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Missing Link: Das Ende der Preußischen Optischen Telegraphenlinie

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<html> <header class=„article-header“><h1 class=„articleheading“>Missing Link: Das Ende der Preu&#223;ischen Optischen Telegraphenlinie</h1><div class=„publish-info“> Detlef Borchers</div></header><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/6/2/7/3/8/5/6_60_4_4_1big-0b5871d841b6774f.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/6/2/7/3/8/5/6_60_4_4_1big-0b5871d841b6774f.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/6/2/7/3/8/5/6_60_4_4_1big-0b5871d841b6774f.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1167/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/6/2/7/3/8/5/6_60_4_4_1big-0b5871d841b6774f.jpeg 1167w“ alt=„“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„akwa-caption“>Telegrafenstation auf dem Schloss Koblenz (Ausschnitt aus einem Gem&#228;lde von A. Witthof)(Bild:&#160;Mittelrhein-Museum Koblenz, Information: Stadtarchiv Koblenz, P. KLEBER 05/2011, Montage: AH 12/2014)</figcaption></figure><p><strong>Die optische Telegrafie diente Anfang des 19. Jahrhunderts dem Staat Preu&#223;en etwa gegen vermeintlich Aufst&#228;ndische. Die Technik lebte jedoch nur kurz.</strong></p><p>Vor 170 Jahren wurde das letzte Teilst&#252;ck der Preu&#223;ischen Optischen Telegraphenlinie zwischen K&#246;ln und Koblenz eingestellt. Sie war nur 16 Jahre lang in Betrieb, bis sie von der elektromagnetischen Telegrafie abgel&#246;st wurde.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_f&#252;r_die0“>F&#252;r die Sicherung preu&#223;ischer Herrschaft</h3><p><em>„Er zieht durch die Luft, wie das stumme Geheimni&#223; eines Telegraphen, der hoch &#252;ber unseren H&#228;uptern seine Verk&#252;ndigungen den Wissenden mittheilt, w&#228;hrend die Uneingeweihten unten im lauten Marktget&#252;mmel leben und Nichts davon merken, da&#223; ihre wichtigsten Interessen, Krieg und Frieden unsichtbar &#252;ber sie hin in den L&#252;ften verhandelt werden. Sieht Einer von uns in die H&#246;he und ist er ein Zeichenkundiger, der die Zeichen auf den Th&#252;rmen versteht, und warnt er die Leute vor nahendem Unheil, so nennen sie ihn einen Tr&#228;umer und lachen ihn aus.“</em></p><p>Das schrieb Heinrich Heine in seinem vierten Theater-Brief &#252;ber die &#228;lteren franz&#246;sischen optischen <a href=„https://www.heise.de/meldung/Zahlen-bitte-Optische-Telegrafie-mit-196-Zeichen-4059097.html“><strong>Telegraphen der Gebr&#252;der Chappe [1]</strong></a>, doch l&#228;sst sich die Beschreibung ohne weiteres auf die <a href=„http://www.optischertelegraph4.de/stationen/index.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Preu&#223;ische Optische Telegraphenlinie [2]</strong></a> &#252;bertragen, die von 1832 bis 1850 zwischen Berlin und Koblenz existierte. 1833 wurde der Bau der Linie abgeschlossen. Bereits 1832 war die Strecke zwischen Berlin und Magdeburg fertiggestellt und die Ausbildung der Telegrafisten begann. Die vom Milit&#228;rischen Nachrichtenkorps betriebene Linie f&#252;r die „&#220;bermachung“ von Nachrichten &#252;bertrug milit&#228;rische Befehle und Nachrichten von Volksaufst&#228;nden. Sie war besonders wichtig f&#252;r die Sicherung der preu&#223;ischen Herrschaft in der Rheinprovinz, die Preu&#223;en nach dem Wiener Kongress 1815 zugesprochen bekam. Mit Beginn der M&#228;rzrevolutionen von 1848 versuchten die Aufst&#228;ndischen, die Kommunikation zwischen der Rheinprovinz und Berlin zu zerst&#246;ren. Belegt ist der Sturm auf die <a href=„http://www.optischertelegraph4.de/stationen/43/index.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Station 43 in Iserlohn [3]</strong></a> und die Unterst&#252;tzung solcher Aktionen durch Karl Marx und Friedrich Engels.