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Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte wächst

Originalartikel

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<html> <p><strong>Sp&#228;testens nach Chemnitz hei&#223;t es, Deutschland sei nach rechts ger&#252;ckt. Doch das stimmt nicht. Warum sind extrem rechte Parteien trotzdem so stark?&#160;</strong></p> <p>Es scheint ein Ruck durch Deutschland zu gehen. Und nicht nur durch Deutschland, nein, durch den ganzen Westen. Jedenfalls ist derzeit viel von einem Rechtsruck die Rede. Das Problem ist: Das Bild f&#252;hrt in die Irre, es verstellt den Blick auf das, was wirklich passiert. Wenn es im Flugzeug ruckelt, werden alle Passagiere durchgesch&#252;ttelt. Wenn man sich einen Ruck gibt, bewegt sich der ganze K&#246;rper. Rechtsruck, das klingt, als verrutsche eine ganze Gesellschaft.</p> <p>Das stimmt aber nicht.<br/>Die Wirklichkeit ist viel komplizierter.</p> <p>Eine neue Konfliktlinie durchzieht die westlichen Gesellschaften. Aber woher kommt sie und was macht sie aus?&#160;</p> <p>Um das zu verstehen, muss man die Fixierung auf den rechten Rand &#252;berwinden und f&#252;r eine Weile dorthin schauen, wo die Welt nicht immer zorniger und brauner wird, sondern offener, bunter und gr&#252;ner. Erst dann wird klar, warum Parteien wie die AfD zunehmend zu Massenparteien werden und warum in Chemnitz Tausende an der Seite von Neonazis demonstrierten.</p> <p>Aber zuerst muss man in die Vergangenheit blicken.</p> <h3>1. Die alte Normalit&#228;t</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„George W. Bush vor Mount Rushmore: Der 43. wei&#223;e Pr&#228;sident in Folge, vor steinernen Abbildern der wei&#223;en US-Pr&#228;sidenten George Washington, Thomas Jefferson, Teddy Roosevelt und Abraham Lincoln. (Quelle: Reuters/Larry Downing LSD/jp)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/07/10/id_84520710/610/tid_da/george-w-bush-vor-mount-rushmore-der-43-weisse-praesident-in-folge-vor-steinernen-abbildern-der-weissen-us-praesidenten-george-washington-thomas-jefferson-teddy-roosevelt-und-abraham-lincoln-.jpg“ title=„George W. Bush vor Mount Rushmore: Der 43. wei&#223;e Pr&#228;sident in Folge, vor steinernen Abbildern der wei&#223;en US-Pr&#228;sidenten George Washington, Thomas Jefferson, Teddy Roosevelt und Abraham Lincoln. (Quelle: Reuters/Larry Downing LSD/jp)“/>George W. Bush vor Mount Rushmore: Der 43. wei&#223;e Pr&#228;sident in Folge, vor steinernen Abbildern der wei&#223;en US-Pr&#228;sidenten George Washington, Thomas Jefferson, Teddy Roosevelt und Abraham Lincoln. (Quelle: Larry Downing LSD/jp/Reuters)<br/></p> <p>Am besten ins Jahr 1991. Die Sowjetunion zerfiel gerade, der Westen hatte den Kampf der Systeme gewonnen und Francis Fukuyama schrieb an seinem Buch &#252;ber das Ende der Geschichte.<br/></p> <p>Die Gesellschaften, die diesen Sieg errungen hatten, sahen so aus:</p> <p>Vergewaltigung in der Ehe war in Deutschland noch kein Straftatbestand. Der &#8222;Diercke Weltatlas&#8220; unterteilte die Welt in drei Menschenrassen: Europide, Mongolide, Negride. Die USA hatten bis zu diesem Moment 41 Pr&#228;sidenten und 61 Au&#223;enminister erlebt. Die Bundesrepublik Deutschland sechs Kanzler, ihre ma&#223;geblichen Parteien (CDU, CSU, SPD, FDP) seit 1948 zusammen 23 Vorsitzende. Seit 1945 hatten mehr als 100 Menschen an der Spitze deutscher Landesregierungen gestanden. Unter diesen rund 250 Spitzenpolitikern war nur eine Frau, alle waren wei&#223;, alle nach au&#223;en heterosexuell, fast alle Christen.&#160;&#160;</p> <p>In dieser auf dem Papier egalit&#228;ren Welt hing der Platz der Menschen ganz selbstverst&#228;ndlich von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualit&#228;t und Religion ab.