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Website rollt den Tod eines Hackers neu auf

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<html> <p class=„printversionback-to-article printversion–hide“><a href=„https://www.heise.de/tp/features/Website-rollt-den-Tod-eines-Hackers-neu-auf-3423377.html“>zur&#252;ck zum Artikel</a></p><figure class=„printversionlogo“><svg preserveaspectratio=„xMinYMin“ xmlns=„http://www.w3.org/2000/svg“ viewbox=„0 0 180 39“ width=„180“ height=„39“><path d=„M17.19.5V4.89H11.32V38.5H6.13V4.89H0V.5ZM36.56.5V4.89H27.75V16.83h7.87v4.38H27.75v12.9h8.81V38.5h-14V.5ZM49.33.5V34.11h8.76V38.5h-14V.5ZM77.27.5V4.89H68.46V16.83h7.87v4.38H68.46v12.9h8.81V38.5h-14V.5Zm8.27,38V.5h6.19c4.44,0,10.11.4,10.11,10.18,0,7.71-3.1,11.29-11.15,11V38.5ZM90.69,4.79v12.6c4.44.3,5.68-2.07,5.68-6.3,0-3.43-1-6.3-5-6.3ZM127,19.5c0,6.85-.1,19.5-10.21,19.5s-10.21-12.65-10.21-19.5S106.69,0,116.8,0,127,12.65,127,19.5Zm-14.89,0c0,8.06.57,14.76,4.69,14.76s4.69-6.7,4.69-14.76-.57-14.76-4.69-14.76S112.11,11.44,112.11,19.5Zm26.6-19V34.11h8.76V38.5h-14V.5Zm18.46,38h-5.22V.5h5.22m20.92,5.84a7.21,7.21,0,0,0-4.4-1.61,4.61,4.61,0,0,0-4.6,4.89,6.05,6.05,0,0,0,1.45,4.13l3.93,4.18c3.52,3.48,5.53,6,5.53,11.14,0,5.34-3.41,9.93-9.15,9.93a9.21,9.21,0,0,1-5.69-1.81V32.1a8.57,8.57,0,0,0,5.12,2c3.21,0,4.55-2.47,4.55-5.29,0-7.56-10.91-9.07-10.91-19,0-5.34,2.9-9.72,8.74-9.72a10.71,10.71,0,0,1,5.48,1.26Z“ fill=„#b42900“/></svg></figure><p><strong>Nach der Einstellung des Ermittlungsverfahren im Todesfall des Berliner Hackers Boris F. erhebt das „Tronland“ mit brisanten Dokumenten Anklage gegen die Beh&#246;rden</strong></p> <p>&#220;ber drei Jahre nach dem mysteri&#246;sen Tod des Berliner Smartcard-Hackers mit dem Pseudonym Tron lassen Freunde des 26 Jahre alt gewordenen Verschl&#252;sselungsexperten den Ermittlungsfall im Netz noch einmal auferstehen. Ver&#246;ffentlicht haben sie Ausz&#252;ge aus den Obduktionsberichten genauso wie einen Gro&#223;teil des Briefwechsels zwischen Vertretern des Chaos Computer Clubs (<a href=„http://www.ccc.de/“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>CCC [1]</strong></a>) beziehungsweise den beiden Anw&#228;lten der Eltern des Toten mit der Staatsanwaltschaft. Untermauert werden soll damit der Vorwurf an die Beh&#246;rden, an einer Aufkl&#228;rung der Tatumst&#228;nde nicht interessiert gewesen zu sein.</p> <p>„Knackte er einen Code zuviel?“, fragte nicht nur die <a href=„http://www.tronland.net/medienberichte/BILD26.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Bild-Zeitung [2]</strong></a> im Oktober 1998. Schon damals stellte das f&#252;nft&#228;gige Verschwinden des Boris F. und die Auffindung seiner kunstvoll mit einem Draht und einem G&#252;rtel an einen Baum am S&#252;dende einer Gr&#252;nanlage in Berlin-Britz gekn&#252;pften Leiche am Nachmittag des 22.10.1998 die „Polizei vor R&#228;tsel“ (<a href=„http://www.tronland.net/medienberichte/bmopo24.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Berliner Morgenpost [3]</strong></a>). Wollten doch au&#223;er den CCC-Kollegen des als scheu, aber lebensfroh geltenden Hackers auch die Ermittler „nicht an Selbstmord glauben“ (<a href=„http://www.tronland.net/medienberichte/berzei34.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Berliner Zeitung [4]</strong></a>).