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_fr&#252;he_form_von1“>Fr&#252;he Form von Chatkontrolle</h3><p>Ebenfalls belegt ist eine Depesche aus Berlin nach K&#246;ln, die die Polizei anweist, alle Briefsendungen abzufangen, die an die Adressen von (Mathilde) Anneke, (Andreas) Gottschalk, Marx und Engels geschickt werden. <em>„Hier sind revolution&#228;re Verbindungen entdeckt worden, es kommt zun&#228;chst darauf an, alle Briefe an die Adressen Anecke, Moll, Gottschal, Engel und Marx in C&#246;ln eingehen, anzuhalten und sie an die Adressaten bis auf weitere gerichtliche Bestimmung nicht auszuliefern, indem wahrscheinlich gestern 9 Uhr fr&#252;h ein wichtiger Brief von hier an eine der obigen Adressen abgegangen ist.“</em> Wenn man so will, ist dies eine fr&#252;he Form der Chatkontrolle mit Richtervorbehalt.</p>Bild 1 von 0<h2><a href=„https://www.heise.de/bilderstrecke/bilderstrecke_7309797.html?back=7309752;back=7309752“ title=„Bilderstrecke: Optischer Telegraf (0 Bilder)“><strong>Optischer Telegraf (0 Bilder) [4]</strong></a></h2><a href=„https://www.heise.de/bilderstrecke/bilderstrecke_7309797.html?back=7309752;back=7309752“ title=„Bilderstrecke: Optischer Telegraf (0 Bilder)“><div class=„gallery-inner“><figure><strong><img src=„“ referrerpolicy=„no-referrer“ alt=„image“ /></strong></figure></div>[5]</a><p>Der Preu&#223;ische Optische Telegraph war ein Fl&#252;geltelegraph mit drei jeweils 1,74&#160;m langen Fl&#252;gelpaaren (Indikatoren genannt) in drei Ebenen, die jeweils 16 Stellungen kennen. Einschlie&#223;lich der Nullstellung konnten 16&#215;16&#215;16=4096 Signale dargestellt werden. Ausgehend von Berlin wurden die mindestens 6,30 Meter &#252;ber einer Stationsplattform stehenden 61 Signalmasten bevorzugt auf T&#252;rmen, Bergh&#246;hen, Schl&#246;ssern oder eben Kirchen auf k&#246;niglichen Befehl hin errichtet. Letzteres war gar nicht gern gesehen, denn der laufende Betrieb eines knarrenden und quietschenden Telegraphen st&#246;rte die Andacht erheblich. Die Telegraphen waren von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in Betrieb, lediglich im Sommer gab es im Rheinland eine Mittagspause von 11 bis 14 Uhr, wenn die Luft zu stark flimmerte. Pausen gab es nat&#252;rlich auch bei schlechten Sichtverh&#228;ltnissen. Dann hingen die Depeschen (frz. d&#233;p&#234;cher = die F&#252;&#223;e von Hindernissen befreien) fest. Weil dies im auf dem letzten bzw. ersten Teil der Strecke vom <a href=„https://geschichte.telegrafenberg.de/ereignisse/telegrafenlinie/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Telegrafenberg in Potsdam [6]</strong></a> nach Berlin h&#228;ufiger vorkam, wurde diese Strecke bereits ab 1846 „galvanisch“ mit einer Oberleitung betrieben.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_tausende2“>Tausende Signale und K&#252;rzel f&#252;r Personen</h3><p>In jeder Station arbeiteten mindestens zwei Telegrafisten, die aus dem Milit&#228;rdienst zum 180 Mann starken Nachrichten-Korps gingen. Ein Telegrafist beobachtete st&#228;ndig mit einem Fernglas die Nachbarstation und diktierte die Chiffre, die der zweite Telegrafist in einem Journal dokumentierte, ehe er sie an der eigenen Station einstellte. Anschlie&#223;end wurde die gegen&#252;berliegende Station beobachtet, ob sie das Signal richtig erkannt hatte. Der mit dem Bau der Telegrafenlinie beauftragte <a href=„https://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Etzel_(General,_1784)“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Generalmajor Franz August O'Etzel [7]</strong></a> hatte parallel zum Bau der Stationen zusammen mit Flaggen-Signalisten der preu&#223;ischen Marine ein zweistufiges Codesystem entwickelt. Das erste System der „Telegraphisten-Correspondenz“ bestand aus 50 wichtigen Signalen, die jeder Telegrafist auswendig lernen musste, weil sie f&#252;r die Verst&#228;ndigung der Stationen untereinander gebraucht wurden. So gab es ein Signal „Der Telegrafist kann den Telegrafen verlassen“, ein Signal f&#252;r „Es kommt eine Depesche entgegen“ und eines f&#252;r „schlechte Sicht“. Weitere 2350 Signale etwa f&#252;r Signalersatzteile, die eine Station ben&#246;tigte, waren in dem Chiffrierbuch der Telegrafisten aufgef&#252;hrt. Das entsprechende Chiffrierbuch war von niedriger Geheimstufe, musste aber unter Verschluss gehalten werden.