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Polizei und KI: Vom Iris-Scan bis zum automatischen Aufstandsmelder

Originalartikel

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<html> <header class=„entry-header“><div class=„entry-excerpt“><p>Ein Europol-Bericht zur polizeilichen Nutzung sogenannter KI gibt Einsichten in Gegenwart und Zukunft der Ermittlungsarbeit. Er zeigt, was europ&#228;ische Polizeien k&#246;nnen und was sie k&#246;nnen wollen.</p></div><div class=„entry-meta“><time class=„published dt-published posted-on“ datetime=„2024-09-25T08:21:35+00:00“>25.09.2024 um 08:21 Uhr</time> - - in <a href=„https://netzpolitik.org/category/ueberwachung/“ class=„category“>&#220;berwachung</a> - <a href=„https://netzpolitik.org/2024/polizei-und-ki-vom-iris-scan-bis-zum-automatischen-aufstandsmelder/#respond“>keine Erg&#228;nzungen</a></div></header><figure class=„wp-caption entry-thumbnail“><img width=„860“ height=„484“ src=„https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-860x484.png“ class=„attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image“ alt=„Mensch schaut auf Bildschirme.“ srcset=„https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-860x484.png 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-380x214.png 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-1200x675.png 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-660x372.png 660w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2024/09/netzpolitik.org_Europol_wants_to_use_AI-driven_Videoanalysis_-_4039158d-4d5c-40a6-8863-9d6510426fc6-160x90.png 160w“ sizes=„(max-width: 860px) 100vw, 860px“ referrerpolicy=„no-referrer“ /><figcaption class=„wp-caption-text“>Das kommt heraus, wenn man KI nach einem Bild KI-gest&#252;tzter Video&#252;berwachung fragt. &#8211; Public Domain Midjourney</figcaption></figure><div class=„entry-content“><p>Die europ&#228;ische Polizeibeh&#246;rde Europol, die die nationalen Polizeien koordiniert, hat einen <a href=„https://www.europol.europa.eu/cms/sites/default/files/documents/AI-and-policing.pdf“>Bericht</a> zum Einsatz von sogenannter K&#252;nstlicher Intelligenz ver&#246;ffentlicht. Europol sieht in der Technologie gro&#223;es Potenzial. Im Bericht, im Original auf Englisch, hei&#223;t es: &#8222;KI hat die F&#228;higkeit, die Polizeiarbeit erheblich zu ver&#228;ndern; von fortschrittlicher Kriminalanalytik, die Trends in riesigen Datenmengen aufdeckt, bis hin zu biometrischen Daten, die eine schnelle und eindeutige Identifizierung von Kriminellen erm&#246;glichen.&#8220;</p><p>Im Vordergrund der Beurteilung der polizeilichen Anwendung von KI steht f&#252;r Europol die Effizienz der Systeme. &#8222;Mithilfe von KI-gesteuerten Analysetools k&#246;nnen Ermittler beispielsweise Millionen von Finanztransaktionen analysieren und Anomalien wie verd&#228;chtige Geldbewegungen erkennen, um Betrug zu erkennen. F&#252;r Strafverfolgungsbeh&#246;rden bedeutet dies eine verbesserte F&#228;higkeit, Kriminalit&#228;tsmuster zu analysieren und zu verstehen [&#8230;]&#8220;, hei&#223;t es im Bericht. Mit KI k&#246;nnten auch polizeiliche Ressourcen effizienter verteilt werden.</p><p>Allerdings sind f&#252;r die angegebenen Beispiele seit vielen Jahren klar, dass derart gro&#223;e Datenmengen nur mit Software zu analysieren ist. Jetzt nennt Europol solche Mustererkennungssoftware eben KI.</p><h3>Muster in kriminellen Aktivit&#228;ten</h3><p>Ohne KI-Systeme st&#252;nden Ermittler*innen vor &#8222;erheblichen Herausforderungen&#8220;, was zu &#8222;langwierigen Ermittlungen und verpassten Gelegenheiten zur Festnahme von Kriminellen f&#252;hren kann&#8220;. Beispielsweise sei es ohne technische Hilfe nicht m&#246;glich, die Datenmengen, die ein einziges Smartphone erzeugt, zu durchsuchen.