</p> <h3>2. Der radikale Wandel</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Das Gesicht des ehemaligen NFL-Spielers Colin Kaepernick auf einem Werbeplakat in San Francisco: Der Sportartikelhersteller Nike kaufte sogar einen TV-Werbespot w&#228;hrend der Football-Saisoner&#246;ffnung. (Quelle: AP/dpa/Eric Risberg)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/01/28/id_84520128/610/tid_da/das-gesicht-des-ehemaligen-nfl-spielers-colin-kaepernick-auf-einem-werbeplakat-in-san-francisco-der-sportartikelhersteller-nike-kaufte-sogar-einen-tv-werbespot-waehrend-der-football-saisoneroeffnung-.jpg“ title=„Das Gesicht des ehemaligen NFL-Spielers Colin Kaepernick auf einem Werbeplakat in San Francisco: Der Sportartikelhersteller Nike kaufte sogar einen TV-Werbespot w&#228;hrend der Football-Saisoner&#246;ffnung. (Quelle: AP/dpa/Eric Risberg)“/>Das Gesicht des ehemaligen NFL-Spielers Colin Kaepernick auf einem Werbeplakat in San Francisco: Der Sportartikelhersteller Nike kaufte sogar einen TV-Werbespot w&#228;hrend der Football-Saisoner&#246;ffnung. (Quelle: Eric Risberg/AP/dpa)<br/></p> <p>Diese Welt &#228;ndert sich seit wenigen Jahren schnell. Rasend schnell sogar. Wer nur auf den rechten Rand stiert, &#252;bersieht dabei leicht diesen Wandel. Doch er ist real. Er ver&#228;ndert die Welt, wie alle sie kannten.</p> <p>In den USA klingt er so: Im Jahr 1997 &#252;bernahm die erste Frau das US-Au&#223;enministerium, 2001 der erste Schwarze, 2005 die erste schwarze Frau; 2008 kam der erste schwarze Pr&#228;sident ins Amt.<br/></p> <p>In Deutschland so: Im Jahr 1993 wurde die erste Frau an die Spitze eines Bundeslandes gew&#228;hlt, 2000 an die Spitze der CDU, 2001 regierte der erste offen schwule Mann ein Bundesland, 2005 &#252;bernahm die erste Frau das Kanzleramt, 2009 der erste offen schwule Mann ein Bundesministerium, 2010 wurden erstmals gleichzeitig zwei Bundesl&#228;nder von Frauen regiert, 2013 sa&#223;en zum ersten Mal eine Muslima und eine offen lesbische Frau am Kabinettstisch, seit 2018 wird die SPD von einer Frau gef&#252;hrt.</p> <blockquote class=„instagram-media c33“ data-instgrm-permalink=„https://www.instagram.com/p/BkTUuxkD1Nw/?utm_source=ig_embed&amp;utm_medium=loading“ data-instgrm-version=„12“> <div class=„c32“><a href=„https://www.instagram.com/p/BkTUuxkD1Nw/?utm_source=ig_embed&amp;utm_medium=loading“ class=„c28“ target=„_blank“> <div class=„c12“>View this post on Instagram</div> </a> <p class=„c31“><a href=„https://www.instagram.com/p/BkTUuxkD1Nw/?utm_source=ig_embed&amp;utm_medium=loading“ class=„c29“ target=„_blank“>A post shared by Pierre Olivier Costa (@poc17)</a> on <time class=„c30“ datetime=„2018-06-21T21:33:09+00:00“>Jun 21, 2018 at 2:33pm PDT</time></p> </div> </blockquote> <p>International so: Der Londoner B&#252;rgermeister ist ein dunkelh&#228;utiger Muslim, der kanadische Premierminister erkl&#228;rter Feminist. Frankreichs Pr&#228;sident lie&#223; sich mit schwarzen Drag Queens fotografieren.<br/></p> <p>Im Netz so: #BlackLivesMatter, #metwo, #Oscarssowhite, #aufschrei, #metoo. In der Musik so: Der gr&#246;&#223;te Popstar dieses Jahrzehnts ist die schwarze Feministin Beyonc&#233;. In der Wirtschaft so: Nike, der gr&#246;&#223;te Sportartikelhersteller der Welt, vermarktet zurzeit Colin Kaepernick als Helden einer Werbekampagne: einen schwarzen Footballer und B&#252;rgerrechtler, den die Rechte verachtet und der keinen Vertrag mehr bekommt, weil er f&#252;r die Rechte von Schwarzen demonstriert, indem er auf die Knie geht, wenn die Hymne gespielt wird.</p> <p>Menschen <a href=„http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gefuehlte-wahrheit-deutsche-schaetzen-anteil-der-muslime-viel-zu-hoch-a-1125901.html“ target=„_blank“>&#252;bersch&#228;tzen</a> die <a href=„https://www.gruenderszene.de/allgemein/weibliche-ceos-schaetzung“ target=„_blank“>Gr&#246;&#223;e</a> von Minderheiten, wie Studien zeigen. Aber selbst n&#252;chtern betrachtet ist der Wandel extrem. &#220;berall bricht die alte Normalit&#228;t auf. Was vor zehn Jahren undenkbar war, wird selbstverst&#228;ndlich.</p> <p>Es kann einem schwindlig werden dabei.&#160;&#160;</p> <p>Man muss also festhalten: Westliche Gesellschaften r&#252;cken nicht geschlossen nach rechts. Im Gegenteil, gro&#223;e Teile &#246;ffnen sich in gro&#223;em Tempo. Sie werden pluraler, liberaler und selbstverst&#228;ndlich diverser.