</p> <p>Echtes Licht in das Dunkel brachten die Aufkl&#228;rungsarbeiten der Kriminalpolizei allerdings nie: Das Ermittlungsverfahren wurde am 18. Mai vergangenen Jahres eingestellt - trotz starker Verdachtsmomente, dass das nach dem Held des Walt-Disney-Klassikers <a href=„http://www.tron-movie.com/“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Tron [5]</strong></a> benannte „weltber&#252;hmte Computer-Genie“ (<a href=„http://bzarchiv.berlin1.de/archiv/981024_pdf/BZ012002.htm“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>BZ [6]</strong></a> einem Verbrechen zum Opfer fiel.</p> <p>Die sich noch im Aufbau befindliche Website <a href=„http://www.tronland.net/“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Tronland [7]</strong></a> hat sich nun nicht nur dem Gedenken an den verstorbenen Hacker gewidmet, sondern auch eine Reihe von Dokumenten ver&#246;ffentlicht, die der Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt Versagen und die Nicht-Verfolgung wichtiger Spuren in dem die Szene bis heute besch&#228;ftigenden Fall vorwerfen. Zu finden ist in dem von Freunden Trons erstellten, durchgehend mit schwarzem Hintergrund versehenen Erinnerungsraum auch ein im Namen der Mutter von Boris F. verfasstes Schreiben des CCC-Sprechers Andy M&#252;ller-Maguhn, das die auf dem 16. Chaos Communication Congress wider gegebene Sicht der Dinge untermauert (<a href=„https://www.heise.de/tp/features/Auch-beim-diesjaehrigen-Chaos-Communication-Congress-spukt-Tron-weiter-3445051.html“><strong>Tron spukt weiter [8]</strong></a>l) und den Beh&#246;rden ein letztes Mal Dampf zu machen versucht.</p> <div class=„rtetextbox akwa-inline-textbox col-lg-12 col-md-12 col-sm-12 col-xs-12“> <p>„Wir befinden uns in der ungl&#252;cklichen Lage, den hier urspr&#252;nglich zust&#228;ndigen Ermittlungsorganen nachweisen zu k&#246;nnen, dass wesentliche Untersuchungen, die rein technisch h&#228;tten beantworten k&#246;nnen, ob hier ein Mord oder eine Suizid vorliegt, nicht durchgef&#252;hrt wurden, sowie wesentliche Erkenntnisse aus den durchgef&#252;hrten Ermittlungen und Befragungen ignoriert wurden, die ein Fremdverschulden nahe legen.“ - Aus Andy M&#252;ller-Maguhns Brief an die Generalstaatsanwaltschaft Berlin vom 11. Mai 2001</p> </div> <p>In das Webarchiv eingef&#252;gt ist neben der daraufhin erfolgten Einstellungsverf&#252;gung au&#223;erdem der Einspruch des zweiten Anwalts der Eltern nebst inoffiziellen Erg&#228;nzungen sowie die just drei Jahre nach dem Untertauchen des Starhackers erfolgte Ablehnung der Beschwerde durch die Generalstaatsanwaltschaft Berlin.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_das_letzte1“>Das letzte Nudelgericht</h3> <p>Zentral f&#252;r die Begr&#252;ndung der Mordtheorie ist der Obduktionsbericht des Instituts f&#252;r Rechtsmedizin der FU Berlin vom 23.10.1998 zusammen mit erg&#228;nzenden gerichts&#228;rztlichen Stellungnahmen und Gutachten, die Telepolis in Ausz&#252;gen bereits vorliegen und auch im Web ver&#246;ffentlicht werden sollen. Darin ist detailliert nachzulesen, dass sich „im Magen etwa 400 ml wenig angedauten breiigen Inhaltes … &#252;berwiegend bestehend aus gr&#246;&#223;eren Nudelst&#252;cken (Spaghetti)“ befanden. Dazwischen gemixt waren „kleinere bis ganz kleine Salatst&#252;cken“, die sich bei einer Nachuntersuchung als Basilikum erwiesen, sowie „kleine streifenf&#246;rmige l&#228;ngliche St&#252;cken (geriebener K&#228;se?), keine Fleischst&#252;cken.