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Fahndung: EU-Kommission drängt auf EU-weiten Abgleich von Gesichtsbildern

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<html> <header class=„article-header“><h1 class=„articleheading“>Fahndung: EU-Kommission dr&#228;ngt auf EU-weiten Abgleich von Gesichtsbildern</h1><div class=„publish-info“> Stefan Krempl</div></header><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/2/2/9/2/7/3/shutterstock_719572552.jpg-c01905ae9da6ee38.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/2/2/9/2/7/3/shutterstock_719572552.jpg-c01905ae9da6ee38.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/2/2/9/2/7/3/shutterstock_719572552.jpg-c01905ae9da6ee38.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1500/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/2/2/9/2/7/3/shutterstock_719572552.jpg-c01905ae9da6ee38.jpeg 1500w, https://heise.cloudimg.io/width/2300/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/2/2/9/2/7/3/shutterstock_719572552.jpg-c01905ae9da6ee38.jpeg 2300w“ alt=„“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„akwa-caption“>(Bild:&#160;Neosiam32896395/Shutterstock.com)</figcaption></figure><p><strong>Mit einem Kodex f&#252;r die polizeiliche Zusammenarbeit will die EU-Kommission einen automatisierten Austausch biometrischer Fahndungsfotos erlauben.</strong></p><p>Der Pr&#252;mer Vertrag, der bislang den Austausch etwa von Gen- und Fingerabdruckdaten in der EU regelt, soll erweitert werden. Einbezogen werden d&#252;rfen laut dem am Mittwoch ver&#246;ffentlichten Vorschlag der EU-Kommission f&#252;r einen Kodex f&#252;r die polizeiliche Zusammenarbeit k&#252;nftig auch Fahndungsfotos oder biometrische Lichtbilder in polizeilichen Datenbanken, die eine automatisierte Gesichtserkennung unterst&#252;tzen.</p><p>Die Initiative findet sich im <a href=„https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-regulation-com-2021-784_de“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Entwurf der Kommission f&#252;r eine Verordnung „&#252;ber den automatisierten Datenaustausch f&#252;r die polizeiliche Zusammenarbeit“ [1]</strong></a>, der Teil des <a href=„https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_6645“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>vorgelegten Gesetzespakets [2]</strong></a> ist. Der <a href=„https://www.heise.de/meldung/Minister-einigen-sich-auf-EU-weite-Vernetzung-von-Gen-und-Fingerabdruckdatenbanken-146872.html“><strong>2005 begr&#252;ndete Pr&#252;m-Rahmen [3]</strong></a> soll demnach um Gesichtsbilder von Verd&#228;chtigen und verurteilten Straft&#228;tern sowie um Strafregisterdaten erg&#228;nzt werden.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_&#252;berpr&#252;fung0“>&#220;berpr&#252;fung biometrischen Daten von Nicht-EU-L&#228;ndern</h3><p>Ferner wird dem Plan zufolge auf EU-Ebene ein zentraler Router eingerichtet, an den die nationalen Polizei-Datenbanken angeschlossen werden k&#246;nnen. Damit sollen sich die bisher ben&#246;tigten „zahlreichen Verbindungen zwischen den einzelnen nationalen“ IT-Systemen im Strafverfolgungsbereich er&#252;brigen. F&#252;r Europol ist die Befugnis vorgesehen, die Mitgliedstaaten effizienter zu unterst&#252;tzen. Die Den Haager Polizeibeh&#246;rde soll Daten aus Drittl&#228;ndern mit den Datenbanken der EU-L&#228;nder abgleichen d&#252;rfen, um Straft&#228;ter zu identifizieren, die jenseits der Grenzen der Gemeinschaft bekannt sind.</p><p>Europol werde zu einem integralen Bestandteil des Pr&#252;m-Vertrags, f&#252;hrt die Kommission aus. Die Mitgliedstaaten w&#252;rden auch in die Lage versetzt, die dort gespeicherten biometrischen Daten von Nicht-EU-L&#228;ndern zu &#252;berpr&#252;fen. Insgesamt solle der Ansatz gew&#228;hrleisten, „dass keine L&#252;cken in den von Nicht-EU-L&#228;ndern erhaltenen Daten &#252;ber Kriminalit&#228;t und Terrorismus entstehen“.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_menschliche1“>Menschliche Fachkraft pr&#252;ft Trefferlisten</h3><p>Der Austausch von Gesichtsbildern und polizeilichen Aufzeichnungen zwischen den Mitgliedstaaten erfolge derzeit manuell, begr&#252;ndet die Br&#252;sseler Regierungsinstitution das Vorhaben. Es fehle ein effizientes EU-weites Abgleichverfahren, das die M&#246;glichkeiten zur Identifizierung von T&#228;tern erheblich erh&#246;he. Dabei k&#246;nnten auch verschiedene Identit&#228;ten oder mehrere Straftaten aufgedeckt werden, die von derselben Person in anderen EU-L&#228;ndern begangen wurden.</p><p>K&#252;nftig wird laut der Kommission ein Foto einer unbekannten Person, das etwa eine &#220;berwachungskamera an einem Tatort aufgenommen hat, mit einer Datenbank abgeglichen, die Gesichtsbilder bekannter Personen enth&#228;lt. Die mithilfe biometrischer Gesichtserkennung ausgegebene Trefferliste werde dann von einer menschlichen Fachkraft im anfragenden Mitgliedstaat &#252;berpr&#252;ft. Die Suche k&#246;nne nur im Zusammenhang mit einer bestimmten strafrechtlichen Ermittlung und nach Begehung einer Straftat durchgef&#252;hrt werden.