</p> <h3>3. Die neue St&#228;rke der extremen Rechten</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„FP&#214;-Chef Heinz-Christian Strache (l.) und Lega-Chef Matteo Salvini: Die beiden extrem rechten Politiker sind Stellvertreter des Regierungschefs. (Quelle: Reuters/Leonhard Foeger)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/08/14/id_84520814/610/tid_da/fpoe-chef-heinz-christian-strache-l-und-lega-chef-matteo-salvini-die-beiden-extrem-rechten-politiker-sind-stellvertreter-des-regierungschefs-.jpg“ title=„FP&#214;-Chef Heinz-Christian Strache (l.) und Lega-Chef Matteo Salvini: Die beiden extrem rechten Politiker sind Stellvertreter des Regierungschefs. (Quelle: Reuters/Leonhard Foeger)“/>FP&#214;-Chef Heinz-Christian Strache (l.) und Lega-Chef Matteo Salvini: Die beiden extrem rechten Politiker sind Stellvertreter des Regierungschefs. (Quelle: Leonhard Foeger/Reuters)<br/></p> <p>Aber auch am rechten Rand der Gesellschaften regt sich etwas. In den USA, Italien, &#214;sterreich, Polen und Ungarn regiert die extreme Rechte schon. Die AfD k&#246;nnte in manchen Bundesl&#228;ndern st&#228;rkste Partei werden. In Chemnitz folgten Tausende dem Ruf von Neonazis und Hooligans.</p> <p>&#220;ber viele Jahre war das gro&#223;e R&#228;tsel, warum in Europa nicht h&#228;ufiger extrem rechte Parteien in Parlamenten sa&#223;en. <a href=„http://library.fes.de/pdf-files/do/07905-20110311.pdf“ target=„_blank“>Das Potential</a> war immer da. Zwischen f&#252;nf und f&#252;nfzehn Prozent der Gesellschaften vertraten in Umfragen rechtsextreme Positionen.</p> <p>Aber sie w&#228;hlten nicht so, wie sie dachten.</p> <p>Seit kurzem lautet das R&#228;tsel anders: Warum bekommen extrem rechte Parteien und Kampagnen pl&#246;tzlich 26 Prozent wie die &#246;sterreichische FP&#214;? Warum 28 Prozent wie die AfD in Sachsen? Warum 30 Prozent wie das Lega-Berlusconi-Wahlb&#252;ndnis in Italien? Warum 33 Prozent wie Marine Le Pen in der zweiten Runde der Pr&#228;sidentschaftswahl? Warum rund 50 Prozent, wie Donald Trump und Norbert Hofer in &#214;sterreich? Warum stimmten die Briten mehrheitlich f&#252;r den Brexit?</p> <h3>4. Die falschen Erkl&#228;rungen</h3> <p><img height=„342“ width=„610“ alt=„Studien zeigen: Der Anteil der Menschen mit durch und durch rechtsextremem Weltbild nimmt ab, nicht zu. (Quelle: t-online.de)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/14/56/id_84521456/610/tid_da/studien-zeigen-der-anteil-der-menschen-mit-durch-und-durch-rechtsextremem-weltbild-nimmt-ab-nicht-zu-.png“ title=„Studien zeigen: Der Anteil der Menschen mit durch und durch rechtsextremem Weltbild nimmt ab, nicht zu. (Quelle: t-online.de)“/>Studien zeigen: Der Anteil der Menschen mit durch und durch rechtsextremem Weltbild nimmt ab, nicht zu. (Quelle: t-online.de)<br/></p> <p>Es liegt nicht an den Einstellungen der Menschen. Nat&#252;rlich misstrauen viele Europ&#228;er der Politik. Viele m&#246;gen keine Fl&#252;chtlinge. Aber <a href=„https://www.kredo.uni-leipzig.de/download/0/0/1853415872/96c53d668645e836e92d224d25baeef61993b966/fileadmin/www.kredo.uni-leipzig.de/uploads/dokumente/Buch_Mitte_Studie_Uni_Leipzig_2016.pdf“ target=„_blank“>die Mitte-Studien der Universit&#228;t Leipzig</a> belegen: 2016 hatten so wenig Menschen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild wie in 14 Jahren nicht. Ausl&#228;nderfeindlichkeit hat abgenommen. Sogar das Vertrauen ins System ist gewachsen, auch wenn der gegenteilige Eindruck vorherrscht. Die&#160;<a href=„http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/Chart/index“ target=„_blank“>Eurobarometer</a>-Umfragen der EU-Kommission zeigen: In Deutschland ist das Vertrauen in Regierung, Parlament, Justiz und Medien seit 2015 gestiegen. Das Reservoir an &#252;berzeugten Rechtsextremen ist kleiner geworden, nicht gr&#246;&#223;er. Die Stimmen f&#252;r extrem rechte Parteien nehmen trotzdem zu, weit &#252;ber ihr eigentliches Milieu hinaus.