</p><p>Mit Hilfe von KI sei es hingegen m&#246;glich, Muster in kriminellen Aktivit&#228;ten zu finden. Als Beispiel nennt Europol, dass es w&#228;hrend warmer Monate mehr Einbr&#252;che g&#228;be.</p><p>Werden mit solchen Methoden nicht nur Daten analysiert, sondern auch Szenarien prognostiziert, nennt sich das &#8222;Predictive Policing&#8220;. Daf&#252;r sammeln Polizeibeh&#246;rden zum Beispiel historische Kriminalit&#228;tsdaten, aber auch sozio&#246;konomische Daten und Daten von Sozialdiensten. Das KI-Modell verkn&#252;pft dann &#8222;Indikatoren mit der Wahrscheinlichkeit eines Verbrechens und generiert Risikobewertungen&#8220;.</p><h3>Polizeiliche Kristallkugel</h3><p>Eine solche Einsch&#228;tzung ist f&#252;r bestimmte Areale m&#246;glich, aber auch f&#252;r einzelne Menschen. Dann berechnet die KI, wie wahrscheinlich es ist, dass sich eine bestimmte Person in einer kriminellen Aktivit&#228;t engagiert. Das stelle allerdings das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung in Frage, so der Bericht und sei auch <a href=„https://netzpolitik.org/2023/kuenstliche-intelligenz-die-sechs-groessten-probleme-im-ai-act/“>nach der KI-Verordnung der EU</a> verboten, au&#223;er damit w&#252;rde nach m&#246;glichen T&#228;ter*innen bereits begangener Straftaten gesucht. Predictive Policing habe in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, an Bedeutung gewonnen.</p><p>Die KI-Verordnung k&#246;nne f&#252;r die Strafverfolgungsbeh&#246;rden zum Problem werden, so der Bericht. Beh&#246;rden, die bereits KI-gest&#252;tzte Systeme anwenden, m&#252;ssten diese evaluieren und die Nutzung im Zweifelsfall beenden, was zu Problemen in der &#8222;operativen Kontinuit&#228;t&#8220; f&#252;hren k&#246;nne.</p><p>Dabei k&#246;nnten Tools, die maschinelles Lernen nutzen, mittels Analyse von &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Daten wie zum Beispiel Social-Media-Profilen auch Echtzeit-Einsichten generieren. &#8222;Entscheidend ist, dass dies alles mit einer Geschwindigkeit geschehen muss, die &#252;ber der Geschwindigkeit liegt, mit der Kriminelle ihre digitalen Spuren l&#246;schen k&#246;nnen&#8220;, schreibt Europol.</p><h3>Sprachmodelle entschl&#252;sseln verborgene Bedeutungen</h3><p>Internetprovider k&#246;nnten KI-Systeme nutzen, um terroristische Propaganda, Desinformation und illegale Inhalte zu erkennen. Dabei k&#246;nne man die Systeme mit bekanntem Propagandamaterial darauf trainieren, auch neue Inhalte zu erkennen und diese an Strafverfolgungsbeh&#246;rden zu melden. Dass es beim Training und bei der Nutzung solcher Systeme zu Problemen mit hohen Fehlerraten kommen kann, diskutiert der Europol-Bericht nicht.</p><p>Sprachmodelle, wie zum Beispiel ChatGPT eines ist, werden von Polizeibeh&#246;rden bereits vielfach eingesetzt, so Europol. So zum Beispiel f&#252;r Verwaltungsaufgaben, forensische Untersuchungen, die Analyse von Kriminalit&#228;tsdaten, die Umwandlung von Sprache in Text zur Berichterstattung und die Dokumentation krimineller Aktivit&#228;ten. Damit lie&#223;en sich Interviewprotokolle, Zeugenaussagen, Online-Kommunikation und Social-Media-Beitr&#228;ge effizient zusammenfassen, analysieren oder &#252;bersetzen. Letzteres sei vor allem f&#252;r die Kommunikation der Beh&#246;rden untereinander relevant. Europols Secure Information Exchange Network Application (SIENA), das Strafverfolgungsbeh&#246;rden aus 51 L&#228;ndern vernetzt, biete beispielsweise die M&#246;glichkeit, Texte automatisiert ins Englische zu &#252;bersetzen.