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Missing Link: IPv6 – Geheimsache des Bundes

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<html> <header class=„article-header“><h1 class=„articleheading“>Missing Link: IPv6 &#8211; Geheimsache des Bundes</h1><div class=„publish-info“> Monika Ermert</div></header><figure class=„aufmacherbild“><img src=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/shutterstock_1726138858.jpg-51c90651cc4c4e4d.jpeg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/shutterstock_1726138858.jpg-51c90651cc4c4e4d.jpeg 700w, https://heise.cloudimg.io/width/1050/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/shutterstock_1726138858.jpg-51c90651cc4c4e4d.jpeg 1050w, https://heise.cloudimg.io/width/1500/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/shutterstock_1726138858.jpg-51c90651cc4c4e4d.jpeg 1500w, https://heise.cloudimg.io/width/2300/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/shutterstock_1726138858.jpg-51c90651cc4c4e4d.jpeg 2300w“ alt=„Business,,Technology,,Internet,And,Network,Concept.,Ipv6,Abbreviation.modern,Technology,Concept.“ class=„img-responsive“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„akwa-caption“>(Bild:&#160;Den Rise/Shutterstock)</figcaption></figure><p><strong>Der World IPv6 Day war 2011. Zu denen, die sich schon 2010 eigene IPv6-Adressen besorgten, geh&#246;rt auch der Bund. Aber was ist aus den Adresssch&#228;tzen geworden?</strong></p><p>Beim 84. Treffen der Adressverwaltung RIPE k&#252;rzlich in Berlin pr&#228;sentierte Constanze B&#252;rger vom Bundesinnenministerium unter dem Beifall der IP-Experten die IPv6-Pl&#228;ne der Bundesverwaltung. Dual-Stack bis 2025, IPv6 only bis 2030. Die Informatikerin ist seit 2009 quasi Chefin der deutschen Local Internet Registry (LIR) de.government und damit H&#252;terin von rund 33 Milionen IPv6-Subnetzen &#8211; oder auch 8 Milliarden kleineren Subnetzen &#8211; f&#252;r Bund, L&#228;nder und Gemeinden. Ein ganzer als /23 notierter Block der neuen, l&#228;ngeren 128 Bit-Adressen (IPv4 waren 32-Bit Adressen) ist das. Im Laufe der Jahre wurde ein IPv6-Routing-Konzept, ein Leitfaden f&#252;r IPv6-Hard- und Software, mehrere Migrationsleitf&#228;den und zuletzt noch ein IP- und ASN-Handbuch erstellt. Eigentlich schien alles bereit f&#252;r den Umzug, blo&#223; hat der noch nicht stattgefunden.</p><div class=„a-boxtarget a-boxcontent a-inline-textboxcontent a-inline-textboxcontent–horizontal-layout“ data-collapse-target=„“><figure class=„a-inline-textboximage-container“><img alt=„“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/210/q50.png-lossy-50.webp-lossy-50.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/1/3/9/8/8/1/MissingLink-5014ce8c801500e5.jpg“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/420/q30.png-lossy-30.webp-lossy-30.foil1/_www-heise-de_/imgs/71/2/1/3/9/8/8/1/MissingLink-5014ce8c801500e5.jpg 2x“ class=„c1“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></figure><div class=„a-inline-textboxcontent-container“><p class=„a-inline-textboxsynopsis“>Was fehlt: In der rapiden Technikwelt h&#228;ufig die Zeit, die vielen News und Hintergr&#252;nde neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischent&#246;ne h&#246;rbar machen.</p><ul class=„a-inline-textboxlist“><li class=„a-inline-textboxitem“><a class=„a-inline-textboxtext“ href=„https://www.heise.de/thema/Missing-Link“ title=„Mehr zum Feuilleton“><strong>Mehr zum Feuilleton „Missing Link“ [1]</strong></a></li></ul></div></div><p>Diese <a href=„https://www.ripe.net/about-us/press-centre/ipv6-chart_2015.pdf“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Zuteilung des IPv6-Blocks [2]</strong></a> liegt mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt zur&#252;ck. Als Anfang 2020 allerdings die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg h&#246;ren wollte, warum es mit IPv6 trotzdem nicht so richtig vorangegangen war, bekannte sich das Ministerium unter Horst Seehofer ganz entschieden zu den vielen Vorz&#252;gen einer Migration. Zu dem Zeitpunkt hatten die Adressverwalter bereits erkl&#228;rt, <a href=„https://www.heise.de/meldung/Das-war-s-mit-IPv4-Adressen-in-Europa-4596197.html“><strong>dass sie keine IPv4 Adressen mehr haben [3]</strong></a>.