</p> <p>Es liegt nicht an der Wirtschaftskrise. Die extreme Rechte ist fast nirgends der Anwalt der Armen und Abgeh&#228;ngten. In &#214;sterreich zertr&#252;mmert die Regierung eine sozialpolitische Errungenschaft nach der n&#228;chsten. Der FP&#214; schadet es nicht. Die extreme Rechte blieb gerade in den von der Wirtschaftskrise hart getroffenen Staaten Spanien, Portugal und Irland irrelevant. &#220;ber Trumps W&#228;hler erz&#228;hlt man bis heute, sie seien &#246;konomisch abgeh&#228;ngt, <a href=„https://www.vox.com/identities/2017/12/15/16781222/trump-racism-economic-anxiety-study“ target=„_blank“>obwohl</a> <a href=„http://blogs.lse.ac.uk/politicsandpolicy/trump-and-brexit-why-its-again-not-the-economy-stupid/“ target=„_blank“>das</a> <a href=„https://www.nytimes.com/2018/04/24/us/politics/trump-economic-anxiety.html“ target=„_blank“>zahllose</a> Studien widerlegt haben. Die W&#228;hler der AfD sind ebenfalls nicht arm. Auch <a href=„https://www.welt.de/wirtschaft/article169012512/Wirtschaftlich-abgehaengt-Diese-Zahlen-sprechen-dagegen.html“ target=„_blank“>dazu</a> <a href=„https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/afd-waehler-terrorbekaempfung-integration“ target=„_blank“>gibt</a> es zahlreiche Studien. Der Aufschwung der Rechten, it&#8217;s just not the economy, stupid.</p> <p>Es liegt schlie&#223;lich auch nicht allein am Fl&#252;chtlingsjahr 2015 &#8211; auch wenn es eine Rolle spielt, weil es den gesellschaftlichen Wandel beschleunigt und die Debatte beherrscht. Doch in &#214;sterreich, den Niederlanden, Frankreich, Polen, Ungarn, der Schweiz, D&#228;nemark, Finnland oder Schweden hatte der Aufstieg extrem rechter Parteien schon deutlich vorher begonnen. In den USA gab es ohnehin kein Fl&#252;chtlingsjahr 2015.</p> <p>Nein, so einfach lassen sich die neuen Erfolge der extremen Rechten nicht erkl&#228;ren.</p> <h3>5. Die neue Konfliktlinie</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Pippi Langstrumpf: Weil der Verlag ihren Vater nicht mehr als N-K&#246;nig bezeichnet, sondern als S&#252;dseek&#246;nig, f&#252;rchteten auch konservative Kritiker Zensur. (Quelle: Astrid Lindgrens V&#228;rld/dpa/tmn)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/14/62/id_84521462/610/tid_da/pippi-langstrumpf-weil-der-verlag-ihren-vater-nicht-mehr-als-n-koenig-bezeichnet-sondern-als-suedseekoenig-fuerchteten-auch-konservative-kritiker-zensur-.jpg“ title=„Pippi Langstrumpf: Weil der Verlag ihren Vater nicht mehr als N-K&#246;nig bezeichnet, sondern als S&#252;dseek&#246;nig, f&#252;rchteten auch konservative Kritiker Zensur. (Quelle: Astrid Lindgrens V&#228;rld/dpa/tmn)“/>Pippi Langstrumpf: Weil der Verlag ihren Vater nicht mehr als N-K&#246;nig bezeichnet, sondern als S&#252;dseek&#246;nig, f&#252;rchteten auch konservative Kritiker Zensur. (Quelle: Astrid Lindgrens V&#228;rld/dpa/tmn)<br/></p> <p>Nur, wie dann? Woher kommen die W&#228;hler, die extrem rechten Parteien Erfolge und damit Geld und damit Aufmerksamkeit und damit Einfluss bringen, dann? Was treibt sie an?</p> <p>Vieles spricht daf&#252;r, dass es die Ablehnung des schwindelerregenden Wandels der gesellschaftlichen Normalit&#228;t ist. Mit dieser Pluralisierung vollzieht die Wirklichkeit nach, was schon in der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung der USA von 1776 behauptet wurde: dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollen, weil sie gleich geschaffen sind. Und die Welt wandelt sich dadurch f&#252;r sehr viele Menschen zum Besseren.</p> <p>Aber eben nicht f&#252;r alle.</p> <p>F&#252;r viele ger&#228;t die Welt, die sie kannten, in Gefahr. Was selbstverst&#228;ndlich war, wird strittig. Und noch viel dramatischer: Ihr angestammter Platz in der Welt wird pl&#246;tzlich anr&#252;chig. Ihre Normalit&#228;t wird zum Problem.</p> <p>Mit dem gesellschaftlichen Wandel wuchsen n&#228;mlich auch die Anspr&#252;che der Minderheiten auf Teilhabe und einen respektvollen Umgang. In der alten Welt konnte man Frauen auf den Hintern klapsen oder alle Staatssekret&#228;rsposten mit M&#228;nnern besetzen, man musste sich daf&#252;r nicht rechtfertigen. Man musste auch nicht dar&#252;ber nachdenken, wie das eigene Leben den globalen S&#252;den beeinflusst. Jetzt ist das immer h&#228;ufiger anders. Minister hei&#223;en jetzt Minister_innen. S&#252;&#223;igkeiten und Schnitzel werden umbenannt, weil sie mit rassistischen Begriffen beschrieben werden; Stra&#223;en werden umgewidmet, weil sie Kolonialschl&#228;chter ehren. Selbst in Massenmedien ist vom &#8220;alten wei&#223;en Mann&#8221; die Rede.