</p><p>Das eigentliche Chriffrierbuch der Nachrichten war den 50 Obertelegafisten vorbehalten und streng geheim. Von ihm hat kein Exemplar &#252;berlebt. Es bestand aus zahlreichen K&#252;rzeln f&#252;r die Namen prominenter Personen, f&#252;r St&#228;dte und L&#228;nder. A4.2 B5.1 C4.2 stand beispielsweise f&#252;r Potsdam. Nur der Name des K&#246;nigs Friedrich Wilhelm&#160;III. bzw.&#160;IV durfte nicht gek&#252;rzt werden und musste mit dem ebenfalls vorhandenen Alphabet ausgeschrieben werden. Ein drittes Chiffrierbuch war f&#252;r Nachrichten, die mit berittener Post ins Ausland gingen.</p><div class=„a-boxtarget a-boxcontent a-inline-textboxcontent a-inline-textboxcontent–horizontal-layout“ data-collapse-target=„“><figure class=„a-inline-textboximage-container“><img alt=„“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/210/q50.png-lossy-50.webp-lossy-50.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/1/3/9/8/8/1/MissingLink-5014ce8c801500e5.jpg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/420/q30.png-lossy-30.webp-lossy-30.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/1/3/9/8/8/1/MissingLink-5014ce8c801500e5.jpg 2x“ class=„c1“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></figure><div class=„a-inline-textboxcontent-container“><p class=„a-inline-textboxsynopsis“>Was fehlt: In der rapiden Technikwelt h&#228;ufig die Zeit, die vielen News und Hintergr&#252;nde neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischent&#246;ne h&#246;rbar machen.</p><ul class=„a-inline-textboxlist“><li class=„a-inline-textboxitem“><a class=„a-inline-textboxtext“ href=„https://www.heise.de/thema/Missing-Link“ title=„Mehr zum Feuilleton“><strong>Mehr zum Feuilleton „Missing Link“ [8]</strong></a></li></ul></div></div><h3 class=„subheading“ id=„nav_nachrichten_mit3“>Nachrichten mit Interpretationsspielraum</h3><p>An der wohl ber&#252;hmtesten Depesche kann man sehen, dass die Nachrichten nicht 1:1 &#252;bertragen wurden, sondern Interpretations-Spielraum lie&#223;en. Nach der blutigen <a href=„https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rzrevolution_1848_in_Berlin“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Niederschlagung der M&#228;rz-Revolution [9]</strong></a> ritt der K&#246;nig Friedrich Wilhelm&#160;IV. am 21. M&#228;rz 1848 unter schwarz-rot-goldener Fahne durch Berlin. Die 200 M&#228;rzgefallenen waren noch nicht begraben, da wurde dieser Ritt propagandistisch ausgeschlachtet und am n&#228;chsten Tag in Extrabl&#228;ttern verbreitet. Die Depesche wurde um 11:30 in Berlin abgeschickt und von der K&#246;lner Zeitung um 15:30 so ver&#246;ffentlicht:</p><p><em>„Nach einer so eben durchgehenden telegraphischen Depesche habe des K&#246;nigs Majest&#228;t die National-Farben Deutschlands gestern angenommen und sich in einer Proclamation, so wie auch m&#252;ndlich dahin ausgesprochen, sich ohne Usurpation an Deutschlands Spitze zu stellen, um schleunigst die Einheit und Unabh&#228;ngigkeit des deutschen Volkes zu bewahren. Seine Majest&#228;ten ritten unter lautem Jubel und unbeschreiblicher Huldigung des Volkes durch die Stadt, und ist in Berlin die Bewegung als beseitigt zu betrachten.