</p><p>„Der Betrieb interner Verwaltungsnetzinfrastrukturen wird durch eindeutige Adressierung und den Wegfall von NAT-Gateways transparenter“, hei&#223;t es in der Antwort. „Der Wegfall von NAT und die Nutzung von IPv6 ohne IPv4 in vielen Bereichen f&#252;hrt zu einer deutlich geringeren Komplexit&#228;t beim Netzbetrieb und so zu einer h&#246;heren Cybersicherheit. IPv6 erm&#246;glicht ein effizienteres Routing in den Netzen der &#246;ffentlichen Verwaltung.“</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_desperately0“>Desperately seeking IPv6</h3><p>Doch die <a href=„https://dserver.bundestag.de/btd/19/173/1917389.pdf“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Antworten auf die Kleine Anfrage [4]</strong></a> offenbarten auch, dass die 2009 verk&#252;ndete und 2010 in der „Deutschland Digital Strategie 2015“ festgeschriebene IPv6-Strategie fest steckt. Dem BMI seien keine bereits in der Migration befindlichen IT-Systeme der Bundesverwaltung bekannt. Bei der Software beschr&#228;nke sich die IPv6-F&#228;higkeit im Wesentlichen auf Softwarepakete im Bestand der Bundesverwaltung, „die dies herstellerseitig automatisch als Eigenschaft mitbringen“ oder doch im Rahmen der Neubeschaffung schon explizit mit IPv6-Unterst&#252;tzung eingekauft wurde.</p><p>Wie viel Hardware, Systeme und Infrastrukturbestandteile die l&#228;ngeren Adressen noch nicht unterst&#252;tzen, da musste man passen. Was die anfragende Domscheit-Berg zu einem drastischen Urteil veranlasste: Die Bundesregierung habe keine Ahnung von Status quo und keine verbindlichen Meilensteine, res&#252;mierte die Oppositionspolitikerin.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_netzschlamassel_1“>Netzschlamassel</h3><p>Einer der regelm&#228;&#223;igen, internen Fortschrittsberichte an den Haushaltsausschuss des Bundestages ein Jahr nach Domscheit-Bergs Anfrage wurde viel deutlicher, was die offenbar desolate Lage im Bereich der „Netze des Bundes“ anbelangte.</p><p>Die Bundesanstalt f&#252;r den Digitalfunk der Beh&#246;rden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (<a href=„https://www.bdbos.bund.de/DE/NdB/ndb_node.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>BDBOS [5]</strong></a>), manchem bekannt als Betreiberin des Beh&#246;rdenfunknetzes TETRA, ist seit 2019 f&#252;r den Betrieb der Netze des Bundes (NdB) zust&#228;ndig. In den NdB 1.0 wurden fr&#252;here Netze des Informationsverbunds Berlin-Bonn, des Bundesverwaltungsnetzes und des NdB Vorl&#228;ufers „Deutschland Online Infrastruktur“ (DOI) zusammengef&#252;hrt. Ein Kerntransportnetz (KT-Bund) mit 9600&#160;km Glasfaserstrecken soll als Integrationsplattform, als Backbone, dienen.</p><p>Betrieben wurde letzteres von der Deutschen Telekom, seitdem Verizon 2014 in Folge der Snowden Enth&#252;llungen rausgeworfen wurde. Von der DTAG soll die BDBOS &#252;bernehmen und als hauseigener Betreiber die Souver&#228;nit&#228;t der Infrastruktur absichern.</p><p>Im Fortschrittsbericht von 2021 hei&#223;t es allerdings, dass die BDBOS „zur Sicherstellung eines weichen &#8211; im Sinne eines risikoarmen &#8211; &#220;bergangs &#252;ber einen Zeitraum von zwei Jahren sukzessive die operativen Betriebsaufgaben der DTBS (Deutsche Telekom Business Solutions, d. Red.) &#252;bernimmt und in diesem Zeitraum die Unterst&#252;tzung durch die DTBS entsprechend abschmilzt“. Ganz verzichten auf die DTAG-Unterst&#252;tzung will man vorerst nicht. &#220;berdies geh&#246;rten einzelne Netzanteile in dem in Sprachen, Daten, Video unterteilten Netz noch der DTAG, so die Information. Als Betreiber f&#252;r den operativen Betrieb baut die BDBOS &#252;brigens den TETRA-Netzbetreiber ALDB auf. Die <a href=„https://www.aldb.org/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>ALDB GmbH [6]</strong></a>, die fr&#252;here Alcatel-Lucent Digitalfunk Betriebsgesellschaft, wurde 2019 von der BDBOS &#252;bernommen.