</p> <blockquote class=„twitter-tweet“> <p lang=„de“ dir=„ltr“><a href=„https://twitter.com/hashtag/Heimatmuseum?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw“>#Heimatmuseum</a> ist, wenn es nicht einmal mehr Spa&#223; macht, die Frauen rot anzuklingeln, damit man sie gleich findet <a href=„https://t.co/Ndm3PT9Vcc“>pic.twitter.com/Ndm3PT9Vcc</a></p> &#8212; Evelyn Roll (@EveRoll) <a href=„https://twitter.com/EveRoll/status/978702008034177025?ref_src=twsrc%5Etfw“>March 27, 2018</a></blockquote> <p>Aus der Welt, in der es normal war, unbewusst Privilegien zu genie&#223;en, weil man wei&#223;, heterosexuell oder m&#228;nnlich war oder aus dem Westen kam, ist eine geworden, in der man zunehmend mit der Frage konfrontiert wird, ob das so gerecht ist. Das hei&#223;t dann: &#8220;Check your privilege!&#8221;. Mach dir mal klar, welche Privilegien du hast! Und arbeite daran, anderen nicht im Weg zu stehen.</p> <p>Und hier formt sich nun eine neue gesellschaftliche Konfliktlinie. Ein Bruch, der alte Identit&#228;ten nicht abl&#246;st, der die Trennung zwischen Rechts und Links, der <a href=„http://www.bpb.de/lernen/grafstat/grafstat-bundestagswahl-2013/145168/mb-03-08-wahlverhalten-faktor-konfliktlinien“ target=„_blank“>alte Konfliktlinien</a> wie die zwischen Kapital und Arbeit nicht abschafft. Aber ein Bruch, der erg&#228;nzend die politischen Positionen neu ordnet.</p> <p>Auf der einen Seite sammeln sich die, die finden, dass sie die Zumutungen annehmen sollten: Viele Linke, noch mehr Gr&#252;ne und auch erstaunlich viele Kirchenleute, die in ihrer Ablehnung der extremen Rechten zuletzt bemerkenswert offen waren. Sie schockt der Gedanke nicht, unverdiente Privilegien zu genie&#223;en, zulasten anderer. Gr&#252;ne sind an den &#246;kologischen S&#252;ndenfall gew&#246;hnt, Kirchen an die Urs&#252;nde.</p> <p>Es ist deshalb kein Zufall, dass die Kirche zum Ziel von rechten Schm&#228;hungen werden. Es ist auch kein Zufall, dass gr&#252;ne Parteien derzeit so gut dastehen. In &#214;sterreich ist ein Gr&#252;ner Pr&#228;sident, in Deutschland steigen die Umfragewerte, in den Niederlanden gewannen die Gr&#252;nen stark dazu. In Deutschland droht der Streit &#252;ber Fl&#252;chtlingspolitik fast alle Parteien zu zerrei&#223;en, die Union, die FDP, die SPD und die Linke. Nur die Gr&#252;nen nicht.</p> <p>Und auch nicht die AfD. Auf ihrer Seite sammeln sich jene, die in den Zumutungen vor allem den Angriff auf ihre Normalit&#228;t sehen. Die Konsequenzen nicht auf sich pers&#246;nlich zur&#252;ckf&#252;hren wollen: Sprache nicht zu gendern, hat Konsequenzen, weil es Frauen unsichtbar macht. Mesut &#214;zil f&#252;r die schlechte WM zu beschimpfen, Thomas M&#252;ller aber nicht, hat Konsequenzen f&#252;r das Leben von Deutscht&#252;rken im Land. Fleisch zu essen hat Konsequenzen f&#252;r Tiere und das Klima. Sich damit zu befassen, ist unbequem.</p> <p>Heinz Buschkowsky, der fr&#252;here SPD-Bezirksb&#252;rgermeister von Berlin-Neuk&#246;lln, hat diese Position k&#252;rzlich auf den Punkt formuliert. In seiner <a href=„https://www.bild.de/politik/inland/buschkowsky-kolumne/bin-ich-ein-klima-killer-wenn-ich-fleisch-grille-56510154.bild.html“ target=„_blank“>&#8222;Bild&#8220;-Kolumne</a> fragte er: &#8222;Bin ich ein Klima-Killer, wenn ich Fleisch grille?&#8220;. Da notierte er, der sich als „Normalmensch“ beschreibt: „Ich geh&#246;re zu den B&#246;sen, denn mir macht Grillen Spa&#223;. Und nun wird mir eingeredet, dass ich damit schuld am Klimawandel bin.“ Nach „Erkl&#228;r-Demokratie und Belehr-Rechtsstaat“ komme jetzt der „Moral-Imperialismus“ als „Veggie-J&#252;nger“ ums Eck.<br/></p> <p>Damit gibt er die zentrale Idee der zweiten Seite der Konfliktlinie wieder: Ich bin nicht privilegiert, denn ich bin normal. Und normal kann so schlecht nicht sein. Schuld an irgendetwas bin ich schon gar nicht.</p> <p>Es gibt noch keine Begriffe, um diese Konfliktlinie und die neuen Lager zu beschreiben. Man k&#246;nnte sie Pluralit&#228;re gegen Normalit&#228;re nennen.