</p><p>In Cybercrime-Einheiten w&#252;rden Sprachmodelle zus&#228;tzlich daf&#252;r genutzt, verborgene Bedeutungen zu entschl&#252;sseln oder potenziell sch&#228;dliche Inhalte zu kennzeichnen.</p><h3>KI hilft beim Passwort-Knacken</h3><p>Ebenfalls relevant, so Europol, sind die KI-Systeme bei der digitalen Forensik, also beispielsweise bei der Auswertung beschlagnahmter Smartphones. W&#228;hrend menschliche Experten viel Zeit ben&#246;tigten, um tausende Dateien zu sortieren, sei die KI sehr schnell darin. Dementsprechend g&#228;be es inzwischen eine Reihe von KI-gest&#252;tzten Tools zur Datenwiederherstellung und -analyse, die auch Zugang zu gel&#246;schten Dateien und besch&#228;digten Endger&#228;ten erm&#246;glichen.</p><p>Vielversprechend sei auch die M&#246;glichkeit, mit KI Verschl&#252;sselung leichter zu brechen. &#8222;Fortgeschrittene Verschl&#252;sselungstechniken k&#246;nnen f&#252;r Ermittler eine ernsthafte H&#252;rde darstellen&#8220;, hei&#223;t es im Bericht. Traditionell w&#252;rde f&#252;r die Entschl&#252;sselung Brute Force genutzt, mit KI lie&#223;e sich die Zahl der zu testenden Passw&#246;rter auf Basis von Mustererkennung einengen.</p><p>Mit KI lie&#223;e sich auch Internetverkehr dahingehend monitoren, ob sich im Datenstrom Hacking- oder Phishing-Versuche verbergen. Der digitale Fu&#223;abdruck einzelner Personen k&#246;nne &#252;ber deren Interaktionen mit verschiedenen Ger&#228;ten, von Smartphones und Laptops bis hin zu Smart-Home-Ger&#228;ten, zu einem umfassenden digitalen Profil verdichtet werden.</p><h3>Game-Changer Video&#252;berwachung</h3><p>Besondere Beachtung findet im Europol-Bericht die Video&#252;berwachung. Dass diese computergest&#252;tzt erfolgen kann, sei ein &#8222;Game-Changer&#8220; f&#252;r die Strafverfolgung. &#8222;Da St&#228;dte und Gemeinden mit einem Anstieg digitaler Bilder von Quellen wie CCTV-Kameras bis hin zu pers&#246;nlichen Ger&#228;ten konfrontiert sind, ist es wichtig, diese riesigen visuellen Daten effektiv zu nutzen&#8220;, hei&#223;t es im Bericht.</p><p>Bilddatenstr&#246;me lie&#223;en sich in Echtzeit auf bestimmte Muster und Anomalien scannen. Bei &#246;ffentlichen Veranstaltungen k&#246;nne KI-gest&#252;tzte Videoanalyse Situationen identifizieren, &#8222;die Aufmerksamkeit erfordern, um sicherzustellen, dass jeder die Veranstaltung in Ruhe genie&#223;en kann&#8220;.</p><p>Wenn vordefinierte Bedingungen oder Szenarien erkannt w&#252;rden, &#8222;wie etwa &#246;ffentliche Unruhen oder potenzielle Sicherheitsrisiken, kann das KI-System automatisch detaillierte Vorfallberichte erstellen und/oder Warnungen an die Beamten senden&#8220;. Die Echtzeitanalyse sei allerdings nach der KI-Verordnung der EU verboten. Ausnahmen gelten f&#252;r die Suche nach Opfern von Verbrechen, die Verhinderung von Terroranschl&#228;gen und die Suche nach T&#228;ter*innen schwerer und Organisierter Kriminalit&#228;t. Polizeieinheiten im Vereinigten K&#246;nigreich und in EU-Staaten h&#228;tten die Echtzeitanalyse von Videostr&#246;men mit unterschiedlichem Erfolg getestet.</p><h3>Schl&#252;sselinstrument biometrische Fernidentifizierung</h3><p>Biometrische Fernidentifizierung habe sich als &#8222;Schl&#252;sselinstrument&#8220; der Strafverfolgungsbeh&#246;rden erwiesen. Beispielsweise k&#246;nnten damit Verd&#228;chtige gefunden werden, oder andere &#8222;Personen von Interesse&#8220;.