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_end_of2“>End of Life-Komponenten</h3><p>Zum Zustand des nun von ihr zu verantwortenden Netzes klagt die BDBOS im Fortschrittsbericht selbst, viele Komponenten in den zusammengef&#252;hrten Netzen h&#228;tten „das Ende ihres Produktlebenszyklus“ erreicht. „Einzelne Komponenten erhalten von den Herstellern keinen Service, beziehungsweise Support mehr und m&#252;ssen daher ersetzt werden, um die Stabilit&#228;t und Sicherheit weiterhin zu gew&#228;hrleisten“, schreibt die Beh&#246;rde. Zugleich sei eine 1:1 Abl&#246;sung von Komponenten gar „nicht zielf&#252;hrend“.</p><figure class=„a-inline-image a-u-inline“><div><img alt=„“ class=„legacy-img“ height=„454“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/696/q85.png-lossy-85.webp-lossy-85.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Stats_IPv6_worldwide-9516aedd9fa98767.png“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/336/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Stats_IPv6_worldwide-9516aedd9fa98767.png 336w, https://heise.cloudimg.io/width/1008/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Stats_IPv6_worldwide-9516aedd9fa98767.png 1008w, https://heise.cloudimg.io/width/1392/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Stats_IPv6_worldwide-9516aedd9fa98767.png 2x“ width=„696“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></div><figcaption class=„a-caption“>IPv6 Statistik weltweit, APNIC, noch nicht ganz geschafft, aber ein gutes St&#252;ck vorangekommen, bei weltweit unterschiedlichen IPv6-Raten.</figcaption></figure><p>Dass sich in den &#252;ber zwei Jahrzehnte und durch mehrere Netzmodernisierungspl&#228;ne gewachsenen Netzen eine ziemlich reichhaltige Mischung an Software, Hardware und vor allem auch Mittelboxen beheimatet sind, ist klar. Nicht zuletzt bringen die Anforderungen an Vertraulichkeit und Einstufung von Kommunikationsverkehren zus&#228;tzliche Komplexit&#228;t in die Netze. Handgestrickte Anpassungen von Routern f&#252;r das Monitoring der Verkehre, Firewalls und die gerade auch durch die wachsende IPv4 Adressknappheit notwendige Netzwerk Address Translation oder Verschl&#252;sselungshardware, wie die guten alten Sina Boxen, bescheren den Netzmanagern viel Anpassungsbedarf. Was tun, wenn die speziell angepasste Routergeneration vom Hersteller nicht mehr unterst&#252;tzt wird? Was, wenn &#228;ltere Modelle der Sina Boxen IPv6 nicht unterst&#252;tzen?</p><p>Die SINA L3 Box S unterst&#252;tzt IPv6 ab der Version 3.7.4, versichert der Sprecher der Secunet in Essen auf Anfrage. Die Version sei seit 2018 freigegeben, also vom Bundesamt f&#252;r Sicherheit in der Informationstechnik mit der notwendigen Zulassung versehen und sie k&#246;nne nat&#252;rlich auch Dual-Stack. Aber auch die Vorg&#228;ngerversionen, etwa die 3.7, haben nach wie vor die BSI Zulassung. Auf der Webseite <a href=„https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Oeffentliche-Verwaltung/Zulassung/SINA/Produkte/produkte.html“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>des BSI gibt es eine lange Liste von SINA Produkten [7]</strong></a>, die eingesetzt werden k&#246;nnen. L&#228;ngst nicht alle sind IPv6 f&#228;hig.</p><p>Wie rasch ausgetauscht wird? „Die Migration wird auf Wunsch des Bedarfstr&#228;gers aktiv durch unsere Beratung unterst&#252;tzt. Die Migrationspfade sind weiterhin bestehend“, hei&#223;t es bei Secunet.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_ipv6_geheim_3“>IPv6 geheim</h3><p>Wie viel Hardware sich Stand 2022 im NdB (Netzwerk des Bundes) noch befindet, die in die IPv6 Welt gerettet werden kann, und wie viel tats&#228;chlich ersetzt werden muss, dar&#252;ber m&#246;chte das f&#252;r die Koordination federf&#252;hrende Bundesministerium des Innern nichts zu Protokoll geben. „Da die von Ihnen erfragte Information eingestuft ist, k&#246;nnen wir Ihnen leider keine Auskunft dazu geben“, so die schriftliche Antwort der Sprecherin.