“</p> <p>Die „teils w&#252;rzig nach Br&#252;he, teilweise fruchtig-aromatisch“ riechende Magenf&#252;llung entsprach in ihrer Zusammensetzung interessanterweise just der „Henkersmahlzeit“, die Boris F. am 17.10.1998 mittags von seiner Mutter serviert bekam. Danach verl&#228;sst der Hacker zusammen mit einem Bekannten an dem warmen Herbsttag die Wohnung in der Gropiusstadt mit unbekanntem Ziel. Um 14:26 Uhr hebt er 500 Mark mit der Postbank-Karte seiner Gro&#223;mutter an einem Geldautomaten am U-Bahnhof Lipschitzallee ab - zwei Stationen vom Fundort seiner Leiche entfernt, bei der sich die Scheine wieder finden. Danach verliert sich die Spur im Ungewissen. Sein Handy ist bis zum Leerlaufen des Akkus einen Tag sp&#228;ter immer in derselben Funkzelle eingebucht.</p> <p>Der Obduktionsbericht legt den Todeszeitpunkt auf maximal drei Stunden nach dem letzten Spaghetti-Essen fest, da die Reste noch kaum verdaut waren. Gleichzeitig war der am Baum h&#228;ngende tote K&#246;rper allerdings in einem „sehr gutem Erhaltungszustand“ mit nur unwesentlichen „Verg&#228;ngnisver&#228;nderungen“. Ein H&#228;ngen der Leiche &#252;ber einen Zeitraum von drei, vier oder gar f&#252;nf Tagen schlossen die Gerichtsmediziner in einer Stellungnahme vom 7.4.2000 daher „praktisch aus“.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_frisch_gek&#252;hlte2“>Frisch gek&#252;hlte Leiche?</h3> <p>Das l&#228;sst letztlich nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder starb Boris F. am 21. oder am 22. Oktober 1998 und g&#246;nnte sich wenige Stunden vor seinem Ableben erneut Pasta mit K&#228;se und Basilikum - vielleicht im letzten Gedenken an die Mama. Oder er segnete schon am 17. Oktober mit dem h&#228;uslichen Mittagessen im Magen das Zeitliche und wurde nach einer Frischhalte-Lagerung Tage sp&#228;ter von seinen M&#246;rdern an den Baum im Park geh&#228;ngt.</p> <p>Die Mutter des Toten sowie der CCC-Sprecher M&#252;ller-Maguhn bevorzugen nach der „Identifizierung“ der verwendeten Sphaghetti-Zutaten die zweite Variante und beziehen sich dabei auf die Dokumentation der von den Eltern beauftragten Rechtsanw&#228;lte.</p> <div class=„rtetextbox akwa-inline-textbox col-lg-12 col-md-12 col-sm-12 col-xs-12“> <p>„Unter Annahme der festgestellten Obduktionsergebnisse muss die Leiche also nach Tod am Samstag dem 17.10.1998 gegen 16:30 bis mind. Dienstag 20.10.1998 gegen 16:30 (48 Stunden vor Auffinden) in fachm&#228;nnischer, den F&#228;ulnisprozess nahezu verhindernder Art und Weise gek&#252;hlt worden sein“, schreiben sie in ihrem Brief an die Staatsanwaltschaft vom Fr&#252;hjahr. „Eine andere M&#246;glichkeit gibt es nicht.“ Ein Suizid scheide damit aus.</p> </div> <p>Die Generalstaatsanwaltschaft betrachtet die von den beiden elterlichen Anw&#228;lten erstmals vorgebrachte K&#252;hl- und Mordtheorie jedoch f&#252;r „fern liegend“, wie dem <a href=„http://www.tronland.net/dokumente/nielsen.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Ablehnungsbescheid [9]</strong></a> f&#252;r eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu entnehmen ist. „Nicht v&#246;llig lebensfern“ sei es aber anzunehmen, „dass ein allt&#228;gliches, &#252;berall erh&#228;ltliches Gericht wie Nudeln mit K&#228;se und Basilikum mehrmals nacheinander verzehrt wird“. Die von den Rechtsanw&#228;lten geforderte, aber trotzdem unterbliebene lebensmittelchemische Untersuchung der Speisereste zur genauen Identifizierung der Mahlzeit h&#228;tte nicht weiter helfen k&#246;nnen. Denn aus der Untersuchung „w&#252;rden sich keine Hinweise auf konkrete T&#228;ter ergeben, gegen die eine Anklage in Betracht k&#228;me“.</p> <p>Die Hacker halten dagegen, dass die Tarnung eines Mordes durch einen Suizid nicht so ungew&#246;hnlich sei, wie es sich zun&#228;chst anh&#246;re. Zumal sie bei Tron im Gegensatz zu anderen <a href=„http://www.burks.de/tronbuch.