattformen die Nutzer:innen von Websites und Apps erkannt und anhand ihrer Eigenschaften als Zielgruppe ausgewiesen. Noch bevor die Website oder App geladen hat, wird der Werbeplatz unter allen Firmen versteigert, die diesen Personen eine Anzeige ausspielen wollen.</p><p>Weil es so schnell ist, wird das Verfahren Real-Time-Bidding (RTB) genannt. Bei jeder Auktion werden RTB-Daten der Nutzer:innen an hunderte Firmen &#252;bertragen. Dazu z&#228;hlen etwa Identifier, Aufenthaltsorte und Uhrzeiten, die es laut ICCL erm&#246;glichen, Personen zu identifizieren. M&#246;glich ist das Ausnutzen von Online-Werbung demnach, weil es in diesem &#214;kosystem kaum Kontrollen gebe, wohin die Daten flie&#223;en und wer an den Auktionen teilnimmt.</p><p>Eine der wichtigsten Schnittstellen im Werbesystem ist Google. Der Studie zufolge l&#228;sst Google auch Unternehmen aus Russland und China am Werbesystem teilnehmen, sodass die Daten auch dorthin flie&#223;en k&#246;nnten. Dem Bericht zufolge ist das ein Anlass zur Sorge, denn die dortigen Gesetze erm&#228;chtigen die Sicherheitsbeh&#246;rden auf die Daten zuzugreifen, sobald sie im Besitz von heimischen Unternehmen sind.</p><p>Auf <a href=„https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/online-werbung-eine-gefahr-fuer-die-nationale-sicherheit-a-cc38259b-8d8b-4529-9ade-5c2921b34249“>Nachfrage des Spiegels widerspricht Google den Vorw&#252;rfen</a>. Die Zusammenarbeit mit Gesch&#228;ftspartner:innen aus Russland sei seit 2022 eingestellt. Zudem w&#252;rden bei den Auktionen keine Informationen &#252;bertragen, die es direkt erm&#246;glichen, konkrete Personen zu identifizieren. Man habe die Gesch&#228;ftsbeziehungen zu Datenh&#228;ndler:innen gek&#252;ndigt, die sich nicht an diese Bedingungen in der Vergangenheit gehalten haben.</p><h3>Advertising Intelligence</h3><p>Dass die im Report skizzierten Risikoszenarien nicht blo&#223;e Theorie sind, das belegen die Autor:innen unter anderem mit dem Beispiel <a href=„https://web.archive.org/web/20231003181009/https:/sovsys.co/wp-content/uploads/2020/04/PATTERNZ-NATIONAL-SECURITY-PATTERN-DETECTION.pdf“>eines &#220;berwachungswerkzeugs namens Patternz</a>. Laut eigenen Angaben der <a href=„http://isasecurity.org/patternz“>israelischen Firma ISA Security</a> mit Hauptsitzt in Kokhav Ya&#8217;ir konnte sie in den letzten f&#252;nf Jahren mithilfe von RTB-Daten 5 Milliarden Nutzer:innenprofile erstellen. Die Datens&#228;tze w&#252;rden unter anderem die GPS-Daten der Zielpersonen und sogar Informationen &#252;ber ihre Kinder enthalten.</p><p>Dass das unkontrollierte Werbesystem ein Sicherheitsrisiko darstellt, darauf wiesen in diesem Jahr bereits mehrere Organisationen hin. Erst k&#252;rzlich ver&#246;ffentlichen Forscher:innen in den USA <a href=„https://netzpolitik.org/2023/gefahr-fuer-nationale-sicherheit-datenhaendler-verscherbeln-daten-von-us-soldaten/“>eine Studie</a>, die darauf aufmerksam macht, wie einfach bei US-Datenh&#228;ndler:innen Informationen &#252;ber Soldat:innen erworben werden k&#246;nnen. Zuvor hatte die israelische Zeitung Haaretz in einem umfassenden <a href=„https://www.haaretz.com/israel-news/2023-09-14/ty-article-magazine/.highlight/revealed-israeli-cyber-firms-developed-an-insane-new-spyware-tool-no-defense-exists/0000018a-93cb-de77-a98f-ffdf2fb60000“>Insider-Bericht aus der Branche der &#220;berwachungsfirmen</a> aufgedeckt, dass einige Akteure das <a href=„https://netzpolitik.org/2023/advertising-intelligence-staatstrojaner-per-online-werbung/“>&#214;kosystem der Online-Werbung bereits lange infiltriert</a> haben. Der Zeitung zufolge nutzen sie es nicht nur f&#252;r das Ausspionieren von Zielpersonen, sogenannte Advertising Intelligence, sondern auch f&#252;r das Ausspielen von Schadsoftware.</p><p>Die ICCL betont in ihrem Bericht, dass nicht immer klar ist, wie sehr die &#220;berwachungsfirmen in ihrer Selbstvermarktung &#252;bertreiben. Dennoch sei das Sicherheitsrisiko, das vom unkontrollierten Online-Werbe-System ausgehe, gravierend. Die Autor:innen sind sich sicher, RTB-Daten erm&#246;glichen ausl&#228;ndischen Staaten und nichtstaatlichen Akteuren die Bewegungen und Online-Aktivit&#228;ten von hochrangigen Zielpersonen zu verfolgen.</p><p>Die B&#252;rgerrechtler:innen fordern deshalb ein entschiedenes Handeln von den USA und Europ&#228;ischer Union. Unter anderem m&#252;ssten sich der Europ&#228;ische Datenschutzausschuss und die EU-Agentur f&#252;r Cybersicherheit des Themas annehmen und Untersuchungen starten.</p></div> </html>

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