</p> <h3>6. Die neue rechte Allianz</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Tasse mit Aufdruck: Auf dem AfD-Parteitag im April 2016 in Stuttgart wurde diese fotografiert. (Quelle: Reuters/Wolfgang Rattay)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/09/62/id_84520962/610/tid_da/tasse-mit-aufdruck-auf-dem-afd-parteitag-im-april-2016-in-stuttgart-wurde-diese-fotografiert-.jpg“ title=„Tasse mit Aufdruck: Auf dem AfD-Parteitag im April 2016 in Stuttgart wurde diese fotografiert. (Quelle: Reuters/Wolfgang Rattay)“/>Tasse mit Aufdruck: Auf dem AfD-Parteitag im April 2016 in Stuttgart wurde diese fotografiert. (Quelle: Wolfgang Rattay/Reuters)<br/></p> <p>Nat&#252;rlich sind die allermeisten Normalit&#228;ren keine Rechtsextremen. Doch es gibt nicht nur ihre hedonistische, sondern auch eine extremistische Auspr&#228;gung des Normalitarismus. Die deutet gesellschaftlichen Wandel aggressiv als Krieg gegen M&#228;nner, als &#8220;Kulturmarxismus&#8221;, als &#8220;Bev&#246;lkerungsaustausch&#8221; durch Fl&#252;chtlinge, „Umvolkung“ oder &#8222;Rassenkrieg&#8220; oder gleich als &#8220;Genozid an Wei&#223;en&#8221;.</p> <p>Nach und nach erodiert die Grenze zwischen beiden Ausformungen des Normalitarismus. Sie n&#228;hern sich einander an, vor allem &#252;ber die Ablehnung von &#8220;Politischer Korrektheit&#8221;. Die massiven Fragen, die der gesellschaftliche Wandel an das eigene Leben stellt, werden dabei zu anma&#223;enden Sprachregelungen einer kleinen Gruppe linker Eliten erkl&#228;rt.</p> <p>Unter demokratischen Konservativen sind Vorw&#252;rfe an die Gr&#252;nen &#252;blich, sie seien eine &#8220;Verbotspartei&#8221;, sie wollten bevormunden und sie f&#252;hlten sich im Besitz einer h&#246;heren Moral. Markus S&#246;der sagte im Sommer, Deutschland sei eine &#8220;Belehrungsdemokratie&#8221;. Auch b&#252;rgerliche Kolumnisten schreiben so. An solche Vorw&#252;rfe docken Scharnierpublizisten wie Thilo Sarrazin, Scharniermedien wie Tichys Einblick, Scharnierpolitiker wie Erika Steinbach an. So verbinden sich in einer zentralen Frage Normalit&#228;re mit der extremen Rechten.</p> <p>Auch die macht ja nicht nur Fl&#252;chtlinge und den Islam ver&#228;chtlich. Sie richtet sich vor allem auch gegen Menschen, die als Reaktion auf die neue Normalit&#228;t f&#252;r Selbstbeschr&#228;nkung werben: Die extreme Rechte nennt sie „Hypermoralisten“, „Gutmenschen“ oder „Social Justice Warriors“, also Krieger f&#252;r soziale Gerechtigkeit. Sie richtet sich gegen Geschlechterforschung, die sie „Genderwahn“ oder „Gender-Gaga“ nennt. Sie richtet sich gegen &#196;nderungen der Sprache, die sie als Sprechverbote oder Zensur verleumdet.<br/></p> <p>Sie muss nur diese Signalw&#246;rter sagen, dann ruft sie die neue Konfliktlinie auf &#8211; und sichert sich Unterst&#252;tzung von Menschen, die mit ihr sonst nicht unbedingt &#252;bereinstimmen.</p> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Wahlplakate von Norbert Hofer (FP&#214;, l.) und Alexander van der Bellen in Wien: Die &#246;sterreichische Pr&#228;sidentschaftswahl 2016 zeigte die neue Konfliktlinie besonders deutlich. (Quelle: Reuters/Heinz-Peter Bader)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/08/58/id_84520858/610/tid_da/wahlplakate-von-norbert-hofer-fpoe-l-und-alexander-van-der-bellen-in-wien-die-oesterreichische-praesidentschaftswahl-2016-zeigte-die-neue-konfliktlinie-besonders-deutlich-.jpg“ title=„Wahlplakate von Norbert Hofer (FP&#214;, l.) und Alexander van der Bellen in Wien: Die &#246;sterreichische Pr&#228;sidentschaftswahl 2016 zeigte die neue Konfliktlinie besonders deutlich. (Quelle: Reuters/Heinz-Peter Bader)“/>Wahlplakate von Norbert Hofer (FP&#214;, l.) und Alexander van der Bellen in Wien: Die &#246;sterreichische Pr&#228;sidentschaftswahl 2016 zeigte die neue Konfliktlinie besonders deutlich. (Quelle: Heinz-Peter Bader/Reuters)<br/></p> <p>Je schwindelerregender der Wandel und je gr&#246;&#223;er der Rechtfertigungsdruck auf die alte Normalit&#228;t, desto einflussreicher wird die neue Konfliktlinie. Desto eher &#252;berlagert sie andere Konfliktlinien. Desto eher formt sie Identit&#228;t. Desto eher f&#252;hlen sich Menschen verbunden mit allen, die auf ihrer Seite stehen. Selbst wenn sie einst viel getrennt hat. Gr&#252;ne verteidigen pl&#246;tzlich Angela Merkel, demokratische Konservative die AfD. Um rechts gegen links geht es dabei nicht.