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Beobachtern [10]</strong></a> keine Anzeichen f&#252;r eine Selbstmordgefahr sahen. Sie verweisen auf neue Erkenntnisse &#252;ber den Tod des Leiters der EDV-Abteilung der Berliner Firmengruppe Aubis: Lars P. war im September erh&#228;ngt im Grunewald aufgefunden worden. Zuerst tippte die Polizei auf Suizid. Doch inzwischen <a href=„http://morgenpost.berlin1.de/inhalt/blickpunkt/story488979.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>wachsen [11]</strong></a> die Zweifel daran, dass sich der 32-j&#228;hrige Mitarbeiter der in den Berliner Parteispendenskandal verwickelten Holding selbst aufgekn&#252;pft hat. Der zust&#228;ndige Oberstaatsanwalt Wiedenberg - just derselbe, der auch bei der „Aufkl&#228;rung“ des Tods von Boris F. die Priorit&#228;ten setzte - h&#228;lt sich allerdings bedeckt.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_offene3“>Offene kriminologische Untersuchungen</h3> <p>Dass die Ermittlungen in „unverst&#228;ndlicher Weise schlecht gef&#252;hrt worden sind“, wie M&#252;ller-Maguhn klagt, legen eine Reihe weiterer Nachl&#228;ssigkeiten der Polizei und der Staatsanwaltschaft nahe. So hatte der am Leichenfundort Spuren sichernde Kriminaloberkommissar der 3. Mordkommission zun&#228;chst eine Untersuchung des „Strangwerkzeugs“, insbesondere im Bereich des Ankn&#252;pfens vom Draht an den G&#252;rtel, nach DNA-f&#228;higem Material beantragt. Eine solche Probe h&#228;tte aufzeigen k&#246;nnen, ob Boris F. die Aufh&#228;ngevorrichtung je selbst angefasst hatte. Die DNA-Analyse wurde nach mehreren Monaten jedoch abgeblasen. Begr&#252;ndung der Generalstaatsanwaltschaft: Sie sei nicht geeignet gewesen, „weiterf&#252;hrende Hinweise zu erbringen.“</p> <p>Mit einem anderen Untersuchungsauftrag wollte der ermittelnde Kriminaloberkommissar Spuren von Fasern, Haaren, Boden und Rindenborke vom Tatort beziehungsweise von der Leiche miteinander vergleichen lassen. Durch die m&#246;gliche &#220;berkreuzung sollte nachgewiesen werden, ob „der Gesch&#228;digte selbst auf den Baum kletterte.“ In der Ermittlungsakte liegen allerdings nur die Ergebnisse zu den Bodenhaftungen vor. Die halten die „Tronl&#228;nder“ f&#252;r irrelevant, da der Leichnam nach der Abnahme vom Baum direkt auf den Waldboden gelegt wurde. Die entscheidenden Untersuchungen von Fasern, Haaren und Borke scheinen dagegen nach Aktenlage nicht gemacht worden zu sein.</p> <p>R&#228;tselhaft erscheint den Hackern allerdings, dass der bei einer erg&#228;nzenden Akteneinsicht nach dem Einstellungsbescheid aufgetauchte technische Untersuchungsantrag der Polizei vier Unternummern hat. Eine davon trug die mitgelieferte Bodenprobe. Die anderen drei d&#252;rften nach Ansicht der Tron-Anh&#228;nger f&#252;r die fehlenden Analysen stehen. Falls sie durchgef&#252;hrt wurden, sei es nicht erkl&#228;rlich, warum sie nicht in der Akte zu finden seien.</p> <p>Ungereimtheiten sehen die Angeh&#246;rigen des toten Hackers und ihre Anw&#228;lte letztlich bei den am Fundort der Leiche entdeckten Drahtst&#252;cken. Eine Vergleichsanalyse der verschiedenen Metallstreifen sowie der von Tron in der Hosentasche mitgef&#252;hrten Kombizange konnte kl&#228;ren, dass nur ein Ende der auf dem Boden gefundenen Drahtst&#252;cke wahrscheinlich von seinem Kneifwerkzeug durchtrennt wurde. Das andere Ende des Schnittes fehlte.