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_einsatz2“>Einsatz K&#252;nstlicher Intelligenz nicht vorgesehen</h3><p>„Ein Abgleich von Gesichtsbildern mit der Allgemeinbev&#246;lkerung findet nicht statt“, unterstreicht die Exekutivinstanz. Auch der Einsatz von K&#252;nstlicher Intelligenz sei nicht vorgesehen. Die Suche erfolge r&#252;ckwirkend. Eine Live-Gesichtserkennung oder biometrische Fernidentifizierung gro&#223;er Personengruppen in &#246;ffentlichen R&#228;umen sei damit nicht m&#246;glich. Es werde auch keine zentrale Datenbank f&#252;r Fahndungsfotos errichtet. Zudem g&#228;lten die „robusten“ Grunds&#228;tze der Datenschutzrichtlinie f&#252;r Polizei und Justiz weiter.</p><p>Einige der Pr&#252;m-Vorschriften &#252;ber die technischen Spezifikationen von Abfragen, Sicherheitsma&#223;nahmen und Kommunikation seien aber „veraltet“, meint die Kommission. Wissenschaft und Technik h&#228;tten sich auf diesem Feld in den vergangenen zehn Jahren erheblich weiterentwickelt. Unterschiedliche nationale Vorschriften und Verfahren f&#252;r das weitere Vorgehen bei einem „Treffer“ k&#246;nnten ferner „zu erheblichen Verz&#246;gerungen beim Informationsaustausch f&#252;hren“.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_warnungen_von3“>Warnungen von B&#252;rgerrechtsorganisationen und Kritikern</h3><p>Vorbereitet hat die Kommission diesen Schritt schon l&#228;nger, <a href=„https://www.heise.de/meldung/BKA-an-Bord-EU-treibt-europaweiten-Abgleich-von-Gesichtsbildern-voran-4516153.html“><strong>indem sie etwa beim Beratungs- und Dienstleistungshaus Deloitte eine Machbarkeitsstudie f&#252;r ein erweitertes Pr&#252;m-Verfahren in Auftrag gab [4]</strong></a>. Die Experten rieten dazu, den Vertrag auf „neue Datenkategorien“ auszudehnen. Der Ministerrat setzte parallel „Fokusgruppen“ zum europaweiten Austausch von Gesichtsbildern ein, die aus Br&#252;ssel eine halbe Million Euro erhielten. Aus Deutschland war das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt. Die Verordnung muss das EU-Parlament und den Rat noch passieren.</p><p>Kritiker bezeichneten das Vorhaben schon damals als hochproblematisch. Mitgliedsl&#228;nder k&#246;nnten das System etwa nutzen, um gezielt politische Gegner zu verfolgen. Durch die geplante zus&#228;tzliche Automatisierung w&#252;rden „wichtige verfahrenstechnische und gerichtliche Schutzma&#223;nahmen“ ausdr&#252;cklich aufgehoben, warnt nun die B&#252;rgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi). Pr&#252;m II berge auch die Gefahr zu verst&#228;rkter Diskriminierung, da die Polizei bestimmte ethnische und marginalisierte Bev&#246;lkerungsgruppen &#246;fters kontrolliere. Jede Gesichtsdatenbank erh&#246;he das Risiko einer biometrischen Massen&#252;berwachung. Oft w&#252;rden in solchen Registern viele Unschuldige gespeichert.</p><p>Mit einer <a href=„https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-directive-com-2021-782_de“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Richtlinie will die Kommission zudem gew&#228;hrleisten [5]</strong></a>, dass Polizeibeamten in einem Mitgliedstaat unter denselben Bedingungen der gleiche Zugang zu Informationen gew&#228;hrt wird wie ihren Kollegen vor Ort. Es sollen rund um die Uhr besetzte zentrale Kontaktstellen eingerichtet werden, um den Austausch &#252;ber die Secure Information Exchange Network Application (SIENA) von Europol zu beschleunigen. Dazu kommt der <a href=„https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-council-recommendation-com-2021-780_de“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Entwurf f&#252;r eine Ratsempfehlung f&#252;r erweiterte operative Eins&#228;tze [6]</strong></a> etwa in Grenzgebieten zwischen EU-L&#228;ndern. Damit sollen etwa gemeinsame Polizeipatrouillen erleichtert und dazu „sichere Kommunikationssysteme“ eingef&#252;hrt werden.</p><p>() </p><hr /><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br /><small><code>https://www.heise.de/-6289814</code></small></p><p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br /><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-regulation-com-2021-784_de</code></small><br /><small><code><strong>[2]</strong>&#160;https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_6645</code></small><br /><small><code><strong>[3]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Minister-einigen-sich-auf-EU-weite-Vernetzung-von-Gen-und-Fingerabdruckdatenbanken-146872.html</code></small><br /><small><code><strong>[4]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/BKA-an-Bord-EU-treibt-europaweiten-Abgleich-von-Gesichtsbildern-voran-4516153.html</code></small><br /><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-directive-com-2021-782_de</code></small><br /><small><code><strong>[6]</strong>&#160;https://ec.europa.eu/home-affairs/proposal-council-recommendation-com-2021-780_de</code></small><br /><small><code><strong>[7]</strong>&#160;mailto:bme@heise.de</code></small><br /></p><p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2021 Heise Medien</em></p> </html>

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