</p> <h3>7. Die gel&#246;sten R&#228;tsel</h3> <p>Vieles spricht daf&#252;r, dass es diese neue Konfliktlinie ist, die der extremen Rechten neue W&#228;hler zutreibt.&#160;<br/></p> <p>Diese Analyse macht verst&#228;ndlich, warum der Aufschwung der extremen Rechten in den Neunzigern begann und in den vergangenen Jahren beschleunigte.</p> <p>Warum er zeitgleich in so vielen unterschiedlichen L&#228;ndern auftritt und warum extrem rechte Parteien auch in konsolidierten Demokratien gewinnen.&#160;<br/></p> <p>Warum die extreme Rechte nicht nur W&#228;hler von rechten Parteien anzieht, sondern auch von linken &#8211; aber kaum von Gr&#252;nen.<br/></p> <p>Warum verl&#228;sslich Wei&#223;e und M&#228;nner besonders oft diese extreme Rechte w&#228;hlen, aber auch Menschen auf dem Land, wo Tradition und hergebrachte Normalit&#228;t eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielen als in der Stadt. Warum aber &#246;konomische Krisen und die Wirtschaftspolitik der Parteien keine gro&#223;e Rolle spielen.<br/></p> <p>Warum <a href=„https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.595120.de/diw_sp0975.pdf“ target=„_blank“>eine Studie</a> nebenbei ergeben hat, dass AfD-W&#228;hler mehr Fleisch essen. Warum <a href=„https://lordashcroftpolls.com/2016/06/how-the-united-kingdom-voted-and-why/“ target=„_blank“>fast alle</a>, die Feminismus, Multikulturalismus, Umweltschutz oder Einwanderung f&#252;r ein &#220;bel halten, f&#252;r den Brexit waren; und fast alle, die diese Ph&#228;nomene f&#252;r gut halten, dagegen.</p> <p>Warum die extreme Rechte so um die Vergangenheit kreist (&#8220;Make America Great&#160;<em>Again</em>&#8221;, &#8220;Man darf ja&#160;<em>nicht mehr</em>&#160;sagen&#8221;), um so genannte politische Korrektheit und um angebliche Hypermoral.&#160;</p> <p>Es gibt historische Beispiele daf&#252;r, dass gefestigte demokratische Ordnungen ersch&#252;ttert werden, weil Minderheiten auf Gleichheit dr&#228;ngen und sich die Privilegierten dagegen wehren. Die USA wurden dadurch zweimal radikal ver&#228;ndert.</p> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Darstellung einer Sklavenauktion in den USA, um 1830: Der demokratische Konsens zwischen Wei&#223;en hielt in den USA &#8211; bis die Abschaffung der Sklaverei zum Thema wurde. (Quelle: Rischgitz/Getty Images)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/11/38/id_84521138/610/tid_da/darstellung-einer-sklavenauktion-in-den-usa-um-1830-der-demokratische-konsens-zwischen-weissen-hielt-in-den-usa-bis-die-abschaffung-der-sklaverei-zum-thema-wurde-.jpg“ title=„Darstellung einer Sklavenauktion in den USA, um 1830: Der demokratische Konsens zwischen Wei&#223;en hielt in den USA &#8211; bis die Abschaffung der Sklaverei zum Thema wurde. (Quelle: Rischgitz/Getty Images)“/>Darstellung einer Sklavenauktion in den USA, um 1830: Der demokratische Konsens zwischen Wei&#223;en hielt in den USA &#8211; bis die Abschaffung der Sklaverei zum Thema wurde. (Quelle: Rischgitz/Getty Images)<br/></p> <p>In den USA bildete sich nach dem Unabh&#228;ngigkeitskrieg schnell ein demokratischer Konsens. Die Verfassung wurde anerkannt, Parteien wechselten sich an der Regierung ab und akzeptierten ihre Niederlagen. Aber es war ein Konsens der wei&#223;en Protestanten. Als die S&#252;dstaaten f&#252;rchteten, die Sklaverei k&#246;nnte abgeschafft werden, k&#252;ndigten sie ihn auf. Sie verlie&#223;en die Union, da war sie etwa so alt wie die Bundesrepublik heute. Der amerikanische B&#252;rgerkrieg kostete etwa eine halbe Million Menschen das Leben.<br/></p> <p>Danach stabilisierte sich die Ordnung schnell wieder, aber erneut unter Ausschluss der Schwarzen &#8211; bis die immer entschlossener gleiche Rechte forderten. Die Demokraten, bis in die 1960er eine Partei der Wei&#223;en, wandelten sich in kurzer Zeit zur Partei der B&#252;rgerrechtsbewegung. Schwarze und Latinos w&#228;hlten von da an demokratisch. Die S&#252;dstaaten wurden republikanisch. Die politische Landschaft nahm die Gestalt an, die sie heute hat.