“</em></p><p>Die Depesche lief bis Koblenz weiter. Dort hei&#223;t es in der Koblenzer Zeitung um 16:30:</p><p><em>„Gestern hat Seine Majest&#228;t der K&#246;nig die Nationalfarbe Deutschlands angenommen, in einer Proclamation, wie m&#252;ndlich sich ausgesprochen, da&#223; er sich ohne Usurpation an Deutschlands Spitze stellen werde, um dem deutschen Volke Einheit und Unabh&#228;ngigkeit zu bewahren. Se. Majest&#228;t der K&#246;nig ritten durch die Stadt unter lautem Jubel und unbeschreiblichem Enthusiasmus des Volkes. Die Bewegung ist hiernach als beseitigt zu betrachten.“</em></p><h3 class=„subheading“ id=„nav_ein_l&#228;ngerer4“>Ein l&#228;ngerer Satz ben&#246;tigte 3 Stunden</h3><p>In seinem B&#252;chlein „Der optische Telegraf“ bewundert der schwedische Schriftsteller und Philosoph <a href=„https://www.heise.de/hintergrund/Missing-Link-Gegen-Null-Lars-Gustafsson-persoenlich-7274696.html“><strong>Lars Gustafsson [10]</strong></a> die Effizienz des Systems. Nur zwei Minuten habe es gebraucht, bis ein Signal zwischen Berlin und Koblenz hin- und hergewandert sei. Das klingt beeindruckend, bezieht sich aber auf eine ganz spezielle &#220;bermittlung, n&#228;mlich die der „Berliner Zeit“, nach der ganz Preu&#223;en funktionieren sollte. Dreimal pro Woche wurde um 13:00 (im Sommer um 16:00) nach vorheriger Ank&#252;ndigung mit dem Signal B4 das Zeitzeichen nach Koblenz geschickt und lief als B3 innerhalb einer Minute nach Berlin zur&#252;ck. Die Schwarzw&#228;lder Uhren in den 61 Stationen mussten genau auf diese Uhrzeit eingestellt werden. Diese „Berliner Zeit“, an die sich alle preu&#223;ischen Beh&#246;rden halten mussten, sorgte in der Rheinprovinz f&#252;r einigen &#196;rger, war aber wichtig f&#252;r die Kontrolle der Journalb&#252;cher, ob die Weitergabe der optischen Signale funktionierte. In einem Kommunikationskanal ben&#246;tigt jede Synchronisierung etwas Zeit, ist aber notwendig. Jede Gleichzeitigkeit ist dann eine durch den Beobachter bzw. Sender bestimmte Gleichzeitigkeit.</p><p>Die eigentliche &#220;bertragungsgeschwindigkeit der 588 Kilometer langen preu&#223;ischen Linie betrug rechnerisch 15 Minuten f&#252;r einen l&#228;ngeren Satz und dreieinhalb Minuten f&#252;r ein codiertes Wort. Bei besten Bedingungen ben&#246;tigte ein l&#228;ngerer Satz drei Stunden, doch typischer waren Depeschen, die unterwegs pausierten. Eine am 30. Oktober 1840 von K&#246;ln nach Berlin geschickte Depesche schaffte es nach 96 Minuten bis zur Station 29. Am n&#228;chsten Tag lief sie ab 9 Uhr morgens bis zur Station 25, wo wegen schlechter Sicht wieder Sendepause war. Erst um 14 Uhr traf sie in Berlin ein und konnte dort dechiffriert werden. Neben dem Wetter spielte die Rangfolge eine wichtige Rolle. Die h&#246;chste Priorit&#228;t hatten Citissimo-Depeschen, die f&#252;r Milit&#228;rman&#246;ver reserviert waren, gefolgt von Cito-Eilmeldungen, danach folgten „aufgenommene Depeschen“ und schlie&#223;lich gew&#246;hnliche Meldungen. Die schnellste jemals &#252;bermittelte Depesche war ironischerweise eine private, eine Geburtstagsgratulation des Telegrafendirektors O&#8217;Etzel an einen Pfarrer, die in einer halben Stunde mit 22 Worten von Koblenz (Station 61) nach Zitz (Station 9) lief. O&#8217;Etzel hatte kurzerhand die „&#220;bermachung“ privatisiert.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_idee_der5“>Idee der Kommerzialisierung</h3><p>Bei einem Durchsatz von sechs bis sieben Depeschen pro Tag war abseits der mit Cito deklarierten B&#246;rsennachrichten an private oder gar kommerzielle Nachrichten nicht zu denken. Doch hatte Friedrich Wilhelm&#160;III. in der k&#246;niglichen Order zum Bau der Telegrafenlinie die Empfehlung gegeben, zu pr&#252;fen, ob der Handelsstand die Linie nutzen kann „und ob vielleicht durch eine solche Benutzung ein Teil der Unterhaltungskosten gedeckt werden k&#246;nnen.