</p><p>Wie sieht es aus mit Ger&#228;ten, f&#252;r die es keinen Support mehr gibt und die dann erhebliche Betreuungs- oder sogar Sicherheitsprobleme machen k&#246;nnen? Auch das ist geheim: „Da die von Ihnen erfragte Information eingestuft ist, k&#246;nnen wir Ihnen leider keine Auskunft dazu geben.“ Gibt es immerhin eine Auskunft, wie weit man sich generell vorangetastet hat im NdB mit IPv6? Ach so: „Da die von Ihnen erfragte Informationen eingestuft sind, k&#246;nnen wir Ihnen leider keine Auskunft dazu geben.“</p><p>Die Frage ist genauso unerw&#252;nscht wie die Nachfrage nach dem <a href=„https://fragdenstaat.de/anfrage/umsetzungeinfuhrung-von-ipv6/531501/anhang/de-government-ipv6-masterplan-v100-entwurf_konvertiert.pdf“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>von Frag-den-Staat freigeboxten Masterplan IPv6 [8]</strong></a>. Domscheit-Berg gegen&#252;ber war von einer ausstehenden Ressort-Beratung bis Ende des Jahres 2020 die Rede. Tats&#228;chlich aber steht im internen Fortschrittsbericht noch 2021 die „Masterplan IPv6“-Abstimmung weiter als unerledigt und merkt an: Aufgrund fehlender Haushaltsmittel und Personalressourcen habe man mit der sukzessiven Umsetzung des Programms zur Konsolidierung der Weitverkehrsnetze (und auch IPv6 Masterplan) noch nicht beginnen k&#246;nnen.</p><p>Statt des Masterplans, der eine Strategie von den Kernnetzen hin zu Clients und Anwendungen bei der Migration bef&#252;rwortete, gab es im November 2020 einen <a href=„https://www.cio.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Bundesbeauftragter-fuer-Informationstechnik/Konferenz_der_IT-Beauftragten_der_Ressorts_Beschluesse/2020_13_Beschluss_Konferenz_IT-Beauftragte.pdf?__blob=publicationFile“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>knappen Beschluss [9]</strong></a> der Konferenz der IT-Verantwortlichen der Ressorts, in dem sie feststellten, dass ein &#252;bergreifender, abgestimmter IPv6 Umsetzungsplan weiterhin fehle. Au&#223;erdem wurde einger&#228;umt, dass die Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Ressorts lediglich „in engen Grenzen stattgefunden“ h&#228;tten.</p><p>Als konkrete n&#228;chste Schritte wurde zugleich entschieden, dass bei der Beschaffung IPv6 k&#252;nftig im Sinn der IPv6-Architekturrichtlinie nicht nur empfohlen, sondern verpflichtend sein solle. Als erste IPv6-Ad-hoc-Ma&#223;nahme wollte man 2022 den IPv6-Client-VPN-Einwahl umsetzen, und schlie&#223;lich sollten alle Ressorts bis Ende 2022 ein Migrationskonzept f&#252;rs eigene Haus erstellen, und im &#252;brigen sollte der Beschluss ver&#246;ffentlicht werden.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_bundescloud4“>Bundescloud erstmal nur auf IPv4</h3><p>Der Stau der Vorhaben bei der Modernisierung der eigenen Netze hat Konsequenzen f&#252;r davon abh&#228;ngige Pl&#228;ne. So geht die neue Bundescloud am 1. Juli erst einmal ohne IPv6 an den Start, best&#228;tigt Carsten Br&#252;ckner vom Informatiktechnikzentrum Bund (ITZBund) am Rande der RIPE-Tagung. Aktuell nutzen 50 Beh&#246;rden einen Teil der Bundeslcoud-Dienste.</p><p>Am 1.7. 2022 schlie&#223;t man 13 Beh&#246;rden an eine separate Bundescloud-Instanz unter dem Namen „Betriebsplattform Bund“ an. Im kommenden Jahr sollen 18 weitere dazu kommen und bis 2028 plant man, insgesamt 73 Beh&#246;rden mit Infrastructure, Platform und Software as a Service in einer einheitlichen Umgebung via unterschiedlicher Cloudanbieter zu versorgen.</p><figure class=„a-inline-image a-u-inline“><div><img alt=„“ class=„legacy-img“ height=„390“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/696/q85.png-lossy-85.webp-lossy-85.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/IPv6_fuer_alle_SubLIRS_in_de-64670327922cf2de.png“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/336/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/IPv6_fuer_alle_SubLIRS_in_de-64670327922cf2de.png 336w, https://heise.cloudimg.io/width/1008/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/IPv6_fuer_alle_SubLIRS_in_de-64670327922cf2de.png 1008w, https://heise.cloudimg.io/width/1392/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/IPv6_fuer_alle_SubLIRS_in_de-64670327922cf2de.png 2x“ width=„696“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></div><figcaption class=„a-caption“>Der Datenaustausch zwischen Bund und L&#228;nder erfolgt &#252;ber zusammengeschaltete Netze.