</p> <h3>8. Die neuen Erkenntnisse</h3> <p><img height=„343“ width=„610“ alt=„Justiz: Das Vertrauen der Deutschen nimmt eher zu. &#196;hnlich sieht es bei Parlament, Regierung oder auch der Presse aus. (Quelle: t-online.de)“ src=„https://bilder.t-online.de/b/84/52/14/60/id_84521460/610/tid_da/justiz-das-vertrauen-der-deutschen-nimmt-eher-zu-aehnlich-sieht-es-bei-parlament-regierung-oder-auch-der-presse-aus-.png“ title=„Justiz: Das Vertrauen der Deutschen nimmt eher zu. &#196;hnlich sieht es bei Parlament, Regierung oder auch der Presse aus. (Quelle: t-online.de)“/>Justiz: Das Vertrauen der Deutschen nimmt eher zu. &#196;hnlich sieht es bei Parlament, Regierung oder auch der Presse aus. (Quelle: t-online.de)<br/></p> <p>Wenn diese Analyse zutrifft, was bedeutet das? Acht Schlussfolgerungen:</p> <p>1. Dass rechtsextreme Positionen nicht wirklich zunehmen, hei&#223;t auch: Sorge ist sinnvoll, Panik unn&#246;tig, mehr Gelassenheit m&#246;glich.</p> <p>2. Gefahr droht trotzdem. Es geht kein Ruck durch die Gesellschaft, aber der rechte Rand wird mutiger. Ein Teil der Mitte solidarisiert sich. So war es in Chemnitz. Solange die extreme Rechte in den Parlamenten wichtiger wird und die Debatten beeinflusst, wird das so bleiben. Widerstand bleibt n&#246;tig, gerade auf der Stra&#223;e.</p> <p>3. Die Selbstbezichtigung der Linken, man habe die extreme Rechte durch das Reden &#252;ber Transgender-Toiletten stark gemacht, f&#252;hrt in die Irre. Emanzipation ist kein linkes Elitenprojekt. Frauen, Schwarze, Queere, Muslime, die als Minderheiten galten, obwohl sie zusammen die gro&#223;e Mehrheit sind, sprechen selbst, weil sie wollen. Und jedes Recht dazu haben. Dass sie einfach nur sichtbar sind, Jobs bekommen und Macht erhalten, l&#246;st bereits Gegenreaktionen aus.&#160;</p> <p>4. Die Ursache f&#252;r den Aufschwung der extremen Rechten ist kein Politikfehler, sondern ein Gro&#223;trend. Er wird deshalb nicht durch einzelne Gegenma&#223;nahmen zu stoppen sein. Nicht durch mehr Busse auf dem Land, auch nicht dadurch, dass Politik existierende Probleme mit Fl&#252;chtlingen l&#246;st. Man kann der extremen Rechten deshalb keine Themen wegnehmen.</p> <p>5. Die Sorgen der Normalit&#228;ren demonstrativ ernst zu nehmen, f&#252;hrt nicht weit, weil eine demokratische Partei sie nicht in Politik verwandeln kann. Sie kann Frauen, Schwule, Muslime oder Schwarze nicht kleinhalten. Die alte Normalit&#228;t war im Kern einfach nicht demokratisch: Wahrscheinlich sind deshalb alle gro&#223;en Parteien auf der normalit&#228;ren Seite der neuen Konfliktlinie autorit&#228;r. Und wahrscheinlich gelingt es deshalb seit Jahren <a href=„https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_83203386/konservativ-merkel-ist-nicht-schuld-an-der-leere-der-union.html“>keiner konservativen Partei</a>, sich dort zu positionieren, ohne dem Ressentiment anheim zu fallen.&#160;</p> <p>6. Weil sich nicht beide Seiten der neuen Konfliktlinie problemlos demokratisch besetzen lassen, bleibt nur, ihre Bedeutung zu schw&#228;chen. Damit sich Zugeh&#246;rigkeit zu Lagern nicht mehr vor allem an ihr ausrichtet. Dabei wird man an Grenzen sto&#223;en, denn der Wandel ist real, nicht nur kommunikativ. Doch eine Verschiebung sollte m&#246;glich sein. Hei&#223;t: Mehr &#252;ber anderes reden. Und die H&#252;rden f&#252;r eine Ann&#228;herung an die extreme Rechte durch Ausgrenzung erh&#246;hen.</p> <p>7. Alles deutet darauf hin, dass die extreme Rechte eine Minderheit bleiben wird, wenn auch eine relevante. Wirklichen politischen Einfluss kann sie nur erobern, wenn andere Parteien ihre Politik umsetzen, ihre Sprache &#252;bernehmen oder mit ihr koalieren. Die k&#246;nnen das aber auch verweigern. Eine Schl&#252;sselrolle kommt den Konservativen zu. Sie k&#246;nnen, nein, sie m&#252;ssen die H&#252;ter der demokratischen Ordnung sein.&#160;</p> <p>8. Wenn das misslingt, wenn die autorit&#228;re extreme Rechte doch an die Macht kommt, zerst&#246;rt sie die Demokratie. In Ungarn, Polen, auch &#214;sterreich und den USA ist das zu beobachten. Dann kann sie wirklich die ganze Gesellschaft verr&#252;cken. Ohne vorherigen Rechtsruck.</p> </html>

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