“ Genau das passierte, als die elektromagnetischen Telegrafenlinien die Arbeit der optischen Telegrafen &#252;bernahmen und das letzte Teilst&#252;ck am 12. Oktober 1852 eingestellt wurde. Ab 1849 wurde das milit&#228;rische Nachrichtenkorps aufgel&#246;st, die Telegrafendirektion wurde vom Kriegsministerium zum <a href=„http://hahausen-harz.com/telegrafenlinie.htm“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Handelsministerium [11]</strong></a> verlegt. Nur wenige Telegrafisten schafften es, nach einem ausf&#252;hrlichen Orthografietest in den Telegrafendienst der Post aufgenommen zu werden, die Telegramme statt Depeschen verschickte. Als der &#252;beraus erfolgreiche Erfinder <a href=„https://www.heise.de/hintergrund/Zahlen-bitte-61-Kilometer-die-nicht-Gott-erschuf-Der-erste-Morsetelegraf-7101835.html“><strong>Samuel Morse [12]</strong></a> im Jahre 1856 nach Potsdam kam, um Alexander von Humboldt zu besuchen, stand auf dem Telegrafenberg kein Telegraf mehr. Seit 2009 ist dort wieder ein Nachbau des Signalmastes zu sehen.</p><p>Die meisten Dokumente zur preu&#223;ischen Linie wurden durch einen Brand des Heeresarchivs in Potsdam nach dem Bombenangriff vom 14. April 1945 vernichtet. In noch vorhandenen Dokumenten wie in der Fachliteratur gibt es keinen Hinweis auf betr&#252;gerische Handlungen auf der preu&#223;ischen Strecke. Anders sieht es bei den franz&#246;sischen Telegrafenlinien des Chappe-Systems aus, das 1854 eingestellt wurde. Dort gelang es Fran&#231;ois und Louis Blanc, auf der Telegraphenlinie Tours &#8211; Bordeaux die Nachrichten&#252;bermittlung der B&#246;rsenkurse zu „hacken“ und den Kursnachrichten eigene Zeichen unterzujubeln. Sie waren so ganz im Sinne von Heinrich Heine „Zeichenkundige“ und bauten mit der B&#246;rsenspekulation ein kleines Verm&#246;gen auf. Vom so gewonnenen Geld betrieben <a href=„https://blog.hnf.de/vom-hacker-zum-casinochef/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>die ersten Hacker der Geschichte [13]</strong></a> ein Spielcasino, zun&#228;chst in Paris, dann in Bad Homburg.</p><p>() </p><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><small><code>https://www.heise.de/-7309752</code></small></p><p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><small><code><strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Zahlen-bitte-Optische-Telegrafie-mit-196-Zeichen-4059097.html</code></small><small><code><strong>[2]</strong>&#160;http://www.optischertelegraph4.de/stationen/index.html</code></small><small><code><strong>[3]</strong>&#160;http://www.optischertelegraph4.de/stationen/43/index.html</code></small><small><code><strong>[4]</strong>&#160;https://www.heise.de/bilderstrecke/bilderstrecke_7309797.html?back=7309752;back=7309752</code></small><small><code><strong>[5]</strong>&#160;https://www.heise.de/bilderstrecke/bilderstrecke_7309797.html?back=7309752;back=7309752</code></small><small><code><strong>[6]</strong>&#160;https://geschichte.telegrafenberg.de/ereignisse/telegrafenlinie/</code></small><small><code><strong>[7]</strong>&#160;https://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Etzel_(General,_1784)</code></small><small><code><strong>[8]</strong>&#160;https://www.heise.de/thema/Missing-Link</code></small><small><code><strong>[9]</strong>&#160;https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rzrevolution_1848_in_Berlin</code></small><small><code><strong>[10]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Missing-Link-Gegen-Null-Lars-Gustafsson-persoenlich-7274696.html</code></small><small><code><strong>[11]</strong>&#160;http://hahausen-harz.com/telegrafenlinie.htm</code></small><small><code><strong>[12]</strong>&#160;https://www.heise.de/hintergrund/Zahlen-bitte-61-Kilometer-die-nicht-Gott-erschuf-Der-erste-Morsetelegraf-7101835.html</code></small><small><code><strong>[13]</strong>&#160;https://blog.hnf.de/vom-hacker-zum-casinochef/</code></small><small><code><strong>[14]</strong>&#160;mailto:tiw@heise.de</code></small></p><p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2022 Heise Medien</em></p> </html>

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