</p> <p>Nach dem Bericht der Polizeitechnischen Untersuchungsstelle 23 des Landeskriminalamts Berlin war dies die einzige frische Schnittstelle am Tatort, alle anderen waren schon stark korrodiert. Der Schnitt mit der Zange muss daher wesentlich sp&#228;ter erfolgt sein als die Herstellung des Strangwerkzeugs. Diese Tatsache, die der Selbstmordhypothese zuwiderl&#228;uft, f&#252;hrte allerdings nicht zum Verfolgen der Spur.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_im4“>Im Spannungsfeld zwischen Piraten, Industrie und Geheimdiensten</h3> <p>Insgesamt erhob CCC-Sprecher M&#252;ller-Maguhn aufgrund der Ignoranz der Beh&#246;rden bereits im Mai den schweren Verdacht auf „Strafvereitelung im Amt“ und lieferte die Erkl&#228;rung gleich mit: Dass die „Ermittlungen wegen eines mutma&#223;lichen Kapitalverbrechens“ derart nachl&#228;ssig gef&#252;hrt worden seien, „k&#246;nnte mit dem geheimdienstlichen Hintergrund oder Verbindungen polizeilicher Dienstellen mit in Betracht kommenden Auskunftspersonen zusammen h&#228;ngen.“</p> <p>Wie auch in der anwaltlichen Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens ausgef&#252;hrt, war Tron schlie&#223;lich nicht irgendein Hacker, sondern „eine Person mit herausragenden technischen F&#228;higkeiten in einem sehr speziellen Gebiet, n&#228;mlich kryptographischen Systemen.“ Legend&#228;r war beispielsweise Trons Hack der Verschl&#252;sselung des damals von Bertelsmann und Kirch gemeinsam betriebenen Pay-TV-Senders Premiere und der zum Empfang n&#246;tigen <a href=„http://www.ccc.de:8080/Library/HPA/DigitalTV/index.html“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>d-box von Nokia [12]</strong></a>, den er 1997 auf dem Chaos Communication Congress in Hamburg vorstellte (<a href=„https://www.heise.de/tp/features/Hacker-bleib-bei-Deinem-Keyboard-3411449.html“><strong>Hacker, bleib bei Deinem Keyboard! [13]</strong></a>).</p> <p>Aufmerksamkeit lenkte Boris F. auch mit seiner auf dem H&#246;hepunkt der Kryptodebatte erstellten Diplomarbeit auf sich, die ein Konzept zur Verschl&#252;sselung und Abh&#246;rsicherung von Telefongespr&#228;chen &#252;ber ISDN vorstellte.</p> <h3 class=„subheading“ id=„nav_keine5“>Keine erfolgsversprechenden Ermittlungsanhalte?</h3> <p>Tron stand daher im Kreuzfeuer geheimdienstlicher und wirtschaftlicher Interessen, und musste sich gleichzeitig gegen die Einverleibung in die professionelle Pay-TV-Cracker-Szene wehren. Obwohl er an der kommerziellen Verwertung seiner Forschungsergebnisse nicht interessiert war, bezeichnete ihn ein Vertreter der in Israel gegr&#252;ndeten, nach dem Aufkauf durch den Medienzar Rupert Murdoch von London aus gef&#252;hrten Krypto-Firma <a href=„http://www.nds.com/“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>NDS [14]</strong></a> gegen&#252;ber der Mordkommission „als einen der besten Piraten der ganzen Welt“.</p> <p>Aktenkundig ist auch das Interesse von Geheimdiensten an Boris F. geworden. So berichtete ein Zeuge von einem Anwerbungsversuch durch den Bundesnachrichtendienst. Angesichts des aufgezeichneten Spannungsfelds, in dem Tron zwischen organisierter Kriminalit&#228;t und Staatsgeheimnisschutz lavierte, erstaunt den Anwalt der Mutter um so mehr, dass es von den Ermittlungsbeh&#246;rden „zumindest im Einstellungsbescheid nicht mit einem Satz“ gew&#252;rdigt wurde.</p> <p>Die Generalstaatsanwaltschaft stimmt dem Advokaten zwar durchaus in dem Verdacht zu, dass Tron „Opfer einer Straftat geworden ist.