</figcaption></figure><p>Die Nutzung von IPv6 scheitere vorerst daran, dass die Weitverkehrsnetze die neuen Adressen eben noch nicht anbieten. Das bedeutet, dass man mit IPv4 starten und die Cloud sp&#228;ter auf IPv6, beziehungsweise Dual-Stack migrieren muss.</p><p>In Eigenregie startet das ITZBund im Januar 2023 dann aber auch noch ein Sisyphos-Projekt anderer Art: die Pr&#252;fung von rund 1500 Anwendungen aus dem Umfeld der Bundesbeh&#246;rden auf ihre IPv6-F&#228;higkeit.</p><p>Das ITZBund wurde urspr&#252;nglich vom Bundesministerium f&#252;r Finanzen gegr&#252;ndet und ist seit 1.1.2021 eine Anstalt des &#214;ffentlichen Rechts wie die BDBOS. Wie letztere stand auch das ITZBund als m&#246;gliche Betreiberin der Netze des Bundes zur Diskussion. Dritter Bewerber war das Bundesverwaltungsamt, und es gibt Stimmen, die die Entscheidung f&#252;r BDBOS r&#252;ckblickend f&#252;r problematisch halten.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_adress_kollision5“>Adress-Kollisionen</h3><p>Fragt man beim Bundesinnenministerium nach, gibt es noch kein Problem durch die verz&#246;gerte Einf&#252;hrung der neuen IP-Adressen. „Der f&#252;r die Bundesbeh&#246;rden vorgesehene Adressvorrat des derzeit noch vorherrschenden Internet-Protokolls IPv4 ist bei der zentralen Instanz f&#252;r die Vergabe von IP-Adressen nahezu ersch&#246;pft, eine Migration in das Internet-Protokoll IPv6 daher f&#252;r die Bundesbeh&#246;rden wie auch alle anderen Stellen der &#246;ffentlichen Verwaltung in Deutschland geboten“, so die Sprecherin des Ministeriums. Weil man 2009 bei der zust&#228;ndigen europ&#228;ischen Adressvergabeinstanz RIPE NCC einen ausreichend gro&#223;en IPv4-Adressraum f&#252;r die gesamte &#246;ffentliche Verwaltung Deutschlands beantragt habe, sei eine Adressknappheit abgewendet.</p><p>Aus Sicht von Helge Holz, Netzwerkexperte des IT-Dienstleisters <a href=„https://www.dataport.de/was-wir-tun/netze/“ rel=„external noopener“ target=„_blank“><strong>Dataport [10]</strong></a>, gibt es in der Praxis durch die L&#228;nder und St&#228;dte sehr wohl Probleme mit fehlenden IPv4-Adressen. Wer sich nicht noch IPv4-Adressbl&#246;cke &#252;ber das RIPE beschafft habe, bevor dort der Pool leerlief, bei dem seien die Adressen jetzt knapp. Sachsen habe beim Bund angeklopft, um noch an Adressen zu kommen. B&#252;rger habe zugleich beim RIPE nachgefragt, ob zur&#252;ckkommende Adressen, die urspr&#252;nglich von der &#246;ffentlichen Hand genutzt wurden, dem Bund wieder zur Verf&#252;gung gestellt werden k&#246;nnten.</p><p>Viel schneller, als man dies in den L&#228;ndern erwarte, w&#252;rden Rest-Zuteilungen oder noch vorhandene Reserven knapp. Wenn von einem kleinen Block schnell 1000 Adressen an die Schulen ausgegeben w&#252;rden, und nur 1024 zur Verf&#252;gung standen, gibt es nichts mehr zu verteilen. In Hamburg, wo man mit einem Class&#160;B gut versorgt schien, merkte man pl&#246;tzlich, wie schnell die Adressen zur Neige gingen, als alle Verwaltungen mit Computern und Druckern ausgestattet werden sollten. Auch hier musste man im Client-Bereich auf die privaten 10er-Adressen zur&#252;ckgreifen.</p><p>Als N&#228;chstes werde dann zu privaten, internen IPv4-Adressen aus dem daf&#252;r vorgesehenen 10.0.0.0 bis 10.255.255.255 (*10*/8 Pr&#228;fix) und 172.16.0.0 bis 172.31.255.255 (172.16/12 Pr&#228;fix) zur&#252;ckgegriffen. Sobald sich die entsprechenden Landesverwaltungen, Gebietsk&#246;rperschaften oder Kommunen dann aber etwa im gemeinsamen Rechenzentrum &#8211; Dataport betreibt zwei solche f&#252;r mehrere L&#228;nder &#8211; treten die Adresskonflikte zu Tage. Wenn das BKA dann etwa m&#246;chte, dass ein LKA auf einen hinter einer 172.16-Adresse stehenden Videoserver des Amtes zugreift, geht das nicht.