</p><p>N&#252;tzlich sei die KI auch bei der Analyse von Fingerabdr&#252;cken. &#8222;Sie k&#246;nnte diesen Bereich revolutionieren&#8220;, hei&#223;t es im Bericht. Denn sie funktioniere sehr schnell und k&#246;nne auch verschmierte oder nur teilweise vorhandene Abdr&#252;cke identifizieren.</p><p>Stimmerkennung k&#246;nne zudem genutzt werden, um beispielsweise Teilnehmer*innen von Telefongespr&#228;chen zu identifizieren. Au&#223;erdem sei der Iris-Scan eine Methode, die zunehmend h&#228;ufiger in der Strafverfolgung eingesetzt w&#252;rde. Auch Ganganalyse sei ein aufstrebendes Feld, das insbesondere dort n&#252;tzlich sei, wo andere Identifizierungsmethoden nicht m&#246;glich sind.</p><h3>&#8222;Unfaire und voreingenommene Ergebnisse&#8220;</h3><p>Besonders heikel ist die biometrische Kategorisierung. W&#228;hrend es per KI-Verordnung der EU verboten ist, diese zur Identifizierung von sexuellen oder politischen Orientierungen, religi&#246;sen Vorstellungen oder Behinderungen zu nutzen, sofern dies nicht zur Ermittlung von Opfern unternommen wird, kann die biometrische Kategorisierung recht frei eingesetzt werden, um Geschlecht und Alter betroffener Personen zu sch&#228;tzen. Dies sei beispielsweise bei der Einsch&#228;tzung des Alters von Opfern von Missbrauchsdarstellungen oder digitaler bildbasierter Gewalt relevant.</p><p>Der Europol-Bericht benennt auch Probleme der KI-Eins&#228;tze. Jede Verzerrung der zugrundeliegenden Daten k&#246;nne &#8222;unbeabsichtigt zu unfairen oder voreingenommenen Ergebnissen f&#252;hren&#8220;. Daten, die zum Trainieren von KI-Systemen verwendet werden, k&#246;nnten Vorurteile und diskriminierende Praktiken widerspiegeln. Die KI k&#246;nne zu &#8222;unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger &#220;berwachung unschuldiger Personen&#8220; f&#252;hren oder auch gegen bestimmte Gruppen missbraucht werden.</p><h3>Diskriminierende R&#252;ckkopplungsschleifen</h3><p>&#8222;Wenn beispielsweise ein bestimmtes Viertel in der Vergangenheit aufgrund rassistischer oder sozio&#246;konomischer Vorurteile &#252;berm&#228;&#223;ig &#252;berwacht wurde, k&#246;nnte ein auf diesen Daten trainiertes KI-System darauf hinweisen, dass das Gebiet anf&#228;lliger f&#252;r kriminelle Aktivit&#228;ten ist. Solche Ergebnisse k&#246;nnten zu einer R&#252;ckkopplungsschleife f&#252;hren, die dazu f&#252;hren k&#246;nnte, dass die Strafverfolgungsbeh&#246;rden diesen Bereich weiterhin &#252;berm&#228;&#223;ig &#252;berwachen, wodurch unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig viele Straftaten festgestellt werden und die in den Daten vorhandenen Verzerrungen verst&#228;rkt werden&#8220;, hei&#223;t es im Bericht.</p><p>Es sei wichtig, dass Vollzugsbeamte und auch Betroffene die Logik hinter den KI-Entscheidungen nachvollziehen k&#246;nnten. Ansonsten steige die Gefahr von Misstrauen, Missbrauch und Ungerechtigkeit. Allerdings arbeite KI mit einer Komplexit&#228;t, die &#252;ber das menschliche Verst&#228;ndnis hinausgeht. Zu kl&#228;ren sei auch, wer letztlich f&#252;r die Entscheidungen der KI-Systeme verantwortlich sei.</p><p>F&#252;r die Zukunft benennt Europol noch weitere technische Tools, die bei der Polizeiarbeit n&#252;tzlich werden k&#246;nnten. Quantencomputer beispielsweise, die die Performance von KI-Systemen auf ein &#8222;beispielloses Niveau&#8220; heben k&#246;nnten, oder auch die verbreitete Nutzung von KI-gest&#252;tzten Drohnen oder Robotern.<img src=„https://vg03.met.vgwort.de/na/39c9675708dc4ca1bff213604e4312e7“ width=„1“ height=„1“ alt=„“ referrerpolicy=„no-referrer“ /></p></div> </html>

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