“ Die Ermittlungen seien aber „aus zutreffenden Gr&#252;nden eingestellt“ worden. „Erfolgversprechende Ermittlungsanhalte, die zur Aufdeckung eines T&#246;tungsdelikts oder einer anderen Straftat mit suizidalem Ausgang f&#252;hren k&#246;nnten,“ seien nicht ersichtlich. „Es bestehen daher derzeit keine konkreten Ermittlungsm&#246;glichkeiten, den bestehenden Verdacht eines Verbrechens zu erh&#228;rten und den Nachweis f&#252;r die Beteiligung einer bestimmten Person zu erbringen.“</p> <p>Die Eltern Trons und der Chaos Computer Club warten nun sehns&#252;chtig auf die Freigabe des gesamten Beweismaterials - „um einen Teil der unterbliebenen Untersuchungen selbst durchzuf&#252;hren“, wie M&#252;ller-Maguhn gegen&#252;ber Telepolis erkl&#228;rte. Auch wenn die Anerkennung solcher Analysen als Beweismittel fraglich sei, wolle man mehr Licht in das Dunkel bringen. Insgesamt sei es skandal&#246;s, dass die Staatsanwaltschaft quasi von den Hackern erwarte, „den M&#246;rder zu liefern.“</p> <p>Erg&#228;nzend zu den auf Tronland zu findenden Papieren hat der CCC-Sprecher nun begonnen, erste Dokumente aus den vier Aktenordern, die sich ihm zum Fall Tron angesammelt haben, auf seiner eigenen <a href=„http://www.ccc.de/~andy/CCC/TRON/“ rel=„external“ target=„_blank“><strong>Website [15]</strong></a> zu ver&#246;ffentlichen. Die gemeinsamen Aktionen betrachtet er als einen wichtigen Schritt, um eine „gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Transparenz“ zu erzielen. Sie sollen „mehr Leuten die M&#246;glichkeit geben, sich selbst ein Bild zu erstellen und die Arbeit der Ermittlungsbeh&#246;rden zu bewerten.“</p> <hr/><p><strong>URL dieses Artikels:</strong><br/><small><code>http://www.heise.de/-3423377</code></small></p> <p><strong>Links in diesem Artikel:</strong><br/><small><code><strong>[1]</strong>&#160;http://www.ccc.de/</code></small><br/><small><code><strong>[2]</strong>&#160;http://www.tronland.net/medienberichte/BILD26.html</code></small><br/><small><code><strong>[3]</strong>&#160;http://www.tronland.net/medienberichte/bmopo24.html</code></small><br/><small><code><strong>[4]</strong>&#160;http://www.tronland.net/medienberichte/berzei34.html</code></small><br/><small><code><strong>[5]</strong>&#160;http://www.tron-movie.com/</code></small><br/><small><code><strong>[6]</strong>&#160;http://bzarchiv.berlin1.de/archiv/981024_pdf/BZ012002.htm</code></small><br/><small><code><strong>[7]</strong>&#160;http://www.tronland.net/</code></small><br/><small><code><strong>[8]</strong>&#160;https://www.heise.de/tp/features/Auch-beim-diesjaehrigen-Chaos-Communication-Congress-spukt-Tron-weiter-3445051.html</code></small><br/><small><code><strong>[9]</strong>&#160;http://www.tronland.net/dokumente/nielsen.html</code></small><br/><small><code><strong>[10]</strong>&#160;http://www.burks.de/tronbuch.html</code></small><br/><small><code><strong>[11]</strong>&#160;http://morgenpost.berlin1.de/inhalt/blickpunkt/story488979.html</code></small><br/><small><code><strong>[12]</strong>&#160;http://www.ccc.de:8080/Library/HPA/DigitalTV/index.html</code></small><br/><small><code><strong>[13]</strong>&#160;https://www.heise.de/tp/features/Hacker-bleib-bei-Deinem-Keyboard-3411449.html</code></small><br/><small><code><strong>[14]</strong>&#160;http://www.nds.com/</code></small><br/><small><code><strong>[15]</strong>&#160;http://www.ccc.de/~andy/CCC/TRON/</code></small><br/></p> <p class=„printversioncopyright“><em>Copyright &#169; 2002 Heise Medien</em></p> </html>

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