</p><p>Holz sch&#228;tzt, dass die Kernnetze selbst bei der Umstellung nicht das gro&#223;e Problem verursachen sollte. In den von Dataport betriebenen landes&#252;bergreifenden Zugangsnetz mit 2700&#160;km Glasfaser ist Ipv6 bereits eingezogen. Die vielen Spezialanwendungen seiner Tausenden von Kunden halten ihn mehr auf Trab. Er geh&#246;rt &#252;berdies zu denen, die mit dem BDBOS nicht ganz zufrieden sind. Oft w&#252;rden Anfragen etwa auf die Zuteilungen von de.government-IPv6-Adressen, so sagt er, schlicht nicht beantwortet.</p><h3 class=„subheading“ id=„nav_megaprojekt6“>Megaprojekt machbar in de?</h3><p>Mehrere hundert Millionen sind in die Konsolidierung und Modernisierung &#8211; man sollte wohl sagen die Planung der Modernisierung &#8211; geflossen. Auch der Bundesrechnungshof hat sich die IT-Projektsteuerung des Bundes schon mehrfach, zuletzt im April, zur Brust genommen und gemahnt. Seit 2008 ist man an der Arbeit und doch kommt &#8211; nicht nur im Fall IPv6 &#8211; das moderne neue Netz des Bundes nicht so recht voran.</p><p>Mehraufw&#228;nde, auch durch Krisen wie Corona, die Unm&#246;glichkeit, die zugesagten Stellen mit fachlich qualifiziertem Personal zu besetzen und nacheinander noch &#252;bertragene Zusatzprojekte, etwa eine Art Extranet f&#252;r &#246;ffentliche Kunden, die bei den hohen Verschl&#252;sselungsanforderungen nicht mitziehen k&#246;nnen &#8211; all das erschwere die Arbeit, begr&#252;ndet die BDBOS das Schneckentempo. Die vielen arch&#228;ologischen Schichten, die in den zusammengef&#252;hrten Netzen abzutragen sind, sind sicher eine Herausforderung.</p><p>„Fackeln und Mistgabeln“ w&#228;ren in gewisser Weise die einfachere L&#246;sung, sagt IPv6-Experte Gert D&#246;ring verschmitzt, was zu tun w&#228;re. „Kleine Teams, die das Projekt federf&#252;hrend und hauptverantwortlich durchziehen“, kann sich sein Kollege Benedikt Stockebrand vorstellen. F&#252;r beide ist klar, der wachsende Pflegeaufwand f&#252;r &#228;ltere, komplex hinter Firewalls und NAT verschachtelte Netze wird immer teurer &#8211; am Ende k&#246;nnten sich die Kosten als harter Treiber f&#252;r den Umstieg erweisen.</p><p>Jenseits der technischen Schwierigkeiten gibt es aber den Layer9, Politik und Religion. Das Beispiel Ressortabstimmung Masterplan IPv6 verweist zugleich auf Schwierigkeiten der Ministerien, konstruktiv an einem Strang zu ziehen.</p><figure class=„a-inline-image a-u-inline“><div><img alt=„“ class=„legacy-img“ height=„389“ src=„https://heise.cloudimg.io/width/696/q85.png-lossy-85.webp-lossy-85.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Elster-29354e811c0bfe46.png“ srcset=„https://heise.cloudimg.io/width/336/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Elster-29354e811c0bfe46.png 336w, https://heise.cloudimg.io/width/1008/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Elster-29354e811c0bfe46.png 1008w, https://heise.cloudimg.io/width/1392/q70.png-lossy-70.webp-lossy-70.foil1/_www-heise-de_/imgs/18/3/5/5/4/9/1/2/Elster-29354e811c0bfe46.png 2x“ width=„696“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></div><figcaption class=„a-caption“>Die Erfassung der Steuern &#252;ber Elster erfolgt heute zu 52 Prozent &#252;ber IPv6.</figcaption></figure><p>Projekte wie der Berliner Flughafen BER oder die Investitionen in eine Bundeswehr, die dann als nicht verteidigungsf&#228;hig bezeichnet wird, werden von kritischen Stimmen als Parallelen bem&#252;ht. M&#252;ssen Gro&#223;projekte hierzulande scheitern?</p><p>Beim RIPE84 Treffen in Berlin verweist LIR Chefin B&#252;rger auf eine echte Success-Story, die zeigt, es bewegt sich doch etwas. Die Erfassung der Steuern &#252;ber Elster erfolgt heute zu 52 Prozent &#252;ber IPv6. Ein Mitarbeiter der Bayerischen Finanzverwaltung hatte sich des Themas angenommen und bis 2020 durchgezogen. Dass bereits mehr Zugriffe &#252;ber IPv6 erfolgen, liegt nicht zuletzt daran, dass gro&#223;e Netzbetreiber wie die DTAG ihre Endkunden ziemlich still und leise auf IPv6 migriert haben. Die Zahlen legen nahe, IPv6 hat es im Feld fast geschafft. Der vor &#252;ber einer Dekade als Pionier gestartete Bund m&#252;sste einfach mal nachziehen.</p><p>() </p><hr /><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br /><small>

https://www.heise.de/-7131561

</small></p><p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br /><small>

<strong>[1]</strong>&#160;https://www.heise.de/thema/Missing-Link

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<strong>[2]</strong>&#160;https://www.ripe.net/about-us/press-centre/ipv6-chart_2015.pdf

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<strong>[3]</strong>&#160;https://www.heise.de/meldung/Das-war-s-mit-IPv4-Adressen-in-Europa-4596197.html

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<strong>[4]</strong>&#160;https://dserver.bundestag.de/btd/19/173/1917389.pdf

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<strong>[5]</strong>&#160;https://www.bdbos.bund.de/DE/NdB/ndb_node.html

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<strong>[6]</strong>&#160;https://www.aldb.org/

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<strong>[7]</strong>&#160;https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Oeffentliche-Verwaltung/Zulassung/SINA/Produkte/produkte.html

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<strong>[8]</strong>&#160;https://fragdenstaat.de/anfrage/umsetzungeinfuhrung-von-ipv6/531501/anhang/de-government-ipv6-masterplan-v100-entwurf_konvertiert.pdf

</small><br /><small>

<strong>[9]</strong>&#160;https://www.cio.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Bundesbeauftragter-fuer-Informationstechnik/Konferenz_der_IT-Beauftragten_der_Ressorts_Beschluesse/2020_13_Beschluss_Konferenz_IT-Beauftragte.pdf?__blob=publicationFile

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<strong>[10]</strong>&#160;https://www.dataport.de/was-wir-tun/netze/

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<strong>[11]</strong>&#160;mailto:bme@heise.de

</small><br /></p><p class=„printversion__copyright“><em>Copyright &#169; 2022 Heise Medien</em></p> </html>

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